Fledermaus in NRW war Träger

Fledermaus mit extrem seltener Tollwut! Virus-Gefahr auch für Menschen?

  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
    schließen

Baden-Württemberg: Fledermäuse könnten neue Virus-Gefahr für dem Menschen in sich tragen. Experten erklären die Gefahr.

Wieder neue Viren? Wieder soll die Fledermaus eine entscheidende Rolle spielen. Die nachtaktiven Flattertierchen sorgen inzwischen für echte Horror-Gefühle. Sie werden immer wieder mit der Übertragung des Coronavirus in Verbindung gebracht. Jetzt könnte tatsächlich eine neue Gefahr für den Menschen im Anflug sein.

Erst Mitte Juni meldete das Veterinäramt im Kreis Minden in Nordrhein-Westfalen den Fall einer Fledermaus mit einem seltenen Tollwutvirus. Laut dem Bericht sei das Tier „geschwächt in eine Auffangstation gebracht worden“. Nachdem es sich dort „aggressiv verhielt, wurde es eingeschläfert und zur Untersuchung ins Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) nach Hannover verschickt“.

Droht auch Baden-Württemberg das neue Fledermaus-Virus?

Die Untersuchung ergab - die Fledermaus hatte einen seltenen Tollwut-Erreger! Die Verantwortlichen des Labors weisen in dem Bericht darauf hin, „dass Fledermäuse grundsätzlich mit Vorsicht zu behandeln sind und nicht ohne feste Lederhandschuhe berührt werden dürfen“. Tollwutinfektionen durch Fledermäuse sind für den Menschen gefährlich und können auch tödliche verlaufen. Drohen jetzt auch Baden-Württemberg Fälle des Tollwut-Erregers?

Was ist Tollwut?

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die vom Tier auf dem Menschen übertragen werden kann. Meist über eine Bissverletzung. In Deutschland konnte die Tollwut bei anderen Säugetieren, wie dem Fuchs, durch intensive Bekämpfungsmaßnahmen nahezu vollständig getilgt werden. Bei Fledermäusen kann er aber in seltenen Fällen noch immer nachgewiesen werden.

Baden-Württemberg: Neuer Tollwutvirus von Fledermäusen im Anflug?

In Baden-Württemberg stehen regelmäßig Fledermäuse unter Tollwut-Verdacht. Ein Fall für die Veterinäruntersuchungsämter. Immer wieder müssen Tiere mit Verdacht auf Tollwut von den Experten seziert werden. Auf Nachfrage von echo24.de äußert sich Thomas Stegmanns zur Häufigkeit tatsächlich infizierter Tiere. Der Leiter des Veterinäramtes Stuttgart erklärt: „Wir hatten zuletzt 2007 in Biberach und 2014 einen Fall im Odenwald. Es ist sehr selten.“ Nach Angaben von Birgit Blazey vom Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart wurden 2021 bisher neun Fledermäuse untersucht. Ohne Tollwut-Fall.

Wie BW24* schreibt, soll sich laut Gesundheitsamt in Deutschland auch noch kein Mensch infiziert haben. Allerdings warnt Blazey vor den Folgen eines unbehandelten Bisses einer Fledermaus: „Sollte es dazu kommen, kann man sagen, es verläuft in der Regel immer tödlich für den Menschen.“ Fledermäuse sollten grundsätzlich nicht ohne entsprechende Handschuhe angefasst werden. Zum Nachweis der Tollwut brauchen Experten dann auch immer das Gehirn des Tieres, erläutert Stegmanns.

Personen, die in entsprechenden Bereichen Arbeiten und durchaus in Kontakt mit Fledermäusen kommen können, sind laut Blazey grundsätzlich geimpft: „Die Zähne der Fledermaus sind so klein und scharf, da könnte es passieren, dass man den Biss gar nicht bemerkt.“

Fledermäuse und das Coronavirus - auch außerhalb von China

Aus einem Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aus dem Jahr 2008 geht hervor, dass jede zehnte Fledermaus als Virusträger gilt. Studienleiter Professor Christian Drosten vom Universitätsklinikum Bonn erklärte dazu: „Unsere Arbeit zeigt, dass Coronaviren auch außerhalb von China in Fledermäusen existieren.“

Fledermäuse gelten weltweit als die wahrscheinlichsten Wirtstiere für alle Coronaviren. Bis zur SARS-Entdeckung im Jahr 2003 wurden sie als harmlos für Menschen angesehen. Bekannt waren bis dahin zwei Arten Humaner Coronaviren (HcoV), die relativ unproblematische Erkältungskrankheiten verursachen. Es gibt allerdings keine genauen Belege dafür, dass die Fledermäuse in Deutschland Träger jenes Corona-Stammes sind, dem auch das Coronavirus SARS-CoV-2 entstammt.

Tollwut-Gefahr für Reisende

Tollwut ist aber nicht nur ein Problem der Fledermäuse. Im Urlaub in südlichen Ländern sollten Reisende besonders bei Straßenhunden vorsichtig sein. Die Vierbeiner haben es durchaus in sich. Auch hier hat sich Thomas Stegmanns dazu geäußert: „Oft werden die Situationen mit solchen Hunden unterschätzt. Beim Füttern kann es zu einem leichten, oft unscheinbaren Biss kommen, der dann am Ende große Folgen hat. Es ist ratsam sich vor der Reise gegen entsprechende Tollwutgefahren in den fremden Ländern impfen zu lassen.“ *BW24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

Rubriklistenbild: © Ennio Leanza/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema