Coronavirus in Baden-Württemberg

„Jetzt haben Kinder Vorfahrt“ - Mega-Ansage von Kultusministerin Schopper

Für Kinder und Jugendliche war der lange Lockdown eine harte Bewährungsprobe. Jetzt will sich Baden-Württembergs Kultusministerin Schopper für sie einsetzen. (Symbolbild)
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Für Kinder und Jugendliche war der lange Lockdown eine harte Bewährungsprobe. Jetzt will sich Baden-Württembergs Kultusministerin Schopper für sie einsetzen. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    vonChristina Rosenberger
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Kinder und Jugendliche haben in der Corona-Pandemie viel zurückstecken müssen. Jetzt will Kultusministerin Schopper die Jüngsten in den Fokus rücken.

Turbulente Zeiten haben Baden-Württemberg heftig durchgerüttelt. Nicht nur die Corona-Krise hat dazu ihren Teil beigetragen. Auch die Landtagswahl rüttelte an den Säulen des Südwestens. Denn mitten in der Pandemie führten die Wahlergebnisse dazu, dass Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sich aus der Politik zurückzog und somit auch ihren Posten räumte. Zurück blieb eine Lücke, die nun von Theresa Schopper (Grüne) gefüllt wird. Und die neue Kultusministerin hat große Pläne für die Jugend.

Nach Schoppers Meinung müssen Kinder und Jugendliche ab sofort politisch Vorrang haben. Sie hätten während des quälend langen Corona-Lockdowns viel ausgehalten - die Strapazen „mit Bravour gemeistert“ und seien sehr solidarisch mit ihren Eltern und Großeltern gewesen, sagte die Grünen-Politikerin kürzlich der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „Aber jetzt haben Kinder und Jugendliche Vorfahrt. Wo immer man Solidarität für Kinder und Jugendliche einfordern kann, sollte man das tun.“ Deshalb will Schopper ab sofort die Lobby für Kinder und Jugendliche in ganz Baden-Württemberg sein.

Kinder im Corona-Lockdown: BaWü-Kultusministerin will „Lobby für Kinder und Jugendliche“ sein

Doch die Pläne der neuen Kultusministerin könnten sich schwieriger gestalten, als gedacht. Denn die meisten Maßnahmen der Schulpolitik stehen im grün-schwarzen Koalitionsvertrag unter Haushaltsvorbehalt. Lediglich das „Sofortprogramm zur Bewältigung der Corona-Folgen in Schulen“ soll es definitiv geben. Das beinhaltet aber beispielsweise zunächst keine neuen Lehrerstellen, erklärte Schopper weiter gegenüber der dpa. Im Gegenteil sollen eigentlich 1.165 Stellen gestrichen werden, die für die Sprachförderung von Kindern mit ausländischen Wurzeln veranschlagt sind. Ob die Kultusministerin diese retten kann, bleibt fraglich.

Dennoch ist die Grünen-Politikerin zuversichtlich. Sie setzt darauf, dass die meisten Schüler den Lockdown gut verkraftet haben. Kinder seien oft robuster, als man zunächst denkt. Die baden-württembergische Kultusministerin ergänzt hierzu: „Ich hoffe, dass die meisten flott in die Normalität zurückfinden. Wenn sie ihre normale Struktur wiederhaben, um 08.00 Uhr in der Schule neben ihren Kumpeln im Klassenzimmer sitzen.“ Doch trotzdem müsse man die Probleme der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen.

BaWü-Kultusministerin Schopper: Kritik für Spar-Haushalt im Bildungsbereich

Besonders schwer wiegen dabei laut Theresa Schopper die Lernrückstände. Die „kann man nicht wegwischen, das will ich auf keinen Fall“, beschwichtigt die Kultusministerin. Natürlich werde es Kinder geben, die aus der Kurve ohne Hilfe nicht herauskommen - doch dann seien zunächst Eltern und Lehrer gefragt. „Sie kennen das Kind am besten“, deshalb sollen sie laut Schopper schauen, wo das jeweilige Kind Probleme hat und dann eventuell Unterstützung durch Schulsozialarbeit oder Psychologen organisieren.

Doch die neue baden-württembergische Kultusministerin bekommt für ihre Aussagen auch sofort Gegenwind. Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei fragt sich beispielsweise, wie die Corona-Folgen ohne neue Lehrkräfte abgebaut werden sollen - denn es herrsche bereits Lehrkräftemangel an den Schulen in Baden-Württemberg. Das Argument der angespannten Haushaltslage ziehe nicht mehr.

Stefan Fulst-Blei erhebt schwere Vorwürfe gegen die Baden-Württembergische Schulpolitik. (Symbolbild)

Im Gegenteil sei es, so Fulst-Blei, ein „Skandal“, wenn nun auch noch die Stellen für Sprachförderung gestrichen würden. Das würde gerade die benachteiligten Schülergruppen weiter schwächen und die Situation in einer der verwundbarsten Gruppen von Schülern noch verschärfen.

Kultusministerin Schopper zum Start in Präsenzunterricht - „Schulen sind keine Lernfabriken.“

Schopper dagegen bleibt optimistisch. Die neue Kultusministerin für den Südwesten hofft, dass die Pandemie mithilfe der angedachten Corona-Hilfsprogramme keine gravierenden Schäden bei den Kindern und Jugendlichen hinterlässt. Die jungen Leute hätten sich mit Bravour an die neuen Umstände gewöhnt. Doch jetzt müsse man bei der Wiedereingewöhnung der Schüler in den Präsenzunterricht noch bedenken: „Schulen sind keine Lernfabriken. Es geht natürlich ums Lernen, aber Schulen sind auch Lebensraum.“ Das habe man auch den Lehrkräften nochmal signalisiert.

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne): „Schulen sind keine Lernfabriken.“ (Symbolbild)

Bleibt noch das große Thema „Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche“ offen. Und da tritt Kultusministerin Schopper laut dpa auf die Bremse. Sie geht davon aus, dass viele Eltern bereits bemerkt haben, dass es bisher keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission für Kinder und Jugendliche gibt, obwohl der BioNTech-Impfstoff mittlerweile für alle ab 12 Jahren zugelassen ist. Deshalb liege es in der Verantwortung der Eltern, gemeinsam mit ihren jugendlichen Kindern zu überlegen, ob diese geimpft werden sollen.

BaWü-Kultusministerin Schopper: Impfpflicht für Schüler nach den Sommerferien?

Die Grünen-Politikerin erklärt, sie „würde das niemandem vorschreiben“ und geht gleichzeitig davon aus, dass die Eltern erst Mal noch vorsichtig sein werden. Allerdings meint Schopper auch, dass sich bis Ende Juli - wenn dann die Sommerferien starten - noch was tut. Bis dahin gebe es vermutlich nicht nur mehr Impfstoff, zum Beispiel durch eine mögliche Zulassung des Tübinger Corona-Impfstoffes von CureVac, sondern auch noch mehr Daten zum Impfen bei Kindern.

Eins dürfte dabei viele Eltern aufatmen lassen: Die baden-württembergische Kultusministerin Schopper will den vollen Präsenzunterricht nach den Sommerferien nicht an den Impfstatus der Kinder knüpfen. Die Voraussetzungen für Unterricht seien ganz andere als noch im vergangenen Herbst - auch deshalb, weil mittlerweile viele Lehrkräfte durchgeimpft seien. Außerdem ist bereits nach den Pfingstferien wieder der Präsenzunterricht in den Schulen Baden-Württembergs angelaufen. Dennoch geht Schopper nicht davon aus, dass nach den Sommerferien die Maskenpflicht aufgehoben wird.

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