Neue Richtlinien kommen

Baden-Württemberg: Inzidenz in Corona-Verordnungen bald Geschichte!

Mehrere Stühle sind in einem geschlossenen Biergarten im Tiergarten in Berlin an die Tische angelehnt.
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In einigen Bundesländern wurden die Corona-Maßnahmen gelockert und Biergärten haben geöffnet. (Symbolbild)
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Inzidenzwert, Impfquote, Krankenhausauslastung - wie soll in Zukunft festgemacht werden, welche Corona-Maßnahmen gelten? Jetzt gibt es wohl einen Plan.

Update, 5. August: Seitdem in Deutschland immer mehr Menschen einen Impfschutz gegen das Coronavirus haben, diskutieren Politiker darüber, an welchen Werten man sich in der Zukunft über Verschärfungen und Lockerungen von Maßnahmen orientiert. Sozialminister Manfred Lucha sagte bereits vor mehreren Wochen, dass nach der Inzidenz zu entscheiden nicht mehr verhältnismäßig sei. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hielt jedoch weiterhin an dem Wert fest, wie echo24.de* im Update vom 14. Juli berichtete.

Der dpa zufolge wurde wohl nun eine Entscheidung getroffen. „Als Richtwert für die Auslösung von Beschränkungen wird die Inzidenz nach unserer Ansicht ab Mitte September in den Corona-Verordnungen nicht mehr auftauchen“, sagte Lucha. Es brauche einen Paradigmenwechsel, wenn vom 15. September an alle im Land ein Impfangebot erhalten hätten. Viel mehr soll die Hospitalisierung in Zukunft eine große Rolle spielen.

Für vollständig Geimpfte dürfte es dann keine Einschränkung der Freiheitsrechte mehr geben. Ungeimpfte hingegen können sich auf etwas gefasst machen! Hier wird es weiterhin Beschränkungen geben, zusätzlich müssen diese dann auch tief in die Tasche greifen, wenn es darum geht Restaurants oder Veranstaltungen zu besuchen. Die Kosten für Tests sollen demnächst nicht mehr von Bund getragen werden. Ausnahmen wird es wahrscheinlich für Kinder und Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Impfung erhalten dürfen, geben.

Abzuwarten bleibt dennoch der Corona-Gipfel am 10. August, zu dem schon einige Details durchgesickert sind*. Auch die dort getroffenen Entscheidungen sollen berücksichtigt werden.

Corona-Lage in BaWü bewerten: Kretschmann mit deutlichen Worten zur Inzidenz

Update, 14. Juli: Welcher Wert soll nun künftig die Richtung für geltende Corona-Maßnahmen weisen - weiterhin der Inzidenzwert oder doch die Impfquote und die Krankenhausauslastung? Wenn es nach Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann geht, dann soll der zentrale Maßstab im Kampf gegen die Coronakrise der Inzidenzwert bleiben. Wie echo24.de* berichtet, sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart: „Alle anderen Parameter sind weit nachlaufend.“

Wenn man andere Faktoren, wie die Hospitalisierung, zu stark bewerte, könne es sein, dass in der Zwischenzeit dramatische Entwicklungen stattfinden, die man gar nicht erkennen könne, erklärte Kretschmann laut Deutscher Presse-Agentur (dpa): „Deshalb wird die Inzidenz zusammen mit dem R-Wert immer die belastbare klare Ausgangsgröße sei. Man muss nicht denken, dass wir die einfach verlassen und auf andere übergehen.“ Sozialminister Manne Lucha kündigte ein modifiziertes Modell an, in das weitere Faktoren wie Sterbequote oder Krankheitsverläufe einfließen sollen.

Corona-Maßnahmen und Lockerungen in Baden-Württemberg: Inzidenzwert wichtig, aber nicht mehr ausschlaggebend

Bislang war die sogenannte 7-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - das entscheidende Kriterium für viele Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Die Bundesregierung hatte am Montag, 12. Juli, klargestellt, dass der Inzidenzwert auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen werde, aber andere Werte wie etwa die Zahl der Krankenhauseinweisungen künftig stärker berücksichtigt werden sollen.

Erstmeldung, 13. Juli: Bisher waren Maßnahmen und Lockerungen in Baden-Württemberg nur von der 7-Tage-Inzidenz abhängig*. Weil aber immer mehr Menschen geimpft sind, wird sich nun an dieser Strategie etwas ändern müssen. Die Richtung weisen solle in Zukunft die Impfquote und die Krankenhausauslastung, sagte der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha.

Politiker von Bund und Ländern haben zwar in der vergangenen Woche abgelehnt, vollständig von diesem Wert abzurücken, dennoch halten sie zusätzliche Erkenntnisse für notwendig, um Öffnungsschritte bewerten zu können. Lucha erklärte, dass die Inzidenz mittelfristig nicht mehr der einzige Indikator für Lockerungen und Beschränkungen sein könne.

Baden-Württemberg: Inzindez soll in Zukunft nicht einziger Indikator für Corona-Regeln sein

In Großbritannien sieht man, dass die Inzidenz bei über 300 liegt, die Sterblichkeit jedoch bei 2,5 Prozent und damit so niedrig wie in Deutschland ist. Die Inzidenz hier liegt jedoch nur bei 6,4. Lucha: „Deshalb ist eine Betrachtung der Gesamtsituation künftig umso wichtiger, wenn es um die Beschränkung von Freiheitsrechten geht.“

Vor kurzem hatte Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, Krankenhäuser zu einer detaillierten Dokumentation zu verpflichten. Damit erhofft man sich, mehr Daten über Schweregrad von Verläufen, Vorerkrankungen, Sterblichkeit und vieles mehr zu bekommen, um die Gesamtlage besser bewerten zu können.

Baden-Württemberg: Manfred Lucha und Jens Spahn für detaillierte Corona-Dokumentation in Klinken

Auch Lucha hieß das Willkommen. Die deutsche Krankenhausgesellschaft sieht die neue Maßnahme jedoch als „wenig hilfreich“, da schon jetzt die wichtigsten Daten von Corona-Patienten dokumentiert und gemeldet würden. Wie echo24.de* berichtet, schützt eine Corona-Impfung nicht alle Geimpften vor einer Infektion oder gar einem Krankenhausaufenthalt*.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte, die Sieben-Tage-Inzidenz bleibe zwar weiterhin ein wichtiger Parameter, dennoch sei wichtig zu beachten, dass die Inzidenz bei steigender Impfquote an Aussagekraft verliere, besonders wenn Risikogruppen bereits geimpft seien. *echo24.de ist ein Angebot von Ippen.Media.

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