Hohe Dunkelziffer?

Riesen-Schock – So viele Säuglinge in BaWü sind alkoholgeschädigt

Immer wieder kommen in Baden-Württemberg Kinder krank zur Welt, weil ihre Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken hatten. (Symbolbild)
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Immer wieder kommen in Baden-Württemberg Kinder krank zur Welt, weil ihre Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken hatten. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Jedes Jahr kommen in Baden-Württemberg Babys zur Welt, die unter dem Alkoholkonsum ihrer Mütter während der Schwangerschaft leiden. So viele sind es jährlich:

Das Coronavirus steht nach beinahe zwei Jahren Pandemie noch immer im medialen Vordergrund. Die Impfkampagne stockt und die Inzidenzen in Baden-Württemberg steigen auch weiterhin an. Doch Corona ist nicht das einzige wichtige medizinische Thema – das wird oft vergessen. Wie das Baden-Württembergische Sozialministerium jetzt im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Integration mitteilte, werden im Südwesten auch immer noch viele Babys geboren, die alkoholbedingte Schädigungen aufweisen.

Die Landesstelle für Suchtfragen geht laut der Deutschen Presse-Agentur dpa davon aus, dass in Baden-Württemberg jährlich etwa 1.100 Säuglinge nach ihrer Geburt alkoholgeschädigt sind. Deshalb hat der Ausschuss nun in seiner Sitzung am Mittwoch darüber beraten, die dem sogenannten „fetalen Alkoholsyndrom“ (Fetal Alcohol Spectrum Disorder, kurz: FASD) in Zukunft effektiver vorgebeugt werden kann. Die CDU-Fraktion hatte auf das Problem hingewiesen. Auch soll in Zukunft betroffenen Kindern besser geholfen werden. Hierfür will die Landesregierung Lösungen finden.

Krank durch Alkoholkonsum der Mutter: Dunkelziffer alkoholgeschädigter Babys noch viel höher?

Doch es gibt in dieser Hinsicht Schwierigkeiten: Das Ministerium wies darauf hin, dass es „ausgesprochen schwierig“ sei, Alkoholschädigungen überhaupt zu diagnostizieren. Deshalb sei vermutlich auch die Dunkelziffer der betroffenen Kinder noch viel höher als die tatsächlich nachgewiesenen Fälle. Die Schäden an den Säuglingen werden laut Sozialministerium dadurch verursacht, dass werdende Mütter in der Schwangerschaft Alkohol konsumieren.

Symptome des „fetalen Alkoholsyndroms“

Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft oder Stillzeit Alkohol konsumiert haben, leiden häufig an Minderwuchs und Untergewicht, Kleinköpfigkeit, mentalen Entwicklungsverzögerungen, Herzfehlern oder Skelettfehlbildungen.

Um solche Fehlbildungen bei ihrem Kind zu vermeiden, sollten Frauen während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit vollständig auf Alkohol verzichten. Derzeit gibt es noch keine definierte Schwellendosis für den Alkoholkonsum, ab der eine Schädigung des Kindes eintritt.

Der Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) hat wegen der hohen Dunkelziffer bei alkoholbedingten Schädigungen an neugeborenen Kindern bereits vor drei Jahren in Kooperation mit dem Landesjugendamt das Modellprojekt „FASD Hilfe“ ins Leben gerufen. Dieses Projekt soll das Wissen über FASD in relevanten Gesundheitsberufen fördern, um die alkoholbedingten Schädigungen bei Säuglingen schneller und sicherer zu diagnostizieren.

Leider endet das Modellprojekt „FASD Hilfe“ in wenigen Wochen. Obwohl das Ministerium selbst auf die „ausgesprochen schwierige“ Diagnose hingewiesen hatte, hat Sozialminister Manne Lucha (Grüne) nun eine Verlängerung der Förderung – und so eine Weiterführung des Projekts – abgelehnt. Die angespannte Haushaltslage sei der Grund für diese Entscheidung.

Sozialministerium Baden-Württemberg: Weitere wichtige Themen beschlossen

Eine Veränderung hin zum Positiven kündigte Sozialminister Lucha dagegen mit Blick auf den Ausbruch von vier Straftätern aus einer Weinsberger Klinik an. Die Zimmer der verurteilten Patienten, die auf der forensischen geschlossenen Station der Psychiatrie untergebracht waren, hätten zwar vergitterte Fenster gehabt – doch auf den Fluren habe es keine Sicherungen vor den Fenstern gegeben. Das soll sich nun ändern.

Auch erfreulichere Themen erhielten im Sozialministerium am Mittwoch (29. September) ihren Raum. Gemeinsam mit Schaustellern, Städte- und Gemeindebund hat die Landesregierung einen Plan ausgearbeitet, wie unter Corona-Bedingungen in diesem Jahr Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg stattfinden können. Alle Maßnahmen und Regeln dazu hat echo24.de in einem ausführlichen Artikel zusammengefasst.

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