Schulstart trotz Covid-19 in Baden-Württemberg?

Werden die Sommerferien wegen Corona verkürzt? Gesundheitsexperte mit klarer Ansage

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Die Schulen in Baden-Württemberg sind geschlossen. Wie geht es im Januar weiter? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat dazu eine klare Meinung.

Update, 2. Januar: In Baden-Württemberg setzt sich Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) für eine schnelle Öffnung der Schulen und Kitas ein. „Ich gehe davon aus und werbe sehr dafür, dass wir Kitas und Grundschulen in jedem Fall wieder in Präsenz öffnen und auch Klasse 5, 6 und 7 sowie die Abschlussklassen im Blick haben – unabhängig von den Inzidenzzahlen.“ Die Landesregierung von Baden-Württemberg ist etwas anderer Meinung.

Baden-Württemberg: Karl Lauternach kritisiert Eisenmanns Vorschlag zur Schulöffnung scharf

Zwar müsse man Schulen und Kitas so schnell wie möglich wieder öffnen, „aber auch im Schulbereich hängen sämtliche Maßnahmen vom Infektionsgeschehen ab“, heißt es in einer Mitteilung der Landesregierung auf Twitter. Gegenwind bekommt Eisenmann auch vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach aus Berlin. Er kritisiert Eisenmanns Vorschlag – die Schulen in Baden-Württemberg ab dem 11. Januar wieder zu öffnen – sehr scharf.

Eisenmann hatte sich zuletzt für eine Öffnung der Schulen und Kitas ab dem 11. Januar ausgesprochen. Dies sollte auch dann passieren, wenn der Lockdown in Baden-Württemberg über den 10. Januar hinaus verlängert werden sollte. Lauterbach ist genau anderer Meinung. Sollte Unterricht wieder in den Schulen stattfinden, wäre die gesamte Arbeit der vergangenen Wochen umsonst gewesen, sagt Lauterbach im Gespräch mit dem Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden.

Baden-Württemberg: Lauerbach erwägt Kürzung der Sommerferien

Lauterbach: „Mit der Einstellung hätten wir uns das alles hier sparen können.“ Für den SPD-Gesundheitsexperten wäre die Rückkehr zu Präsenzunterricht in Baden-Württemberg – etwa mit Blick auf das medizinische Personal auf Intensivstationen – unverantwortlich. Den Menschen, die dort arbeiteten, könne man eine solche Haltung nicht vermitteln. Stattdessen schlägt Lauterbach vor, den Präsenzunterricht ab der Mittelstufe für längere Zeit auszusetzen.

Dafür sollten zur Not die Sommerferien in Baden-Württemberg verkürzt werden. Über Lockerungen könne man einzig bei Kitas und Grundschulen diskutieren, erklärt Lauterbach im SWR-Gespräch. Kritik bekommt Eisenmann auch von der Bildungsgewerkschaft GEW. Deren Chefin Marlies Tepe hat zuletzt gefordert, schnell Klarheit zu schaffen. Kitas, Schulen und Unis bräuchten Zeit, um sich vorzubereiten. Die GEW-Chefin spricht sich zudem für Wechselunterricht in kleinen Gruppen aus.

Längere Schulschließungen und dafür kürzere Sommerferien wären für Karl Lauterbach zur Not eine Option.

Baden-Württemberg: Schulöffnung Mitte Januar? Bund-Länder-Gipfel am Dienstag

Eisenmann wiederum hat zuletzt noch einmal ihren Vorschlag bekräftigt, die Schulen und Kitas ab dem 11. Januar wieder zu öffnen. Wie es in Baden-Württemberg nach den Ferien weitergeht, steht noch in den Sternen. Klarheit dürfen sich Betroffene vom Bund-Länder-Gipfel am 5. Januar erhoffen. Unklar ist allerdings, ob es ein bundeseinheitliches Vorgehen geben wird.

Der Grund: Infektionsschutz und Bildung bleibt Ländersache. Jedes Bundesland entscheidet am Ende selbst, was in der Corona-Verordnung tatsächlich steht.

Baden-Württemberg: Hammer-Ansage von Kultusministerin Susanne Eisenmann zur Schulöffnung

Update vom 29. Dezember: Erst gestern, am 28. Dezember, erklärte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann gegenüber der dpa: „Ich gehe davon aus und werbe sehr dafür, dass wir Kitas und Grundschulen in jedem Fall wieder in Präsenz öffnen und auch Klasse 5, 6 und 7 sowie die Abschlussklassen im Blick haben - unabhängig von den Inzidenzzahlen.“

Diese Aussagen von Eisenmann überraschte sehr! Schließlich wurde in der Vergangenheit bei Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Baden-Württemberg und Deutschland sehr oft auf die Inzidenzzahlen verwiesen. Und nun sollten diese für Schulöffnungen plötzlich nicht mehr relevant sein?

