Ist die Maskenpflicht nicht ausreichend?

BaWü mit steigenden Corona-Zahlen: Kommen weitere Maßnahmen an Schulen? RKI wird deutlich

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Im Frühjahr waren Schulen aufgrund der Corona-Pandemie wochenlang geschlossen. Jetzt gelten bei steigenden Infektionszahlen andere Maßnahmen. Wird im Kampf gegen Corona genug getan?

Die Infektionszahlen in Baden-Württemberg steigen weiter dramatisch an, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt am Dienstag, 20. Oktober, mit 48,8 nur knapp unter dem kritischen Grenzwert von durchschnittlich 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Ein neuer trauriger Rekord, der auch die Frage aufwirft: Wird im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus genug getan?

Schulen in Baden-Württemberg: Maskenpflicht aufgrund steigender Infektionszahlen

Am vergangenen Samstag hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann angesichts einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von über 35 die höchste Pandemiestufe 3 ausgerufen. Sonntag veröffentlichte die baden-württembergische Landesregierung die neue, verschärfte Corona-Verordnung. Am Montag traten die Regeln in Kraft. Diese haben auch Auswirkungen auf den Schulbetrieb in Baden-Württemberg. So gilt die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen auch im Unterricht. Zudem wurde die Nutzung der Schulen für außerschulische Zwecke stark eingeschränkt. Aber bereits diese Corona-Regeln wurden in Stuttgart massiv kritisiert.

Ab dem 26. Oktober sind in Baden-Württemberg eine Woche lang Herbstferien. Diese sieben Tage bringen voraussichtlich etwas Entspannung in der aktuell angespannten Lage. Aber dennoch: Wie der SWR berichtet, gehen einigen Experten die Anti-Corona-Maßnahmen in den Schulen nicht weit genug. Die Ergebnisse bestimmter Maßnahmen schlagen sich in der Regel erst nach rund zwei Wochen in den Infektionszahlen nieder. Ralf Scholl, der Vorsitzende des baden-württembergischen Philologenverbands, fordert gegenüber dem SWR „sanfte Maßnahmen frühzeitig und nicht massive Maßnahmen zu spät“ und warnt vor einem weiteren Lockdown.

Wegen dramatisch steigender Infektionszahlen gilt in Baden-Württemberg die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen auch im Unterricht.

Baden-Württemberg: RKI empfiehlt strengere Corona-Maßnahmen an Schulen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) nennt Kinder und jüngere Jugendliche zwar „nicht Treiber“ der Pandemie und sie zeigten „häufig keine oder nur milde Symptomatik“, allerdings seien Schüler und Schülerinnen „prinzipiell empfänglich für eine Infektion mit Sars-CoV-2 und können andere infizieren“. Deshalb empfiehlt das RKI: Prävention geht vor Reaktion.

Um auf die Entwicklung der Corona-Situation in den Schulen in Baden-Württemberg zu reagieren, hat das RKI zudem am 12. Oktober Schwellenwerte für weitere Maßnahmen veröffentlicht. Ab einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz über 50 empfiehlt das Institut einen weiteren Schritt in den Bildungseinrichtungen: eine Verkleinerung der Klassen durch Teilung oder Wechselunterricht, um den Mindestabstand einhalten zu können. Außerdem solle die „Notwendigkeit für kurzzeitige, lokale Schulschließung mit Distanzunterricht“ geprüft werden.

Schulen in Baden-Württemberg: Experten uneinig über weitere Corona-Maßnahmen

Laut Scholl sei ein Übergang auf Wechselunterricht mit halben Klassen überfällig, sagt er dem SWR. Das baden-württembergische Kultusministerium habe ihm zufolge allerdings keine solche Änderung nach den Herbstferien geplant. Das vom Ministerium empfohlene Lüften alle 20 Minuten hält Schoch im kalten Winter hingegen für nicht umsetzbar.

Hinsichtlich des Wechselunterrichts hat Joachim Walter, Vorsitzender des Landkreistages Baden-Württemberg, eine andere Meinung. Er empfindet das laut SWR noch nicht als erforderlich. Der Landkreistag halte die momentan in Schulen ergriffenen Maßnahmen wie die Maskenpflicht im Unterricht demnach für eine derzeit ausreichende Reaktion, wird er zitiert.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/Archivbild

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