Schwere Vorwürfe gegen Manfred Lucha

Skandal in Baden-Württemberg: Wurde die Zahl der Corona-Toten verändert? Regierung unter Druck

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die Zahl der Corona-Toten in Pflegeheimen in Baden-Württemberg wurde offenbar von Gesundheitsminister Manfred Lucha (59, Grüne) nach unten beschönigt.

Am 14. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Für die Grünen zieht erneut Winfried Kretschmann in den Wahlkampf. Die CDU kürte Kultusministerin Susanne Eisenmann zur Spitzenkandidatin. Beide Politiker werben in der Bevölkerung um Stimmen. Dass Gesundheitsminister Manfred Lucha nun für negative Schlagzeilen sorgt, dürfte seiner Partei bitter aufstoßen. Wie echo24.de* berichtet, erhebt die Bild-Zeitung schwere Vorwürfe gegen den Grünenpolitiker.

Skandal in Baden-Württemberg: Zahl der Corona-Toten von Lucha beschönigt?

Mehr als 40 Prozent aller Corona-Toten in Baden-Württemberg starben seit Herbst 2020 in Pflegeheimen. Das geht aus aktuellen Zahlen der Landesregierung hervor. Auffallend ist, dass sich die aktuellen Zahlen von früheren Angaben der Landesregierung von Baden-Württemberg unterscheiden. Am 30. Dezember berichtete die Bild-Zeitung über die Todesfälle durch das Coronavirus in Pflegeheimen in Deutschland. Jedes Bundesland wurde im Zuge der Recherchen angeschrieben.

Zum damaligen Zeitpunkt teilte die Landesregierung von Baden-Württemberg der Bild-Zeitung mit, dass nur rund jeder zehnte Corona-Tote aus einem Pflegeheim stamme. Warum weichen die Angaben aus Baden-Württemberg derart voneinander ab? Wurden hier womöglich Zahlen beschönigt? Das wollten Abgeordnete des Landtags von Gesundheitsminister Manfred Lucha genauer wissen und hakten nach. Ihm passte das gar nicht, schlimmer noch: Er verlor die Beherrschung.

NameManfred Lucha
Alter59
Geboren13. März 1961, Garching an der Alz
ParteiBündnis 90/Die Grünen
AmtGesundheits- und Sozialminister

Skandal in Baden-Württemberg: So heftig reagierte Lucha auf die Vorwürfe

Die Bild-Zeitung habe von ihnen nur Zahlen bekommen, sagte Lucha im Landtag. Wenn die Bild-Zeitung selber Prozente ausrechne, sei das deren Umgang. Die Bild-Zeitung widerspricht Luchas Behauptung und veröffentlicht die Anfrage, die am 30. Dezember 2020 an das Gesundheitsministerium in Baden-Württemberg gerichtet wurde. „Der Anteil der Todesfälle in Alten-/Pflegeheimen beträgt somit 12,3 Prozent“, war die deutliche Antwort an die Bild-Zeitung aus Luchas Ministerium.

Die Opposition im Landtag von Baden-Württemberg ist fassungslos. Minister Lucha habe „die dramatischen Zustände in den Pflegeheimen geschönt und die Öffentlichkeit hinters Licht geführt“, erklärt Sascha Binder, der Generalsekretär der SPD in Baden-Württemberg. Lucha müsste sein Vorgehen in Bezug auf die Zahl der Corona-Toten in Baden-Württemberg bewusst gewesen sein. Die Bild-Zeitung hatte laut eigenen Angaben wegen der extrem niedrigen Zahlen mehrfach nachgefragt.

Skandal in Baden-Württemberg: Machten Kretschmanns Ministerien gemeinsame Sache?

Die Nachfrage zur Antwort des Gesundheitsministeriums richtete die Bild-Zeitung auch an das Regierungspräsidium. Doch statt die Todeszahlen durch Covid-19 in Baden-Württemberg zu überprüfen begründete das Regierungspräsidium die niedrigen Zahlen mit der Verschärfung der Schutzmaßnahmen in Altenheimen. Zu einzelnen Nachmeldungen könne es noch kommen, teilte das Regierungspräsidium in Stuttgart* der Bild-Zeitung mit. Und die einzelnen Nachmeldungen hatten es in sich.

Wie die Bild-Zeitung zu Manfred Lucha berichtet, meldete das Sozialministerium von Baden-Württemberg, dass im Dezember letzten Jahres 160 Pflegeheimbewohner an oder mit Covid-19 verstorben waren. Aktuellen Angaben des Sozialministeriums zufolge waren es aber tatsächlich 524 Todesfälle durch das Coronavirus in Pflegeheimen in Baden-Württemberg. Das ist eine Differenz von 364 Menschenleben.

Minister Lucha hat die Öffentlichkeit hinters Licht geführt.

Sascha Binder, SPD Baden-Württemberg

In Prozentzahlen ausgedrückt waren nicht 12,5 Prozent der Corona-Toten Pflegeheimbewohner in Baden-Württemberg, sondern 40 Prozent. Die Differenz beträgt 27,5 Prozent. Die aktuellen Corona-Zahlen für Baden-Württemberg* können im Ticker von echo24.de* nachgelesen werden. Und auch über die möglichen Lockerungen der Corona-Regeln* berichten wir aktuell ausführlich. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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