Baden-Württemberg: Nach Hammer-Ansage zu Schulöffnung – Landesregierung rudert zurück

Anscheinend doch! Denn: Wenig später reagierte die Landesregierung Baden-Württemberg auf Twitter auf die Aussage von Kultusministerin Eisenmann. Dort wird zwar die Forderung zu einer Rückkehr des Präsenzunterrichts gerade für junge Schüler unterstützt, aber auch ganz klar auf die Inzidenzzahlen verwiesen! „Aber auch im Schulbereich hängen sämtliche Maßnahmen vom Infektionsgeschehen ab“, heißt es in dem Tweet der Landesregierung.

Ob die Schüler in Baden-Württemberg im Januar zumindest teilweise wieder in die Schule dürfen, bleibt also weiterhin unklar. Zwischen Kultusministerium und Landesregierung scheint es in dem wichtigen Punkt der Inzidenzzahlen noch Klärungsbedarf zu geben. Der am 5. Januar geplante Corona-Gipfel mit Angela Merkel und den Regierungschefs der Bundesländer sollte diese Frage jedoch beantworten.

Baden-Württemberg: Kultusministerin Eisenmann macht sich für Schulöffnungen stark

Update vom 28. Dezember: Es ist die Frage, die vielen Eltern, Lehrern und Schülern unter den Nägeln brennt. Werden die Schulen im Januar in Baden-Württemberg wieder öffnen - oder nicht? Noch am 22. Dezember (wir berichteten) erklärte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann, dass die Entscheidung erst fallen werden, wenn Bund und Ländern sich am 5. Januar erneut zu einem Corona-Gipfel treffen.

Jetzt macht Eisenmann gegenüber der dpa klar: „Ich gehe davon aus und werbe sehr dafür, dass wir Kitas und Grundschulen in jedem Fall wieder in Präsenz öffnen und auch Klasse 5, 6 und 7 sowie die Abschlussklassen im Blick haben - unabhängig von den Inzidenzzahlen.“ Eine deutliche Ansage, die mit Blick auf die aktuelle Infektionslage überrascht.

Baden-Württemberg: Öffnen Schulen im Januar wieder? Regierung überrascht mit Hammer-Ansage

Baden-Württemberg wird sich also beim Corona-Gipfel mit Bund und Ländern am 5. Januar zumindest für eine Öffnung von Kitas und Grundschulen nach dem 10. Januar einsetzen - und Unterstufe und Abschlussklassen „im Blick haben“. Eisenmann: „Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen.“

Ganz besonders mit jüngeren Schülern in der Grundschule sei digitaler Unterricht eigentlich nicht umsetzbar. Und wie steht es um die Vorschläge, die Weihnachtsferien zu verlängern oder zu verschieben? Die klare Antwort von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann: Davon halte sie gar nichts!

Baden-Württemberg: Öffnen die Schulen im Januar überhaupt? Erste Details bekannt

Update vom 22. Dezember: Starten die Schulen in Baden-Württemberg tatsächlich zum Ende des Lockdowns, also am 11. Januar 2021, wieder in den Unterricht? Auf diese Entscheidung müssen Eltern, Lehrer und Schüler noch warten – sie wird erst wenige Tage zuvor gefällt. Wie das baden-württembergische Kultusministerium mitteilte, wolle man dafür die Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder abwarten. Der Corona-Gipfel ist am 5. Januar 2021 geplant.

Das prinzipielle Ziel hält Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann aber fest. Dieses sei, „so viel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten“. Dabei sei der Lernerfolg am größten. Zudem sei Schule auch in psychologischer Hinsicht wichtig. „Schule gibt Kindern und Jugendlichen gerade in der schwierigen Pandemiesituation Struktur und Halt“, sagt Eisenmann. Man arbeite deswegen derzeit an einem Konzept für einen Wiedereinstieg am 11. Januar – wie es dann in der Realität aussieht, bleibt abzuwarten. Das Konzept soll flexibles Handeln je nach Infektionslage und Alter der Schüler möglich machen.

Schulen in Baden-Württemberg: Wie geht‘s im Januar weiter? Infos vom Kultusministerium

In einem Schreiben an die Schulen in Baden-Württemberg teilte die Kultusministerin außerdem mit, dass die Halbjahreszeugnisse 2021 nicht schon zum 10. Februar ausgegeben werden müssen. Stattdessen sei Zeit bis Ende Februar. Da die Schulen bereits ab dem 16. Dezember geschlossen wurden, konnten geplante Klassenarbeiten nicht mehr stattfinden. Durch die Entscheidung hinsichtlich der Zeugnisse können die Arbeiten im Januar noch nachgeholt werden.

Von der Ausweitung des Zeugnis-Zeitfensters sind die Klassen ausgenommen, bei denen eine Entscheidung über die weitere Schullaufbahn ansteht. „Das betrifft die vierte Klasse in der Grundschule, wo die Grundschulempfehlung ansteht, sowie die Klasse 8 und 9 der Gemeinschaftsschulen, in denen ebenfalls eine Entscheidung über die weitere Schullaufbahn erfolgt“, teilt das Kultusministerium von Baden-Württemberg mit.

