Notbremse für Schulen

Kommt Notbremse für Schulen in Baden-Württemberg? Schließungen ab 100er-Inzidenz drohen

  • Lisa Klein
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In Baden-Württemberg könnte es bald wieder leere Schulen geben. Derzeit sind Schulschließungen in Corona-Hotspots mit Inzidenzen über 100 im Gespräch.

Beim heutigen Corona-Gipfel (22. März) besprechen Bund und Länder das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Aus dem Beschlussentwurf geht laut Deutscher Presse-Agentur bereits hervor, dass angesichts der steigenden Inzidenzen in ganz Deutschland der Lockdown bis zum 18. April verlängert werden soll. Besonders umstritten sind derzeit die Verschärfungen von Corona-Maßnahmen für Landkreise mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 100 – dieser Punkt steht im Entwurf bislang noch in Klammern.

Von diesen Inzidenz-abhängigen Verschärfungen der Maßnahmen sind auch Schulen und Kitas betroffen. Angesichts der stark steigenden Corona-Zahlen muss sich wohl auch Baden-Württemberg auf härtere Auflagen gefasst machen. Die bereits Anfang März beschlossene „Notbremse“ bei hohen Infektionszahlen soll fortan konsequent umgesetzt werden. Das bedeutet, dass es bei einer Inzidenz über 100 keine weiteren Öffnungen geben darf oder Lockerungen zurückgenommen werden.

Baden-Württemberg: Inzidenz-abhängige Schul-Schließungen im Gespräch

Diskutiert werden soll beim heutigen Corona-Gipfel, ob ab einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.00 Einwohner Schulen und Kitas schließen müssen oder gar nicht erst öffnen dürfen, sofern Erzieher, Lehrer und Schüler oder betreute Kinder nicht zweimal pro Woche getestet werden können.

Wie auch in ganz Deutschland, schießen in Baden-Württemberg die Fallzahlen weiter in die Höhe. Zum ersten Mal seit zwei Monaten stieg die Inzidenz im Südwesten wieder über den Schwellenwert von 100. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche lag am Sonntag (21. März) in Baden-Württemberg bei 103,1, wie das Landesgesundheitsamt mit teilte. Das bedeutet: Notbremse. Insgesamt liegt in 21 von 44 baden-württembergischen Landkreisen die Inzidenz über 100 (Stand: 21. März).

Ab einer Inzidenz von 200 könnte es zudem eine generelle Schließung von Schulen und Kitas geben. Davon wären derzeit im Südwesten Schwäbisch Hall und Rastatt betroffen, die weiterhin die größten Corona-Hotspots im Land sind. Allerdings liegen auch der Hohenlohekreis (191,7), der Main-Tauber-Kreis (178,2) und der Kreis Sigmaringen (176,5) nicht mehr weit von dem Schwellenwert 200 entfernt.

Baden-Württemberg: Diskussion um Notbremse für Schulen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte bereits am Freitag angekündigt, es sei mit Verschärfungen in Baden-Württemberg zu rechnen. So werde es womöglich nicht dabei bleiben, dass Stadt- und Landkreise selbstständig über Öffnungen je nach Inzidenzen entscheiden können. Zudem müssten die Einwohner von Hotspot-Regionen mit harten Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen rechnen. Angesichts vieler Ansteckungen in Kitas und Schulen könne es zudem sein, „dass wir da auch was ändern müssen“, sagte Kretschmann.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte in der Rheinischen Post die Planung der Bundesregierung: „Wenn es den Bundesländern ernst damit gewesen wäre, Schulen trotz stark steigender Inzidenzzahlen offenzuhalten, hätte man dafür sorgen müssen, dass jetzt Lehrkräfte geimpft und Schulen mit Schnelltests in ausreichender Zahl ausgestattet sind. Davon sind wir aber an 9 von 10 Schulen noch meilenweit entfernt.“

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, kritisiert den Umgang mit den Schulen in der Corona-Pandemie.

Baden-Württemberg: Inzidenz-basierter Stufenplan für Schüler und Lehrer

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz hält eine Schließung der Schulen ab einem Wert von 200 für richtig. „In Hochinzidenzgebieten – beispielsweise in Regionen mit mehr als 200 Neuinfektionen – sollte zum Schutz der Gesundheit der Kinder und Lehrer ausschließlich digitaler Unterricht angeboten werden“, sagte Schwarz gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur.

Für nach Ostern soll für Schüler eine Perspektive entwickelt werden. „Für uns steht die Gesundheit der Schüler und Lehrer im Vordergrund. Daher benötigen wir einen Inzidenz-basierten Stufenplan für den Unterricht an unseren Schulen“, erklärte der Grünen-Politiker. „In diesem sollte – abhängig vom Infektionsgeschehen in der jeweiligen Region – festgelegt werden, wann Schüler im Hybridunterricht, im Wechselunterricht zwischen Präsenz und Homeschooling oder in herkömmlicher Weise unterrichtet werden.“

Ob der Entwurf beim Corona-Gipfel umgesetzt wird, wird im Laufe Montags vonseiten der Bundesregierung bekannt gegeben. Ministerpräsident Kretschmann wird die Umsetzung in Baden-Württemberg vermutlich erst am Dienstag (23. März) in einer Pressekonferenz bekannt geben.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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