Mietmarkt-Chaos in Baden-Württemberg

Weiter Mietpreis-Alarm in Baden-Württemberg - aber Details überraschen

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die Mietpreise in Baden-Württemberg zeigen sich von der Corona-Krise unbeeindruckt und steigen mancherorts in zweistelligen Wachstumsraten.

  • Die Mieten in Baden-Württemberg steigen weiter und verzeichnen teils zweistellige Wachstumsraten.
  • Die Mietpreise in Stuttgart steigen, sind aber in Baden-Württemberg nicht der Spitzenreiter.
  • Platz eins in der Kategorie Mietpreissteigerungen in Baden-Würrtemberg belegt die Bodensee-Region.

Baden-Württemberg: Mietpreise steigen - aber nicht in Großstädten!

Während die Wirtschaft in Zeiten der Coronavirus-Pandemie schwächelt, steigen die Mietpreise in Baden-Württemberg munter weiter. Eigentlich ist das nicht weiter verwunderlich. Der Grund: Das Phänomen steigender Mietpreise in Baden-Württemberg existiert nicht erst seit heute. Doch eine aktuelle Analyse von immowelt.de zeigt, dass es nicht länger die Großstädte sind, die mit teils zweistelligen Wachstumsraten der Mietpreise in die Höhe schießen. Von Steigerungen bis zu 15 Prozent ist die Rede!

Nur eben nicht in Großstädten. Vielmehr liegt das Zentrum der steigenden Mieten in Baden-Württemberg in der Bodensee-Region. Als Grund dafür benennen die Experten der Mietpreis-Analyse die attraktive Lage und die zugleich gute Verkehrsanbindung. Die Landkreise Neu-Ulm und Günzburg in Baden-Württemberg haben zum Beispiel eine gute Anbindung an die Autobahn A8. Sprich: Die Pendler sind relativ schnell in Städten wie Stuttgart oder München. Das Land wird beliebt.

Baden-Württemberg: Entwicklung der Mietpreise in Stuttgart

Nicht verwunderlich also, dass sowohl in Neu-Ulm als auch im Kreis Günzburg die Mieten im Vergleich zum Vorjahr um stolze 14 Prozent teurer wurden. Damit liegen die beiden Landkreis nur knapp hinter Lindau (ebenfalls Bodensee-Region), wo die Mieten im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent angestiegen sind. Lindau ist in der Immowelt-Analyse Spitzenreiter. Vergleichsweise moderat gestaltet sich dagegen die Mietpreisentwicklung in der Landeshauptstadt Stuttgart, berichten die Experten.

In Stadtkreis Stuttgart sind die Mieten im Vergleich zum Vorjahr „nur“ um drei Prozent teurer geworden und liegen aktuell bei 13,40 Euro pro Quadratmeter. Grund zum Aufatmen ist das aber nicht. Zwar steigen die Mietpreise in Stuttgart nur geringfügig, um Stuttgart sieht das aber schon ganz anders aus. Die Landkreise Böblingen und Esslingen verzeichnen beispielsweise einen Anstieg der Mietpreise um sechs Prozent, Ludwigsburg um acht Prozent. Hier liegt der Quadratmeterpreis aktuell bei rund 11 Euro.

Baden-Württemberg: Das Land wird teurer, die Unistädte billiger

Die Mietpreis-Zahlen aus Stuttgart zeigen: Die Grenze des Bezahlbaren ist langsam erreicht. Und die Menschen in Baden-Württemberg suchen sich Alternativen, wenn das Wohnen in der Großstadt zu kostenintensiv wird. Hinzu kommt, dass in Zeiten niedriger Zinsen der Traum vom eigenen Haus so manchen dorthin führt, wo es noch bezahlbare Bauplätze gibt. Folglich scheint sich das teure Pflaster auf das Umland zu verlagern. Das zeigen die aktuellen Zahlen der Mietpreise nur allzu deutlich.

Bereits vor der Coronavirus-Pandemie deutete sich an, dass die Angebotsmieten in vielen Ballungsräumen von Großstädten weniger stark steigen. Von einer generellen Trendwende ist aber noch nicht auszugehen.

Prof. Dr. Cai-Nicolas Ziegler, Mietpreis-Experte

Positive Nachrichten in Bezug auf die Mieten in Baden-Württemberg kommen überraschend aus einigen Universitätsstädten. Der Grund: In Heidelberg, Freiburg und Erlangen sind die Mietpreise trotz der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg zurückgegangen. Und ausgerechnet Heidelberg verzeichnet mit minus acht Prozent den höchsten Mietpreis-Rückgang in ganz Baden-Württemberg. Sprich: Der Mietpreis in Heidelberg ist von 12 Euro pro Quadratmeter auf 11,10 Euro zurückgegangen.

Baden-Württemberg: Mieten in Unistädte werden billiger, aber...

WG-Zimmer sind auch in Baden-Württemberg ein rares Gut. Doch in vielen Universitätsstädten sinkt der Mietpreis. Trotzdem werden Studentenbuden nicht billiger. Aber weshalb eigentlich?

Gleiches Spiel in Freiburg und Erlangen. Auch dort sind die Mieten im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen. Interessant ist aber, dass in erster Linie größere Wohnungen in Baden-Württembergs Städten billiger wurden. Im Gegensatz dazu sind die Preise für kleine Studentenbuden im Allgemeinen teurer geworden. Eine Erklärung dafür ist die steigende Zahl an Studierenden in Baden-Württemberg und somit der Bedarf an kostengünstigen Studentenbuden in beliebten Universitätsstädten.

Laut der Immowelt-Analyse haben sich die Mietpreise in Baden-Württemberg unterm Strich nur geringfügig verändert. Zwar wird es mancherorts deutlich teurer (siehe Bodensee-Region), letztlich sind das aber örtlich begrenzte Phänomene. Im Großen und Ganzen halten sich die Mietpreise in Baden-Württemberg auf Vorjahresniveau, Coronavirus hin oder her. Allerdings wird deutlich, dass sich langsam ein Umdenken bemerkbar macht, das eher in Richtung dezentrales Wohnen geht.

Rubriklistenbild: © dpa / Julian Stratenschulte

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