Schulen schließen wegen hartem Lockdown

Homeschooling, Fernunterricht, Weihnachtsferien: Für welche Schüler in Baden-Württemberg was gilt

  • Julia Thielen
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In Baden-Württemberg gelten ab dem 16. Dezember vorgezogene Weihnachtsferien. Alle Schulen schließen. Für wen es trotzdem Fernunterricht gibt und ob Homeschooling verpflichtend ist.

Der zweite harte Lockdown trifft erneut besonders Schüler, deren Eltern und Lehrer. Wohl auch, weil einige angesichts vieler Neuerungen und immer wieder verschärften Maßnahmen mittlerweile den Überblick verloren haben dürften, was denn nun eigentlich für die eigene Klasse oder die eigenen Kinder gilt. Ist nun Homeschooling angesagt oder haben die Schüler in Baden-Württemberg verfrühte Weihnachtsferien? Ein Überblick.

Baden-Württemberg: Homeschooling, Fernunterricht, Weihnachtsferien - was jetzt gilt

Das Wichtigste vorweg: Während auf dem Corona-Gipfel offiziell keine bundesweiten Schulschließungen beschlossen wurden, sieht es in Baden-Württemberg anders aus. Hier schließen Schulen wegen der Corona-Pandemie in jedem Fall ab Mittwoch, 16. Dezember, komplett. Es gibt aber Ausnahmen: für Abschlussklassen und Schüler, die eine Notbetreuung benötigen.

Der Beschluss, die Schulen in Baden-Württemberg zu schließen, „ist gleichzusetzen mit vorgezogenen Ferien“, heißt es von der Landesregierung. Regulär sollten die Weihnachtsferien am 23. Dezember beginnen und bis zum 9. Januar gehen. Nun wurden sie um den zunächst angesetzten Zeitraum des Lockdowns verlängert.

Weihnachtsferien Baden-Württemberg: Welche Schüler verfrüht frei haben

„Dieser drastische Schritt ist angesichts der Infektionszahlen auf Rekordniveau unausweichlich. Wenn in Deutschland das komplette gesellschaftliche Leben heruntergefahren werden muss, ist es selbstverständlich, dass wir auch bei den Schulen und Kitas einen Beitrag zur Kontaktminimierung leisten müssen“, sagt Baden-Württembergs Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann zu den vorzeitigen Weihnachtsferien.

Für einige Schüler gilt trotz Schulschließungen und vorgezogenen Weihnachtsferien in Baden-Württemberg noch Fernunterricht.

Die Weihnachtsferien in Baden-Württemberg beginnen nun bereits am 16. Dezember. Der erste Schultag danach wäre, Stand jetzt, der 11. Januar. Weil die Schulschließungen wegen des Lockdowns mit verlängerten Weihnachtsferien einhergehen, müssen Schüler kein Homeschooling machen.

Schule Baden-Württemberg: Fernunterricht für Abschlussklassen - das gilt jetzt

Zumindest die allermeisten nicht. Denn: Eine Ausnahme betrifft die Schüler der Abschlussklassen. Ihre Ferien beginnen wie ursprünglich geplant erst am 23. Dezember. Bis dahin ist Fernunterricht zu Hause für sie verpflichtend. Von dieser Regelung sind folgende Schüler beziehungsweise Klassen betroffen:

  • 9. Klasse: Schüler der Klassenstufe 9 der Hauptschule, Werkrealschule, Realschule und Gemeinschaftsschule, die im Schuljahr 2020/21 die Abschlussprüfung ablegen
  • 10. Klasse: Schüler der Klassenstufe 10 der Hauptschule, Werkrealschule, Realschule und Gemeinschaftsschule, die im Schuljahr 202012021 die Abschlussprüfung ablegen sowie Schüler der Klassenstufe 10 in zieldifferenten inklusiven Bildungsangeboten, die sich auf ein nahtlos anschließendes Bildungsangebot vorbereiten
  • Jahrgangsstufe 1 und 2: Schüler der Jahrgangsstufen 1 und 2 des allgemein bildenden Gymnasiums, des beruflichen Gymnasiums und der Gemeinschaftsschule, Abschluss- und Prüfungsklassen der beruflichen Schulen (Ausnahmen hiervon sind unter anderem einjährige Berufsfachschule oder Berufskollegs)

Sie führen den Unterricht bis zum Beginn der Weihnachtsferien zu Hause fort. Klassenarbeiten dürfen in dieser Zeit aber nicht geschrieben werden. Wenn diese für die Notenbildung zwingend erforderlich sind, sollen sie nachgeholt werden, sobald wieder Präsenzunterricht an den Schulen in Baden-Württemberg stattfinden kann.

Baden-Württemberg: Schulschließungen wegen Corona - diese Schüler haben Anspruch auf Notbetreuung

Für jüngere Schüler, deren Eltern zwingend darauf angewiesen sind, wird in Baden-Württemberg wegen der Schulschließungen eine Notbetreuung eingerichtet. Diese Schüler der 1. bis 7. Klassen werden in den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) bis zum ursprünglichen Beginn der Weihnachtsferien, also zwischen dem 16. und 22. Dezember, betreut. Die Notbetreuung erfolgt durch die jeweiligen Lehr- beziehungsweise Betreuungskräfte.

Anspruch auf Notbetreuung wegen der Schulschließungen haben Kinder, bei denen beide Erziehungsberechtigte beziehungsweise die oder der Alleinerziehende von ihrem Arbeitgeber als unabkömmlich gelten. Dies gilt für Präsenzarbeitsplätze sowie für Home-Office-Arbeitsplätze gleichermaßen. Auch Kinder, für deren Kindeswohl eine Betreuung notwendig ist, haben einen Anspruch auf Notbetreuung. Das baden-württembergische Kultusministerium will jedem SBBZ kurzfristig weitere Orientierungshilfen zur Umsetzung der Notbetreuung mit an die Hand geben.

Baden-Württemberg: Schulschließungen - Plan für „danach“ dringend benötigt

Mit diesen Regelungen für Schüler soll die Zeit bis zum 10. Januar in Baden-Württemberg sinnvoll überbrückt werden. Bildungsgewerkschaften und Lehrerverbände schauen aber schon auf die Zeit nach den Weihnachtsferien und fordern Pläne, wie es dann weitergeht. Es erscheint derzeit unwahrscheinlich, dass sich die Corona-Lage bis zum 10. Januar wesentlich entspannt.

Kultusministerien und Schulämter müssten nun sofort gemeinsam mit Schulleitungen, Lehrkräften und Bildungsgewerkschaften Szenarien für die Zeit nach den Weihnachtsferien in Baden-Württemberg vorbereiten, forderte GEW-Chefin Marlis Tepe. „Die Schulen müssen Freiräume bekommen, weiter Konzepte für Wechsel- und Fernunterricht zu erarbeiten. Alle brauchen eine Perspektive über den 10. Januar hinaus.“

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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