Einheitliche Regelung noch nicht in Sicht

Plan für Kita- und Schulöffnungen? Corona-Teststrategie sorgt erstmal für Mega-Streit

  • Olaf Kubasik
    vonOlaf Kubasik
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Im Streit um die Teststrategie in Baden-Württemberg legt Gesundheitsminister Manne Lucha einen neuen Plan vor, doch der stößt nur bedingt auf Gegenliebe.

  • Streit um Corona-Teststrategie in Baden-Württemberg geht weiter.
  • Gesundheitsminister Manne Lucha legt neuen Plan vor - „Augenwischerei“.
  • Machtwort von Ministerpräsident Winfried Kretschmann gefordert.

Seit Tagen knirscht es unterm Gebälk des Landtags in Stuttgart. Vor allem die Fronten zwischen Kultusministerin Susanne Eisenmann und Gesundheitsminister Manne Lucha sind verhärtet. Grund: Es gibt Streitigkeiten über die weitere Vorgehensweise in der Corona-Teststrategie für Schulen und Kitas in Baden-Württemberg, die wegen einer Kita in Freiburg* weiterhin geschlossen bleiben (darüber berichtete echo24.de*). Nun hat Lucha einen Plan vorgelegt. Darin heißt es, dass Lehrer, Erzieher und Kinder kostenlos Selbsttests erhalten können. „Damit können die Betroffenen bei Symptomen eine Selbsttestung zu Hause vornehmen und bleiben bei positivem Testergebnis der jeweiligen Einrichtung fern.“

Aus dem Kultusministerium heißt es daraufhin, dass zumindest die Richtung stimme - ABER: Offene Fragen und Details müssten noch im gemeinsamen Gespräch mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann und eben Lucha geklärt werden. Direkter wird die Tübinger Notärztin Lisa Federle. Sie nennt den Plan des Gesundheitsministers „unausgegoren“ und bezeichnet ihn als „Augenwischerei“. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zum Entwurf seines grünen Parteifreunds: „Der Plan ist gut, aber er lässt die Lücke der symptomfreien Zeit.“ Forsch kündigt an: „Wir wollen in Tübingen weiter gehen.“ Dem OB geht das alles zu langsam, schließlich hat er bereits ein schnelles Lockdown-Ende* gefordert.

Baden-Württemberg: Minister weiter im Streit um Corona-Teststrategie

In der nächsten Woche möchte Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein Konzept für eine neue Corona-Teststrategie vorlegen. Dabei gehe es um die Frage, ob man Schnelltests* „nur anlassbezogen“ zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen einsetze oder sie deutlich auf andere Berufsgruppen ausweite, die vielen Kontakten ausgesetzt sind. Eisenmann hatte zuvor Lucha vorgeworfen, nicht genügend Corona-Testmöglichkeiten zu ermöglichen - vor allem für Lehrkräfte und Erzieher, aber auch für andere Berufsgruppen wie Polizisten oder Supermarkt-Mitarbeiter.

Wegen der Virus-Mutationen* fordert das Kultusministerium eine strukturell veränderte Schnelltest-Strategie für alle Berufsgruppen mit täglich vielen Kontakten. Dabei müsse das Land Baden-Württemberg verstärkt „auf niederschwellige und anlasslose Testangebote“ setzen. Dazu heißt es: „Anlasslose Testungen sind gerade deshalb sinnvoll, da eine Infektion oft ohne Symptome auftritt und Betroffene deshalb gar keine Notwendigkeit für einen Test sehen. Damit tragen die Betroffenen oft unwissentlich zur Verbreitung des Virus bei. Genau deshalb ist dieser Strategiewechsel jetzt dringend erforderlich.“

Baden-Württemberg: Machtwort von Ministerpräsident bei Corona-Teststrategie gefordert

Federle findet zwar gut, dass sich Manne Lucha nicht mehr gegen Corona-Schnelltests an Schulen und Kitas sperrt - fügt aber an „Ziel sollte es verstärkt sein, auch symptomlose Infizierte zu entdecken. Ich erwarte, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein Machtwort spricht.“ In Tübingen will sie mit Palmer ein eigenes Schnelltest-System an Schulen aufbauen. Bedeutet laut Palmer: regelmäßige Schnelltests zwei bis drei Mal pro Woche an allen Kitas und den Abschlussklassen aller Schulen in der Stadt. Zumindest mit Eisenmann ist sich Federle einig, dass dieses Konzept landesweit ausgeweitet werden soll - auch auf andere Berufsgruppen wie Polizisten und Verkäufer. Was Lucha wohl dazu sagt? *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

 Ich erwarte, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein Machtwort spricht.

Lisa Federle

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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