Politiker kommen im Auspuff-Ranking gut weg

Vergleich der Ministerpräsidenten: So „grün“ ist Kretschmanns Dienstwagen wirklich

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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In Sachen Klimaschutz macht dem Grüne-Politiker Winfried Kretschmann keiner was vor. Denn laut Umwelthilfe fährt der Ministerpräsident das „sauberste Auto“ der BW-Landesregierung.

„Grün“ ist bei Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht nur eine Farbe oder seine Parteizugehörigkeit, sondern fast schon eine Lebenseinstellung. Denn: Grüner wird’s bei ihm nicht, zumindest was die Klimabilanz der Dienstwagen im bundesweiten Vergleich angeht. Kein anderer Landesvater wird laut einem Vergleich der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sauberer durch die Gegend chauffiert als Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

Demnach bläst sein nagelneuer Elektro-Dienstwagen jeden Kilometer 70 Gramm CO₂ in die Luft. Sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU) fährt einen Diesel und landet mit 204 Gramm klimaschädlichem Treibhausgas pro Kilometer recht abgeschlagen auf dem zweiten Platz.

Name Winfried Kretschmann
Geboren17. Mai 1948 (Alter 74 Jahre), Spaichingen
Partei Bündnis 90/Die Grünen
AmtMinisterpräsident von Baden-Württemberg seit 2011

Schmutzluft-Schlusslicht unter den Regierungschefs ist der Benziner von hessischem Regierungschef Volker Bouffier (CDU) mit satten 488 Gramm CO₂ pro Kilometer. Fairness halber muss man aber sagen: Seinen neuen Dienstwagen hat Kretschmann erst seit Mitte Februar, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Umwelthilfe vergleicht Emissionswerte der Ministerpräsidenten – Baden-Württemberg schneidet gut ab

Die Deutsche Umwelthilfe rechnet regelmäßig aus, wie umweltschädlich die Dienstwagen der Politiker sind. DUH-Werte zum CO₂-Ausstoß sind dabei nicht identisch mit den Angaben der Autofirmen.

Wie die dpa weiter berichtet, äußert sich der Verband auch dieses Jahr insgesamt enttäuscht – und erteilt 205 von 247 Politikerinnen und Politiker die Rote Karte, weil ihre Fahrzeuge im Realbetrieb den CO₂-Grenzwert überschritten. „Die Hälfte der befragten Politikerinnen und Politiker wählen beim eigenen Dienstwagen absolute Klimakiller: Plug-in-Hybride“, kritisierte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz am Donnerstag (19. Mai).

Plug-in-Hybrid

Beim Hybridantrieb teilen sich Elektromotor und Verbrenner die Arbeit. Einfache Hybride besitzen lediglich eine kleine Batterie, die beim Bremsen durch Rekuperation geladen wird. Geht der Fahrer aufs Gas, unterstützt der E-Motor und hilft dem Verbrenner beim Sparen. Rein elektrisches Fahren ist nicht oder nur auf sehr kurzen Strecken möglich. Ein Plug-in-Hybrid besitzt dagegen eine größere Batterie, die idealerweise eine Elektro-Reichweite von 50 Kilometern oder mehr ermöglicht. (Quelle: auto-motor-und-sport.de)

Aufgrund dessen fordert die Umwelthilfe einen Umstieg auf effiziente, rein elektrische Dienstwagen. Doch anstatt sich für wirklich klimafreundliche Dienstwagen zu entscheiden, gäben sich viele Bundes- und Landespolitiker nur einen grünen Anstrich, sagte Metz. Und ein Umstieg auf klimafreundliche Autos wird gerade von Wetter-Experten dringender empfohlen denn je. Denn durch den Klimawandel nehmen Wetter-Extreme, wie Hitze, Stürme und Überflutungen, auch in Deutschland vermehrt zu.

Baden-Württemberg: Emissions-Analyse der Umwelthilfe – BW im Jahr 2019 auf vorletztem Platz

Allerdings war Baden-Württemberg – seit vielen Jahren grün geführtes Bundesland – nicht immer ein Vorbild oder auf den ersten Plätzen in der Emissions-Analyse. Im Dezember 2019 lagen die Mitglieder der damaligen grün-schwarzen Landesregierung im Vergleich der Minister aller Bundesländer beim durchschnittlichen CO₂-Ausstoß mit 244 Gramm pro Kilometer auf dem vorletzten Platz.

Diesmal können sich die Ministerinnen und Minister mit ihren Dienstautos schon eher sehen lassen: Die Landesregierung landet mit durchschnittlich 198 Gramm CO₂/Kilometer auf dem zweiten Platz im Bundesvergleich. Nur die Berliner Landesministerriege ist noch besser unterwegs: mit 173 Gramm CO₂/Kilometer. Wer aus Regierungskreisen in Baden-Württemberg fährt aber das „schmutzigste Auto“?

Ministerpräsidenten-Vergleich: Wirtschaftsministerin fährt das „schmutzigste Auto“ der Landesregierung

Das laut Umwelthilfe schmutzigste Auto in der baden-württembergischen Landesregierung fährt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) – ihr Plug-in-Hybrid von Mercedes pustet jeden Kilometer 267 Gramm CO₂ in die Luft. Für die Menge kann Kretschmann fast viermal so lange durch die Gegend chauffiert werden.

Doch Hoffmeister-Kraut wird im Schmutzluft-Ranking wohl schon bald einen Sprung nach oben machen. Wie ein Ministeriumssprecher mitteilte, wurde bereits im Oktober ein Elektroauto für die CDU-Politikerin bestellt. Allerdings habe sich die Auslieferung verzögert – nach Pfingsten soll das neue Auto kommen.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/DPA