Kein Ende in Sicht

Coronavirus Baden-Württemberg: Wie wird Weihnachten? Kretschmann mit harter Ansage

  • Tobias Becker
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In Baden-Württemberg gilt seit Anfang November ein Teil-Lockdown. Aber: Was wird aus Weihnachten, wenn der Lockdown länger dauert? Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird deutlich!

Update, 15. November: Lockerungen der Lockdown-Maßnahmen in Corona-Zeiten machte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann schon vor zwei Wochen, als der Lockdown begann, von stark sinkenden Infektionszahlen abhängig. Der „Lockdown light“ sollte vorerst bis Ende November andauern. Schon jetzt ist ziemlich sicher, dass es länger dauern wird. Aber: Was wird aus Weihnachten? Gibt es die Ausnahme zur Bescherung?

Eher nicht, denn die Ausbreitung des Coronavirus soll und muss eingedämmt werden. Eine klare Ansage gab es nun auch von Kretschmann gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“: „Bei den Maßnahmen, die wir getroffen haben, geht es darum, die Infektionswelle zu brechen, erst, wenn uns das gelingt - und zwar auf durchschlagende Weise -, können wir darüber sprechen, wie wir Weihnachten gestalten.“

Heißt: Stand jetzt gibt es an Weihnachten keine Ausnahme, keine Lockerung. Der Grund ist plausibel: „Steigen die Zahlen weiter exponentiell an, wird das zur Überlastung der Krankenhäuser führen.“ Kretschmann wird deutlich: „Es geht also derzeit um sehr viel mehr als um Weihnachten.“

Es geht also derzeit um sehr viel mehr als um Weihnachten.

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Am Montag beraten Bund und Länder erneut über das weitere Vorgehen. Kretschmann fordert in dieser Beratung vor allem eine grundlegende Überarbeitung der Corona-Warn-App, die um zahlreiche Funktionen erweitert und vor allem bei der Kontaktnachverfolgung verbessert werden muss. Aber: Baden-Württembergs Ministerpräsident stellt nicht nur Forderungen und Warnungen auf, er lobt auch das Krisenmanagement von Kanzlerin Angela Merkel: „Wir dürfen froh und glücklich sein, dass wir in solch einer Pandemie eine sachorientierte, nüchterne Kanzlerin haben.“

Kretschmann macht Hoffnung: Bei diesem Wert kann Baden-Württemberg den Lockdown beenden

Meldung, 04. November: Baden-Württemberg ist seit 02. November im Teil-Lockdown. Vier Wochen lang sind in diesem „Lockdown 2.0“ unter anderem Gastronomie und Kultureinrichtungen wie Kinos und Theater geschlossen, Sport ist nur eingeschränkt möglich. Mit den harten Maßnahmen erhofft sich die Landesregierung, die drastisch gestiegenen Neuinfektionen mit dem Coronavirus eindämmen zu können. Zuletzt lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg bei 119,6 (Stand 3. November)!

Corona in Baden-Württemberg: Lockdown seit Montag – Kretschmann zur aktuellen Lage

Am Dienstag hatten sich der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landes-Gesundheitsminister Manfred Lucha bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage und den neuen Corona-Regeln geäußert. Dabei räumte Kretschmann überraschend ein, man sei von der Wucht der zweiten Corona-Welle und dem rasanten Anstieg der Infektionszahlen überrannt worden. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. „Damit haben wir nicht gerechnet, das muss man schon ehrlicherweise sagen“, so der Ministerpräsident.

Kretschmann betonte aber auch, es habe keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich die Corona-Zahlen so schnell auf diese Weise entwickeln würden. Man hätte extremer vorsorgen können. Das hätte aber zur Folge haben können, dass die Akzeptanz bei den Menschen sinke. Jetzt gilt aber dennoch der neue „Lockdown light“. „Light“ deshalb, weil unter anderem der Einzelhandel sowie Schulen und Kitas offen bleiben. Der Ministerpräsident Baden-Württembergs sagte am Dienstag, dabei habe es sich um eine politische Entscheidung gehandelt. Aus epidemiologischer Sicht wäre eine Schließung besser gewesen, aber das habe man den Familien nicht zumuten wollen, berichtet die dpa.

Aufgrund der vielen Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind Labore und Gesundheitsämter in Baden-Württemberg überlastet. (Symbolbild)

Coronavirus Baden-Württemberg: Harte Corona-Regeln und Teil-Lockdown – aber wie lange?

Angesichts der drastischen Entwicklung geraten derzeit vor allem die Gesundheitsämter und Labore in Baden-Württemberg in den Blick. Die Gesundheitsämter kümmern sich um die Nachverfolgung der Infektionsketten. Aufgrund der vielen Fälle werden viele Ämter dabei von der Bundeswehr unterstützt. Dennoch: In Baden-Württemberg kann bei rund 60 Prozent der Infektionen der Ursprung nicht mehr ermittelt werden, bundesweit geht das Robert-Koch-Institut (RKI) von 75 Prozent aus. Das berichtet die Stuttgarter Zeitung (Artikel hinter der Bezahlschranke).

Am Dienstag konkretisierte Manfred Lucha bei der Pressekonferenz das Problem und bezog sich auf eine Studie des RKI. Man sei ursprünglich davon ausgegangen, dass ein mit Corona Infizierter rund zehn Kontakte hat, die später nachverfolgt werden müssen. Aktuell liege man bei über 20 Kontakten. Die Folge: Die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg kommen aktuell nicht mehr hinterher, man lerne aber permanent.

Coronavirus Baden-Württemberg: Kretschmann nennt wichtigen Wert für Lockdown-Ende

Aber die Menschen in Baden-Württemberg wollen nicht nur einen Blick zurück und auf die Gegenwart werfen, sondern warten auf einen Ausblick. Endet der Teil-Lockdown tatsächlich nach vier Wochen oder wird er möglicherweise sogar verlängert? Bei der Pressekonferenz am Dienstag, die die StZ tickerte, nannte Winfried Kretschmann eine wichtige Zahl. Sobald man diese erreicht habe, könne man zur „regionalen Hotspot-Strategie“ zurückkehren. Diese entspricht gezielten Maßnahmen an den Orten, wo die Corona-Zahlen eine bestimmte Grenze überschritten haben – und eben keine landesweiten Corona-Regeln.

Um welchen Wert geht es, auf den sich Kretschmann bezieht? Den R-Wert (das R steht für Reproduktionszahl). Er bezeichnet die Anzahl der Personen, die im Durchschnitt von einem mit dem Coronavirus Infizierten angesteckt werden. Sollte der R-Wert auf 0,7 sinken, seien laut dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Lockerungen denkbar. Auch Gesundheitsminister Lucha bestätigte diesen Reproduktionswert. Aktuell liegt der geschätzte 7-Tages-R-Wert laut Landesgesundheitsamt bei 1,02 (Stand 3. November). Trotz der aktuell angespannten Lage betonte Lucha noch einmal, er sei zuversichtlich, dass man in Baden-Württemberg Ende November wieder die Ausbruchsgeschehnisse nachverfolgen könne.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

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