Schwerpunktprinzip entscheidend

Regel-Wirrwarr im Lockdown: Darum darf die Drogeriekette Müller weiter alles verkaufen

drogerie Müller Filiale Heilbronn Eingang
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Auch in der Müller-Filiale in Heilbronn ist das ganze Sortiment trotz Lockdown erhältlich.
  • Olaf Kubasik
    vonOlaf Kubasik
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Während in Baden-Württemberg fast alle Geschäfte schließen müssen, darf die Drogeriekette Müller weiterhin auch Spielwaren oder Multi-Media-Artikel verkaufen.

  • Bis 10. Januar müssen in Baden-Württemberg alle Geschäfte schließen.
  • Doch es gibt Ausnahmen im bundesweiten Lockdown.
  • Müller darf sogar sein ganzes Sortiment verkaufen.

Die zweite Corona-Welle überrollt Deutschland. Und immer mehr Menschen infizieren sich mit Covid-19. Deshalb gilt bis 10. Januar in Baden-Württemberg ein Lockdown - mit zahlreichen Einschränkungen* für das öffentliche Leben. Unter anderem müssen alle Geschäfte schließen. Doch es gibt Ausnahmen: all jene, die der Grundversorgung dienen. Also zum Beispiel Supermärkte und Discounter, Drogerien, Apotheken oder auch Sanitätshäuser. Allerdings gibt‘s dabei ein Regelchaos, wie echo24.de* berichtet.

Und dieses Regelchaos treibt seltsame Blüten. Während die Corona-Krise bereits erste Insolvenzen im Einzelhandel* bedingt, öffnete die Parfümeriekette Douglas einige ihrer Filialen zu Beginn des Lockdowns am Mittwoch als Drogerien. Als sich daraufhin großer Protest regte, ruderte Geschäftsführerin Tina Müller zurück - und entschuldigte sich auf Twitter: „Für viele war die Entscheidung, einige Filialen mit Drogeriesortimenten offenzuhalten, nicht nachvollziehbar. Ab heute bleiben alle deutschen Filialen bis auf Weiteres geschlossen. Wir bitten alle um Entschuldigung, die wir mit unserem Vorgehen befremdet oder vor den Kopf gestoßen haben.“

Baden-Württemberg: Drogeriekette Müller kann trotz Corona-Lockdown alles verkaufen

Auf Unverständnis stößt auch die Drogeriekette Müller, die in ihren Filialen neben Drogeriebedarf auch Spielzeug, Multi-Media und Schreibwaren anbietet. Grund: Müller darf im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr nun das ganze Sortiment verkaufen. Elektromärkte und Spielwarengeschäfte sind hingegen geschlossen. Ein weiterer Kritikpunkt: Kunden von Müller können über den Online-Shop Ware bestellen und direkt in der Filiale abholen. Händlern, die ihre Geschäfte schließen mussten*, ist ein Abholservice hingegen untersagt.

Auf der Facebook-Seite des Drogeriemarkts Müller machen Kunden ihrem Unmut Luft. Einer schreibt: „Unglaublich, kleine Geschäfte, inhabergeführte Betriebe, junge Existenzen müssen schließen und IHR habt ALLE Bereiche geöffnet?“ Eine andere Userin spielt auf die späte Einsicht von Douglas an: „Tja... so verliert man Kunden. Solidarität versteht halt jeder, wie er will. Die Parfümerie Douglas hat es dann doch kapiert. Müller nicht. Profitgeier eben.“ Ein weiterer Kunde geht sogar noch einen Schritt weiter: „Da setzt sich mal wieder einer über die Corona-Auflagen hinweg und meint, er sei was Besseres.“

Baden-Württemberg: Drogeriekette Müller verweist im Corona-Lockdown auf ein Prinzip

Doch dem ist nicht so, wie eine Unternehmenssprecherin von Müller erklärt - DENN: „Wir handeln nach dem vorgeschriebenen Schwerpunktprinzip.“ Das besagt, dass kein Verbot besteht, wenn der erlaubte Sortimentsteil überwiegt. Diese Betriebe sollen dann alle Sortimente vertreiben können, die sie gewöhnlich auch verkaufen.  Die Müller-Sprecherin weiter: „Häuser, die dieses Schwerpunktprinzip nicht erfüllen, schließen Teilsortimente entsprechend der behördlichen Anordnungen.“

Wir handeln nach dem vorgeschriebenen Schwerpunktprinzip. 

Eine Unternehmenssprecherin von Müller

Im ersten Lockdown im Frühjahr galten für die Drogeriemärkte von Müller noch andere Regeln. Da durften in den Filialen nur die Bereiche geöffnet werden, in denen Artikel des täglichen Bedarfs verkauft wurden. Gegen die Absperrung regte sich Widerstand, die Müller-Filiale in Biberach zog sogar vor Gericht, siegte - und durfte wieder vollständig öffnen. Das dürfte ein weiterer Grund sein, warum die Corona-Verordnung diesmal milder ausfällt. Zudem können Lebensmittelriesen wie Kaufland* ebenfalls Produkte aller Warengruppen feilbieten. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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