Außerunterrichtlichen Veranstaltungen dürfen in den Schulen in Baden-Württemberg außerdem bis zum 30. April 2021 geplant werden. Danach soll so geplant werden, dass bei Absagen keine Stornokosten entstehen. Das Kultusministerium rät zudem von Tagen der offenen Tür ab, die viele Schulen vor dem Übergang auf die weiterführende Schule anbieten.

Baden-Württemberg: Homeschooling wegen Lockdown? So geht es für Schüler weiter

Erstmeldung vom 16. Dezember: Verfrühte Weihnachtsferien - noch im vergangenen Jahr hätten sich viele Schüler über diese Nachricht wohl enorm gefreut. Länger schulfrei, so richtig entspannt in die Feiertage starten und mit Freunden treffen. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie bedeuten die vorzeitigen Weihnachtsferien in Baden-Württemberg vor allem eines: In einem für Schulen ohnehin chaotischen Jahr kommt noch mehr Unterrichtsausfall hinzu. Ohne, dass ein dauerhaftes Ende in Sicht wäre. Einen Nach-Lockdown-Plan gibt es derzeit nicht.

Es brauche „klare Perspektiven für die Schulen über das Ende der Weihnachtsferien hinaus“, erklärte Baden-Württembergs Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann mit Verkündung im Zuge des harten Lockdowns geltenden Schulschließungen. Ihr dringendes Anliegen: Die Schulen müssen - im Gegensatz zum ersten Lockdown - „prioritär wieder geöffnet werden“.

Schulschließungen in Baden-Württemberg

Schulen werden vom 16. Dezember 2020 bis zum 10. Januar 2021 geschlossen. Der Beschluss „ist gleichzusetzen mit vorgezogenen Ferien“.

Schüler der Abschlussklassen haben bis zum 23. Dezember (regulärer Beginn der Weihnachtsferien) verpflichtend Fernunterricht.

Für Schüler der Klassen 1 bis 7, „deren Eltern zwingend darauf angewiesen sind“ gibt es das Angebot einer Notbetreuung vom 16. bis zum 22. Dezember.

Anspruch auf Notbetreuung haben Kinder, bei denen beide Erziehungsberechtigte bzw. der/die Alleinerziehende vom Arbeitgeber als unabkömmlich gelten. Auch Kinder, für deren Kindeswohl eine Betreuung notwendig ist, haben einen Anspruch auf Notbetreuung. 

Doch ob die Wiedereröffnung der Schulen tatsächlich mit dem derzeit vorerst angesetzten Ende des Lockdowns für den 10. Januar zusammenfällt, bliebt fraglich. Eisenmann selbst schränkt hier klar ein: „Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, sollen die Einschränkungen des Regelbetriebs nur bis zum Ende der Weihnachtsferien gelten.“ Ja, wenn.

Baden-Württemberg: Schulschließungen wegen Corona - Homeschooling im Lockdown?

Denn das am 10. Januar das Corona-Infektionsgeschehen tatsächlich schon wieder so weit gesenkt wurde, dass ein Ende des Lockdowns und damit ein Wiederbeginn der Schulen in Baden-Württemberg möglich ist, scheint derzeit unwahrscheinlich. Momentan gelten gewisse Homeschooling-Regelungen für die Weihnachtsferien.

Längerfristige Planungen für Schulen in Baden-Württemberg seien im Pandemiegeschehen aber unmöglich zu erstellen, erklärte Eisenmann unlängst im Interview mit dem SWR. Demnach sei die grundsätzliche Bestrebung, nach dem Lockdown wieder auf Präsenzunterricht umzusteigen - auch bei anhaltend gleichbleibenden Infektionszahlen. Fest steht: Bislang gab es kein verständliches und nachhaltiges Konzept für Homeschooling und Fern- oder Wechselunterricht. Präsenzunterricht im Regelbetrieb wäre nach jetzigem Stand wohl auch nach dem 10. Januar nur schwer durchführbar.

Baden-Württemberg: Lockdown auch für Schüler - Plan für danach gefordert

Deshalb pocht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einen Plan für danach. Kultusministerien und Schulämter müssten nun sofort gemeinsam mit Schulleitungen, Lehrkräften und Bildungsgewerkschaften Szenarien für die Zeit nach den Weihnachtsferien vorbereiten, forderte GEW-Chefin Marlis Tepe.

„Die Schulen müssen Freiräume bekommen, weiter Konzepte für Wechsel- und Fernunterricht zu erarbeiten. Alle brauchen eine Perspektive über den 10. Januar hinaus.“ Dann, wenn auch die verlängerten Weihnachtsferien in Baden-Württemberg vorbei sind - und es für viele im Zweifelsfall doch wieder Homeschooling heißen könnte.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa/dpa-tmn/Symbolbild

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