Menschen in BaWü essen gerne frisch

Corona-Pandemie führt zu Boom bei Hofläden, Märkte und Verkaufsautomaten in BaWü

ndv_MargarethenhofObst_2_4c_1
+
Viele Menschen in Baden-Württemberg entdecken Hofläden, Märkte und Verkaufsautomaten für sich neu. (Symbolbild)
  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
    schließen

In der Corona-Pandemie entdecken immer mehr Menschen in Baden-Württemberg die Bauern-Hofläden und kleine Märkte für sich neu.

Seit über einem Jahr hat das Coronavirus Baden-Württemberg fest im Griff. Mittlerweile wütet bereits die dritte Corona-Welle im Land und sorgt für steigende Infektionszahlen und Inzidenzen. Um die Ausbreitung in den Griff zu bekommen, wurde die „Bundes-Notbremse“ ab dem 24. April beschlossen. Das heißt: der „Lockdown“ in Regionen, die eine Inzidenz von 100 an drei aufeinander folgenden Tagen überschreiten, geht einfach weiter.

Alle Bars, Restaurants, sowie Kultureinrichtungen haben also weiterhin geschlossen. Es bleiben daher nicht viele Möglichkeiten, sich die Freizeit zu vertreiben. Eine Freizeitbeschäftigung ist aber seit Corona-Lockdowns plötzlich ziemlich angesagt: das Spazierengehen. Diese schnöde Freizeitbeschäftigung führte dazu, dass viele Hofläden, Märkte und Verkaufsautomaten einen regelrechten Boom erfahren.

Baden-Württemberg: Beim Spaziergang entdeckt - Boom bei Hofläden, Märkte und Verkaufsautomaten

Auch dem Obstparadies im südbadischen Staufen hat diese schnöde Freizeitbeschäftigung neue Kundschaft beschert. „Ganz viele Leute haben uns auf Spaziergängen entdeckt“, erzählt Johannes Geng, Inhaber des Obsthofs, der unter anderem Früchte, Säfte und zugekauftes Gemüse im eigenen Hofladen und auf Märkten verkauft. Außerdem schätzen viele Kunden seinen Hof als Ausflugsziel, vor allem im Alltag mit Kindern - frei nach dem Motto: „Dann waren wir zum Einkaufen alle mal draußen, bevor wir uns wieder in die Homeoffice-Einöde begeben.“

Geng verzeichnet eine gestiegene Nachfrage nach seinen Produkten - und ist damit nicht allein. Der Bauernverband spricht von einem wahren Boom bei Hofläden, Märkten und Verkaufsautomaten. „Die Baden-Württemberger rennen unseren Landwirten regelrecht die Bude ein“, sagt Ariane Amstutz, Sprecherin des Landesbauernverbands, der Deutschen Presse-Agentur.

Direktvermarktung als Folge der Corona-Pandemie - Auch Kochverhalten habe sich geändert

Der Trend habe mit der ersten Corona-Welle begonnen - vermutlich, weil die Menschen Sorge gehabt haben, sich in vollen Supermärkten mit dem Coronavirus zu infizieren. Nicht wenige Bauern seien im Zuge der Krise neu in die Direktvermarktung eingestiegen, sagt Amstutz. Auch nach mehr als einem Jahr Pandemie halte sich die erhöhte Nachfrage nach direkt verkauften, regionalen Produkten.

Obstlandwirt Geng sagt, er führe den Zuwachs unter anderem auf ein verändertes Kochverhalten zurück. „Wer im Homeoffice sitzt, der kocht auch mittags mal aufwendiger.“ Man merke zudem, dass der Wochenverbrauch an Gemüse gestiegen sei - jetzt wo Kantine, Mensa und Schulessen in vielen Fällen wegfielen. „Wenn eine vier-, fünfköpfige Familie plötzlich zu Hause speist, das schlägt sich nieder.“ An anderer Stelle verzeichne sein Betrieb aber Einbußen, so fielen Führungen und andere Events weg. Dadurch stagnierten seit Corona die Umsätze eher, statt wie in den Vorjahren zu wachsen.

Baden-Württemberg: 7,5 Prozent mehr Haushalte kaufen in Hofläden

Zahlen zur Direktvermarktung in Baden-Württemberg gibt es aber nur wenige. Das Ministerium für ländlichen Raum in Stuttgart teilt mit, dass im vergangenen Jahr bundesweit 7,5 Prozent mehr Haushalte frische Lebensmittel direkt vom Hof eingekauft hätten, berichtet die dpa weiter. Die Haushalte hätten auch 13 Prozent mehr Geld für frische Lebensmittel ausgegeben als noch im Jahr 2019. Die Direktvermarktung habe im Frische-Bereich - mit dem Online-Handel zusammen - den größten Zuwachs verbucht, führe aber trotzdem noch ein Nischendasein.

Wie viele Direktvermarkter 2020 dazugekommen sind, kann das Ministerium nicht sagen. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2016. Damals gab es in Baden-Württemberg den Angaben zufolge rund 2890 landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Produkte direkt verkauften, das entsprach einem Anteil von gut sieben Prozent. „In Zeiten von Corona essen die Menschen verstärkt zu Hause und machen sich mehr Gedanken über die Herkunft ihrer Lebensmittel“, erklärt Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Er hoffe, dass diese Wertschätzung für die Bauern auch nach der Pandemie erhalten bleibe.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema