Corona-Pandemie hat schwere Folgen für Kinder

Heftige Kritik an Kretschmanns Vorstoß für kürzere Sommerferien

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, nimmt an der Landespressekonferenz Baden-Württemberg teil.
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Schulen in Baden-Württemberg: Kretschmann plädiert für verkürzte Sommerferien.
  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Wegen der Corona-Pandemie kam es vermehrt zu Schulschließungen. Aufgrund dessen entstand ein Lerndefizit, der nachgeholt werden muss. Dazu hatte Winfried Kretschmann ein Vorschlag, der auf heftige Kritik stieß.

Seit über einem Jahr hat das Coronavirus ganz Baden-Württemberg fest im Griff. Öffentliche Einrichtungen, Gastronomie und Einzelhandel mussten schließen, ebenso die Schulen. Doch damit nicht genug. Seit dem ersten Lockdown verlieren die Menschen immer mehr den Überblick - was ist noch in Baden-Württemberg erlaubt, was verboten? Vor allem für die Schulen gibt es immer wieder neue Regeln und Maßnahmen. Mal ist es Fernlernunterricht, mal Präsenzunterricht oder Notbetreuung. In einer Sache scheint die Politik jedoch einer Meinung zu sein: Wegen der Corona-Pandemie entstanden bei Schülern und Schülerinnen Lerndefizite, die nachgeholt werden müssen.

Aufgrund dessen warf Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann (Grüne), eine Überlegung in den Raum. Er schlug kürzere Sommerferien vor, um gezielt Wissenslücken zu schließen. Dieser Vorschlag stieß bei Lehrern und beim baden-württembergischen Kultusministerium auf Ablehnung. Eine Sprecherin des Ministeriums von CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann sagte, dass dies nicht der richtige Weg sei, um pandemiebedingte Lerndefizite aufzuholen. „Wir sollten nicht ein Problem lösen, indem wir neue Probleme schaffen.“ Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierten den Vorschlag.

Schule in Baden-Württemberg: Kretschmann schlägt kürzere Sommerferien vor

Kretschmann hält indessen verkürzte Sommerferien für denkbar. „Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen“, sagte der Grünen-Regierungschef dem Mannheimer Morgen. Außerdem sagte er ergänzend, eine zentrale Frage sei es, wie man es schaffe, die Kinder, bei denen sich in der Pandemie Lerndefizite aufgetürmt hätten, dabei zu unterstützen, die Rückstände wieder aufzuholen.

„Das ist eine große Verantwortung und eine gewaltige Aufgabe, die wir vor uns haben. Und auch wenn es vielleicht nicht immer klug ist, als Ministerpräsident laut nachzudenken, ich finde, da darf es auch keine Denkverbote geben.“ Kretschmann sagte, er sei offen für Vorschläge und wolle das Gespräch mit allen Beteiligten suchen.

Kritik an Kretschmanns Vorstoß: Ablehnung vom VBE

Auch beim Vize-Chef vom Verband Bildung und Erziehung (VBE), Dirk Lederle, stieß der Vorstoß auf Ablehnung.

Es zeigt, wie viel Ahnung der Ministerpräsident von der schulischen Realität hat.

Dirk Lederle

Die Lehrkräfte und die allermeisten Schüler seien hart am Arbeiten, auch in der schulfreien Zeit. „Vor diesem Hintergrund wäre eine Kürzung der Sommerferien nicht nur unverschämt, sondern eine grob fahrlässige Verletzung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.“

Verkürzte Sommerferien in Baden-Württemberg: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - „zu kurz gedacht“

Die GEW kritisierte den Vorschlag von Kretschmann als „zu kurz“ gedacht. Landeschefin Monika Stein sagte: „Wir brauchen Förderkonzepte mindestens für die nächsten beiden Schuljahre, und damit diese funktionieren, brauchen wir mehr Personal.“ Im Juli würden wieder Tausende Bewerberinnen und Bewerber vor allem für Gymnasien keine Stelle erhalten, obwohl sie in den Klassenzimmern aller Schularten dringend gebraucht werden könnten, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Auch Philologenverband Baden-Württembergs kritisiert den Vorstoß

Kritik kam auch vom Philologenverband. Landesvorsitzender Ralf Scholl erklärte, die weiteren Aussagen des Ministerpräsidenten deuteten eher darauf hin, dass er damit zusätzliche, freiwillige Fördermaßnahmen meine. „Fördermaßnahmen, die von Lehrkräften für Schüler auf rein freiwilliger Basis angeboten wurden. Dann ist dieser Vorschlag nachvollziehbar.“ Falls Kretschmann mit seiner Äußerung aber testen wollte, wie die Bürger auf eine allgemeine Ferienverkürzung reagierten, so müsse man das wohl als billige Wahlkampfmasche einordnen.

Baden-Württemberg: Landeselternbeirat fordern gezielte Förderung

Der Landeselternbeirat forderte dagegen eine gezielte Förderung, um Defizite zu beheben. „Man muss aber auch zugeben, dass das vergangene Jahr alle Beteiligten enorm strapaziert hat und nun eine Reduzierung insbesondere der Sommerferien vielleicht nicht das geeignete Mittel ist.“ Das Kultusministerium wies ferner darauf hin, dass in den Sommerferien spezielle Förderkurse angeboten würden, damit Schülerinnen und Schüler Wissenslücken schließen und gezielt an Problemen mit dem Schulstoff arbeiten könnten.

Bereits im vergangenen Sommer hätten 61.500 von ihnen das Angebot der sogenannten Lernbrücken genutzt. Geprüft werde zudem, ob diese Nachhilfe auf freiwilliger Basis bereits in den Pfingstferien angeboten werden könne. Der Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz sagte, dass Kultusministerium habe es bisher versäumt, für dieses Jahr ein Programm mit Zusatzangeboten und einer individuellen Förderung der Schüler aufzulegen. Das müsse jetzt zügig erfolgen.

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