Kleeblatt-System

Platz auf Intensivstationen knapp: Luftrettung verlegt Corona-Patienten

  • Julia Thielen
    VonJulia Thielen
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In Baden-Württemberg werden wegen der dramatischen Corona-Lage mancherorts die Intensivkapazitäten knapp. Die Luftrettung schreitet ein.

Wenn Pilot Thomas Roth abhebt, hat er vor allem eins im Blick: das Wetter. Denn die „Fracht“, die der 52-Jährige transportiert, könnte fragiler kaum sein. Der 52-Jährige ist Teil der Crew des DRF-Rettungshubschraubers Christoph 51. Die Luftrettung verlegt aktuell wegen der hohen Belastung vieler Intensivstationen schwer kranke Patienten per Hubschrauber in andere Kliniken. Nicht nur, aber immer häufiger auch Corona-Patienten.

„Auch kleine Turbulenzen können für den Patienten schmerzhaft sein“, sagt Rettungsärztin Eva Müller. Patienten, die ohnehin in einer kritischen Lage sind sollen so schonend wie nur möglich in andere Krankenhäuser kommen. Egal, welche Krankheit ihr Leiden verursacht.

Baden-Württemberg: Intensivstationen voll - Luftrettung schreitet ein

„In den vergangenen zwei Wochen wurden unsere Hubschrauber sehr häufig alarmiert, um Covid-19-Patienten zwischen Kliniken zu transportieren“, sagte eine Sprecherin der DRF Luftrettung. Zehn schwer kranke Corona-Patienten wurden aus Baden-Württemberg bereits nach Rheinland-Pfalz und ins Saarland verlegt. Viele Kliniken wie die SLK-Klinik in Heilbronn platzen aus allen Nähten.

Über das sogenannte Kleeblatt-System komme es immer häufiger dazu, dass über Bundesländergrenzen hinaus verlegt werde, sagte die DRF-Sprecherin. „Allerdings sind nicht all unsere Stationen gleichermaßen betroffen. Insbesondere im Süden und im Osten Deutschlands haben wir gerade deutlich mehr Verlegungen von Covid-19-Patienten.“

Baden-Württemberg: Viele Intensivstationen kommen an ihre Grenzen

Das bundesweite Kleeblatt-Konzept wurde zur strategischen Verlegung von Intensivpatienten in weniger belastete Bundesländer aktiviert. Es soll verhindern, dass dringend behandlungsbedürftige Patienten wegen Überlastung der Intensivmedizin in einem Bundesland nur noch unzureichend oder gar nicht mehr versorgt werden können. Die Corona-Lage in Baden-Württemberg hatte sich beispielsweise zuletzt immer weiter zugespitzt.

Mit Stand 3. Dezember lagen 636 Corona-Fälle landesweit in Intensivstationen. 88 Prozent der zur Verfügung stehenden Intensivbetten sind ausgelastet. Doch nicht jeder Patient kann einfach verlegt werden. Neben dem Gesundheitszustand spielt auch die allgemeine Verfassung des Patienten eine Rolle. Menschen mit einem Gewicht von über 120 Kilogramm können wegen der Enge im Hubschrauber in aller Regeln nicht verlegt werden.

Ob ein zu verlegender Corona-Patient dagegen geimpft oder ungeimpft ist, spielt für die Luftrettung selbstverständlich keine Rolle. „Ein Patient ist ein Patient“, sagte Notfallsanitäter Georg Berg. „Wer Hilfe braucht, bekommt sie.“ Trotzdem: Persönlich versteht er nicht, warum Menschen sich nicht impfen lassen.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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