Mittlerweile 20 Infizierte auf der Party sind erst der Anfang

20 Corona-Infizierte nach Party: Heftige Attacken gegen zwei Gäste auf Social Media

  • Daniel Hagmann
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Nun sind schon acht Schulen, ein Kindergarten, ein Unternehmen und sieben Vereine in den Coronavirus-Fall bei Reutlingen in Baden-Württemberg involviert.

Baden-Württemberg/Reutlingen: Shitstorm gegen an Corona erkrankte Schüler

Update 22. September: Es wird immer heftiger: Mittlerweile ist erwiesen, dass nach der Party zum 18. Geburtstag eines Mitglieds des TSV Dettingen/Ems bei Reutlingen nicht nur 14, sondern mindestens 20 der 33 Partygäste mit dem Coronavirus infiziert sind. Diese Gäste sowie 450 Menschen, mit denen diese Kontakt hatten, befinden sich nun in Quarantäne. Besonders brisant: In den Fall sind mittlerweile Kontaktpersonen aus acht Schulen, ein Kindergarten, ein Unternehmen und sieben Vereine involviert. Unter anderem müssen nun insgesamt 191 Schüler und Lehrer - darunter die kompletten Jahrgangsstufen elf und zwölf - daheim bleiben, der Kindergarten in Dettingen/Ems bleibt sicherheitshalber zu - und bei den Kickern des TSV Dettingen/Ems fällt nun das Fußballtraining aus. Das berichtet der SWR.

Grundsätzlich kann man das Veranstalten der Party bei Reutlingen, auf der sich das Coronavirus verbreitet hat, fahrlässig nennen. Gegen die geltenden Coronavirus-Regeln in Baden-Württemberg haben aber offenbar weder der Veranstalter noch die Gäste verstoßen. Was aber gar nicht geht: Über zwei der Schülerinnen, die nun am Coronavirus erkrankt sind, bricht in den sozialen Medien nun ein regelrechter Shitstorm herein. Diese seien über Social Media beleidigt worden. Susanne Müller, Rektorin des Graf-Eberhard-Gymnasiums in Bad Urach im Landkreis Tübingen erklärt dazu: „Dass sich das auf zwei verdichtet, finde ich nicht in Ordnung, weil wir alle manchmal lax werden [was die Coronaregeln betrifft].“

Weitere Folgen über die geltenden Coronavirus-Maßnahmen und die Quarantäne der 450 Kontaktpersonen hinaus seien in Dettingen bei Reutlingen derzeit allerdings nicht notwendig. Derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Reutlingen bei 26,2 - und damit deutlich unter der kritischen Marke von 50, erklärt Gottfried Roller vom Kreisgesundheitsamt Reutlingen. Allerdings wollen die Behörden von Dettingen in Baden-Württemberg nun wieder einen genaueren Blick auf die Kontaktlisten in Lokalen werfen.

Baden-Württemberg: Corona-Ausbruch auf Party - Folgen für mehr als 400 Menschen

Erstmeldung, 21. September: Reutlingen - Mit dem Coronavirus ist nicht zu spaßen. Wer sich da vom derzeit herrlichen Spätsommerwetter zu allzu lockerem Verhalten verleiten lässt und die geltenden Coronavirus-Regeln in Baden-Württemberg nicht einhält, kann da rasch die Quittung erhalten. Ein besonders alarmierendes Beispiel: Nach einer privaten Geburtstagsfeier in Dettingen bei Reutlingen auf der Schwäbischen Alb am vorvergangenen Wochenende sind insgesamt 14 Partygäste positiv auf das Coronavirus getestet worden. Doch damit nicht genug: Infolge der Party sind nun Hunderte Menschen in Schulen, Fußballvereinen und anderswo von Coronavirus-Infektionen betroffen. Das vermeldet die dpa.

Baden-Württemberg: Private Geburtstagsfeier wird zu Coronavirus-Herd

Zunächst ist klarzustellen: Die Party vom 12. auf den 13. September in Dettingen bei Reutlingen, von der im Nachhinein 14 Teilnehmer positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, hat ordnungsgemäß stattgefunden. Da lediglich 33 Menschen bei der Geburtstagsparty in Baden-Württemberg teilgenommen hatten, sei kein eigenständiges Hygienekonzept notwendig gewesen, erklärt der Leiter des Kreisgesundheitsamts Reutlingen, Gottfried Roller. In Baden-Württemberg seien bis zu 100 Teilnehmer an solchen Feiern erlaubt. Aktuell nähert sich die Zahl der Menschen, die bereits mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert waren, langsam aber sicher der 50.000er-Marke an.

Das Coronavirus wirkt sich derzeit deutlich auf die Gestaltung des Unterrichts in Baden-Württemberg aus.

Baden-Württemberg: Partygäste haben Kontakt - Hunderte Menschen müssen in Quarantäne

Das Problem in Bezug auf die mit dem Coronavirus infizierten Partygästen: Diese hatten natürlich ihrerseits Kontakte mit anderen Menschen, darunter auch Schüler und Lehrer. Und dies birgt die Gefahr einer Weiterverbreitung des Coronavirus in der Region Reutlingen. Die Geburtstagsparty hat nun weitreichende Folgen: Laut Roller sind sieben Schulen im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg mit mehr als 350 Kontaktpersonen der Kategorie 1 betroffen, das heißt, sie hatten engen Kontakt zu nachweislich Infizierten. Für sie gelte eine 14-tägige Quarantäne. Dazu kämen Kontakte zu vier Fußballvereinen mit 70 Kontaktpersonen der Kategorie 2, die beispielsweise im selben Raum mit Covid-19-Infizierten gewesen seien und für die eine Risikoabschätzung gemacht worden sei. Das Kreisgesundheitsamt empfehle daher, zur Eindämmung der Pandemie großzügig Abstriche zu machen. Laut Stuttgarter Nachrichten müssen mehrere Klassen in Schulen in Metzingen, Dettingen, Bad Urach und Reutlingen nach den bekanntgewordenen Covid-19-Fällen in Dettingen bei Reutlingen zu Hause bleiben. Weitere Corona-Fälle ohne Schulbezug gebe es beispielsweise in Unternehmen.

Die Dimension der möglichen Ansteckungen sei durch die Covid-19-Erkrankung Einzelner bekannt geworden, berichtete Roller. Um die Verhältnismäßigkeit zu wahren, würden keine Schulen geschlossen, sondern betroffene Klassen blieben zu Hause. Die sieben betroffenen Schulen verteilen sich nach seinen Angaben auf Bad Urach (3), Reutlingen (2) und Metzingen (2). Im Umgang mit dem Coronavirus-Problem hätten die betroffenen Kommunen, Schulen und Behörden gut zusammengespielt.

Rubriklistenbild: © Robert Michael

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