Sozialminister Manne Lucha dämpft Hoffnung auf Impfstoff

Sozialminister Lucha kündigt an: Auch im April zu wenig Corona-Impfstoff

  • Lisa Klein
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Das Impfverfahren in Deutschland stagniert. Hoffnung auf eine Verbesserung im April machte der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha bereits zunichte.

Bundeskanzlerin Merkel sieht die Corona-Impfungen als „Weg aus der Krise“. Allerdings könnte es noch eine Weile dauern, bis dieser Weg beschritten ist, denn was das Impfverfahren in Deutschland angeht, stagniert es momentan nach wie vor. Es gibt weiterhin Lieferprobleme bei den Pharmakonzernen. Da hilft es nicht, dass fortan auch Hausärzte impfen dürfen, denn das Problem sind nicht überlastete Impfzentren, sondern der Mangel an Impfstoff.

In Baden-Württemberg gab es am Freitag nach langer Zeit mal wieder verfügbare Impftermine – allerdings nicht lange. Schon nach einer Stunde brach die Webseite, auf der die Termine gebucht werden können, zusammen. Bereits am Nachmittag gab es nur noch vereinzelt Termine. Die Nachfrage nach einer Corona-Impfung ist riesig. Kein Wunder, schließlich ist Impfstoff weiterhin Mangelware.

Sozialminister Lucha kündigt an: Auch im April gibt es zu wenig Corona-Impfstoff

Das baden-württembergische Sozialministerium hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass wegen des Impfstoffmangels nur wenige Termine zu vergeben sind: „Angesichts der knappen und noch unsicheren Impfstoffmengen kann derzeit nur ein Bruchteil der Berechtigten einen Termin erhalten“, hatte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) am Donnerstag gesagt.

Im internationalen Vergleich, was die Impfquote angeht, ist Deutschland nicht mal unter den Top 20. Platz eins belegen derzeit übrigens die Seychellen mit einer Impfquote von 64,2 Prozent, dicht gefolgt von Israel mit einer Quote von 60,3 Prozent. Deutschland hat laut Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) derzeit lediglich eine Impfquote von 4,5 Prozent.

Bis zum 26. März 2021 wurden in Deutschland 15.654.795 Dosen Impfstoff geliefert. Hiervon stammen 10.912.395 Dosen vom Hersteller BioNTech/Pfizer, 3.631.200 Dosen von AstraZeneca und 1.111.200 Dosen von Moderna. Mit den derzeitigen Liefermengen können täglich rund 35.000 Menschen geimpft werden, teilte das Ministerium mit. Der Landessozialminister hat bereits verkündet, dass die Lieferzahlen für April nur ein überschaubares Angebot zulassen würden, wie der SWR berichtet.

EU-Gipfel: Mehr Corona-Impfstoff im zweiten Quartal angekündigt

Allerdings gibt es dennoch etwas Hoffnung: Die zähe Corona-Impfkampagne in der Europäischen Union könnte nun endlich Fahrt aufnehmen, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. In den nächsten drei Monaten soll dreimal so viel Impfstoff kommen wie seit Jahresbeginn, wie Kommissionschefin Ursula von der Leyen beim EU-Videogipfel darlegte.

Wie viele Personen wurden in Deutschland bereits geimpft?

In Deutschland sind laut RKI bereits 3.768.060 Personen (Stand: 26. März) vollständig geimpft – das entspricht einer Impfquote von 4,5  Prozent der deutschen Gesamt­bevölkerung. Insgesamt haben 8.595.379 Personen mindestens eine Impf­dosis erhalten.

Produktion, Lieferung und Abgabe sollen weiter hochgefahren werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte sich erneut hinter diesen europäischen Weg. Streit gab es zwischen den 27 Staaten über die interne Verteilung der Impfstoffe. Eine vorgezogene Lieferung von zehn Millionen Dosen des Herstellers Biontech/Pfizer könnte einige Löcher stopfen – auf ganz Europa gerechnet ist das allerdings immer noch nicht viel Impfstoff.

Wirklich Hoffnung macht die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson und die eventuell baldige Zulassung des russischen Vakzins „Sputnik V“ sowie des mRNA-Impfstoffes von Curevac. Somit könnte es in Deutschland tatsächlich ab Juni mehr Impfstoff geben.

Auch im April zu wenig Impfstoff: Merkel verteidigt weiterhin europäischen Weg

Insgesamt sind überall in der EU die Impfstoffe knapp. In der Europäischen Union wurden bisher 62 Millionen Dosen Corona-Impfstoff verabreicht, 18,2 Millionen Menschen wurden bereits zweimal geimpft und haben somit einen vollen Schutz gegen das Coronavirus (Stand: 26. März). Die EU-Staaten erhielten von den Pharmakonzernen bisher rund 88 Millionen Impfdosen. Bis 31. März sollen es rund 100 Millionen Dosen sein. Für die Monate April bis Juni hätten die Pharmakonzerne dann 360 Millionen zugesagt, sagte von der Leyen.

Merkel verteidigte erneut den europäischen Weg. „Bei allen Beschwerlichkeiten glaube ich, dass sich in der Pandemie wieder gezeigt hat, dass es gut ist, dass wir diese Europäische Union haben.“ Ausdrücklich nannte sie auch die Impfstoffbeschaffung. „Es war richtig, auf die gemeinsame Beschaffung und Zulassung von Impfstoffen durch die Europäische Union zu setzen.“ Hätten einzelne Staaten Impfstoff und andere nicht, würde dies „den Binnenmarkt in seinen Grundfesten erschüttern“, sagte Merkel.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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