Eindämmung des Coronavirus

Corona-Schnelltests auch für Schulen? Neue Teststrategie in Baden-Württemberg

Die Zahl der Corona-Infizierten schießt in Baden-Württemberg in die Höhe. Auch an Schulen könnten bald die Corona-Schnelltests eingesetzt werden.

Zur Eindämmung des Coronavirus sollen die Antigen-Schnelltests in Baden-Württemberg künftig nicht nur in Krankenhäusern und Pflegeheimen, sondern auch an Schulen und Kitas eingesetzt werden. Das berichtet echo24.de*. Grund dafür: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Baden-Württemberg* steigt derzeit drastisch an. Kultusministerin Susanne Eisenmann hat deshalb am Wochenende den Einsatz der Corona-Schnelltests auch an Schulen und Kitas gefordert.

Neue Testverordnung – Wo werden die Corona-Schnelltests eingeführt?

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) lehnte Corona-Schnelltests an Schulen vorerst ab. Die Begründung: In dieser angespannten Lage sollen keine flächendeckenden Schnelltests voreilig und ohne Anlass durchgeführt werden. Der Corona-Schnelltest soll laut Kultusministerium an Schulen nur im Falle eines Ausbruchs des Coronavirus eingesetzt werden. Das Landeskabinett legt nach langen Debatten in der kommenden Woche eine entsprechende Testverordnung für Schulen vor, wie Lucha nach der Kabinettssitzung am Dienstag in der Landeshauptstadt Stuttgart* ankündigte.

Die Bundesländer hatten sich bei ihrem Treffen in der vergangenen Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf geeinigt, dass Corona-Schnelltests künftig vor allem in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Senioren- und Behinderteneinrichtungen eingesetzt werden sollen. Bislang wurden in Schulen und Kitas nur die PCR-Tests verwendet. Die Ergebnisse dieser PCR-Tests liegen allerdings meistens erst nach ein bis zwei Tagen vor, sind dafür allerdings auch weniger anfällig für Fehler. Die Corona-Schnelltests zeigen bereits innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis an.

Politik unterschätzte die zweite Welle: Corona-Schnelltests sollen Gesundheitsämter entlasten

Die Gesundheitsämter sind am Limit und auch die Labore haben derzeit einen Auslastungsgrad von mehr als 120 Prozent, wie die Deutsche Presseagentur mitteilte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann gibt zu, dass die Politik von der zweiten Pandemiewelle überrollt wurde und diese falsch eingeschätzt habe. Es wurde davon ausgegangen, dass ein Infizierter rund zehn nachzuverfolgende Kontakte hat, so Gesundheitsminister Manne Lucha am Dienstag mit Blick auf eine Studie des Robert Koch-Instituts. Zuletzt hatten über 30 Bürgermeister in einem Brandbrief an Kretschmann gebeten, die neuen Corona-Regeln zu überprüfen.

Inzwischen liegt der Wert der nachzuverfolgenden Kontakte bereits bei über 20 Personen pro Infizierten, weshalb die Gesundheitsämter mit der Nachverfolgung kaum hinterherkommen. Derzeit werden 555 Nachverfolgungsteams sowie 227 Stellen an den Gesundheitsämtern aufgebaut. Im Südwesten ist momentan in 60 Prozent der Fälle der Ursprung einer Infektionskette nicht mehr nachvollziehbar. Um die Labore zu entlassen, sollen nun die Corona-Schnelltests bei Hinweisen auf Infektionen bei Schülern oder Lehrkräften eingesetzt werden. Die Gesundheitsämter sollen in Zukunft nur noch Menschen mit Symptomen testen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Diese Regeln gelten im Lockdown 2.0

Seit Montag gilt in ganz Deutschland auf Grund des landesweiten starken Anstiegs der Corona-Fallzahlen der „Lockdown light*“. Gesundheitsminister Lucha hofft, auf weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens verzichten zu können. Folgende Regeln der Corona-Verordnung gelten derzeit in Baden-Württemberg bis mindestens Ende November:

  • Eine Kontaktbeschränkung im privaten Raum: Es dürfen sich maximal zehn Personen oder zwei Haushalte treffen.
  • Die Maskenpflicht wurde auch auf Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen ausgeweitet.
  • Gastronomie, Kultureinrichtungen und Sportstätten sind geschlossen .
  • Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, sind nicht mehr erlaubt.
  • Folgende Einrichtungen/Aktivitäten sind geschlossen oder nicht mehr möglich: Indoorspielplätze, Massage- und Wellnesssalons, Saunen, Shisha-Bars, Spielotheken, Zirkusse, Zoologische Gärten, Botanische Gärten, Tierparks, Ateliers, Ausflugsschiffe, Bordelle, Campingplätze, Chöre und Musikvereine (Ausnahme Musikschulen siehe unten), Diskotheken, Freizeitparks, Kosmetik-/Tattoo- und Piercingstudios, Krabbelgruppen und ähnliches
  • Folgende Sporteinrichtungen müssen für die öffentliche Nutzung schließen: Schwimm-, Spaß- und Freizeitbäder, Fitnessstudios, Kletterparks, Tanzschulen, Wettkampf-, Mannschafts- und Kontaktsport, Yogastudios.
  • Hotels, Pensionen und Co. dürfen keine touristischen Übernachtungen mehr anbieten.

Baden-Württemberg: Diskussion um Corona-Maßnahmen an Schulen

Allgemein stehen die Corona-Maßnahmen an Schulen immer wieder zur Diskussion. Ministerpräsident Kretschmann bewertet die derzeitige Lage an den Schulen als kontrollbierbar. Er spricht sich gegen Wechselunterricht mit halbierten Klassen aus – es sei schon zu viel Unterricht in diesem Jahr durch das Coronavirus ausgefallen. Kretschmann kritisiert den Einsatz von Luftreinigungsgeräten in Klassenzimmern und hält die Verwendung solcher für keine umsetzbare Lösung. Der Einsatz von Filtergeräten ist flächendeckend nicht möglich – und auch nicht nötig. Denn: Lediglich drei Prozent aller Klassenzimmer in Deutschland sind nicht belüftbar. Stoßlüften sei daher in den meisten Fällen die beste Möglichkeit und werde zudem auch von Experten als sehr wirksam eingestuft.

Das Konzept der Landesregierung macht ein hohes Maß an Präsenzunterricht möglich. Allerdings werden regelmäßig ganze Klassen in Quarantäne geschickt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden in Baden-Württemberg bereits an 250 Schulen insgesamt 347 Klassen vorübergehend aus dem Präsenzunterricht herausgenommen. Zwei Schulen seien sogar vollständig geschlossen. Zur Einordnung: In Baden-Württemberg gibt es rund 67.500 Klassen und etwa 4.500 Schulen. Anteilig bedeutet das, rund 5,56 Prozent aller Schulen waren bereits durch das Coronavirus betroffen, dabei wurden weniger als ein Prozent aller Klassen in Quarantäne geschickt.

Corona-Tests in Deutschland: Situation nicht mehr kontrollierbar

In der vergangenen Woche wurden insgesamt 135.390 PCR-Tests in Deutschland durchgeführt, wovon 14.938 positiv waren. Der Anteil der positiv Getesteten liegt bei 8,1 Prozent. Damit verzeichnet Deutschland einen Anstieg von 74 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht bereits bei einer Rate von mehr als fünf Prozent von einer nicht mehr kontrollierbaren Situation.*echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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