Kultusministerium in der Kritik

Bildungsverbände mit schwerer Kritik: „Verlorene Legislaturperiode“

Ein gemütliches Zuhause ist in den letzten Monaten immer wichtiger geworden.
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Während der Corona-Krise wurde Online-Unterricht immer wichtiger. (Symbolbild)
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Die Corona-Pandemie hat gezeigt, das die Digitalisierung der Schulen in Baden-Württemberg wichtig ist. Die Bildungsverbände üben jetzt heftige Kritik am Kultusministerium.

Der ehemalige IBM-Chef Thomas Watson soll 1943 gesagt haben: „Ich glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben wird.“  Auch wenn es für diese Aussage keine Belege gibt, gilt sie bis heute als einer der größten Irrtümer der Geschichte.

Ohne Smartphones, Tabletts und Co. geht im Alltag inzwischen fast nichts mehr. Entsprechend soll die moderne Technik auch Einzug in Baden-Württembergs Schulen finden. Wie wichtig die Digitalisierung der Schulen ist, hat die Corona-Pandemie eindrucksvoll gezeigt. Das Coronavirus stellte sowohl Schüler als auch Lehrer vor eine völlig neue Herausforderung.

Baden-Württemberg: Kultusministerium hat Digitalisierung der Schulen verschlafen

Doch im Land der Dichter und Denker rutsch Vorsprung durch Technik, wie so manch ein Unternehmen anpreist, immer weiter in den Hintergrund. In Baden-Württemberg haben nun mehrere Bildungsverbände dem Kultusministerium vorgeworfen, die Digitalisierung der Schulen verschlafen zu haben.

Das Ministerium vermittele zwar den Eindruck, viel zu unternehmen, um den digitalen Wandel an den Schulen in Baden-Württemberg zu fördern, unterm Strich komme dabei aber zu wenig bei rum. „Wenn wir die letzten viereinhalb Jahre nüchtern betrachten, müssen wir sagen: Für die Qualitäts- und Zukunftsentwicklung der Schulen im Land geht eine verlorene Legislaturperiode zu Ende“, erklärt der Vorsitzende des Vereins für Gemeinschaftsschulen, Matthias Wagner-Uhl.

Baden-Württemberg: Bildungsverbände fordern mehr Beteiligung bei der Digitalisierung der Schulen

Zudem unternehme das Kultusministerium in Stuttgart zu viele Alleingänge. Die Verbände möchten hingegen stärker an den aktuellen Prozessen beteiligt werden. Laut den Verbänden gebe es in Baden-Württemberg genug Expertise, um sich gemeinsam dem digitalen Wandel anzunehmen. So förderte die Ferry-Porsche-Stiftung Projekte zu Digitalisierung der Schule mit einer Million Euro. Stattdessen gehe aktuell viel Erfahrung von außen in Bürokratiedschungel der Behörden verloren.

Das Kultusministerium betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass man in Konferenzen und Schalten im engen Austausch mit den Bildungsverbänden stehe. Die Aussage, dass es sich um eine verlorene Legislaturperiode handle, sei wegen Projekten wie dem Digitalpakt sowie einer digitalen Bildungsplattform nicht verständlich. Eine Auffassung, die viele Schulleiter in Baden-Württemberg nicht teilen. Laut einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) ist die Digitalisierung eine der größten Schwierigkeiten der Corona-Krise. So gab etwa jeder zweite Schulleiter nicht ausreichende Ausstattung und Schwierigkeiten beim Online-Unterricht als größte Probleme an.

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