Im Kampf gegen das Coronavirus

Ausgangssperre in Corona-Hotspots in BaWü: Medizinstatistiker mit deutlicher Meinung

Blick auf den menschenleeren Alten Meßplatz in Mannheim.
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Im Corona-Hotspot Mannheim wurden bereits nächtliche Ausgangsbeschränkungen verhängt.
  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Die Corona-Zahlen schnellen in Baden-Württemberg weiter in die Höhe. Die Landesregierung reagierte nun mit Ausgangsbeschränkungen in Corona-Hotspots. Ein Medizinstatistiker äußert sich zur Maßnahme.

Das Coronavirus hält Baden-Württemberg* weiterhin fest im Griff. Trotz aller bisheriger Maßnahmen will die Zahl an Neuinfektionen einfach nicht sinken und der wichtige 7-Tage-Inzidenz-Wert verharrt auch in vielen Regionen im kritischen dreistelligen Bereich. Besonders betroffen sind Stadt- und Landkreise wie Heilbronn*, Mannheim und Pforzheim. Um dort die Corona-Lage in den Griff zu bekommen, einigten sich Bund und die Landesregierung Baden-Württemberg auf eine Hotspot-Strategie mit einer Ausgangssperre.*

Was genau die nächtliche Ausgangssperre* für die Menschen in betroffenen Regionen bedeutet, hat echo24.de* in einem Artikel zusammengefasst. Die Ausgangsbeschränkungen sind erst ein paar Tage alt, doch schon werden kritische Stimmen laut, die die Wirkung dieser Maßnahme stark anzweifeln.

Baden-Württemberg: Maßnahmen in Corona-Hotspots - Medizinstatistiker Gerd Antes bemängelt Vorgehensweise

Eine davon gehört Gerd Antes. Er ist ein deutscher Mathematiker und Medizinstatistiker. Außerdem gilt er als ein Wegbereiter der evidenzbasierten Medizin (Nachweis-orientierte Medizin) in Deutschland. Am Universitätsklinikum Freiburg war er der Direktor des Deutschen Cochrane-Zentrums, das medizinische Studien wissenschaftlich prüft und auswertet. Daher bemängelt Antes vor allem die fehlenden Zahlen, Daten und Auswertungen von aktuellen Corona-Maßnahmen.

Im Klartext: Bei vielen Maßnahmen und Regeln weiß man nicht genau, ob diese im Kampf gegen die steigenden Infektionen in Baden-Württemberg etwas nutzen oder auch nicht. Eine zahlen- und datenbasierte Auswertung könnten die Wirkung und Sinnhaftigkeit der aktuell geltenden Corona-Maßnahmen besser aufzeigen.

Corona-Zahlen in Baden-Württemberg: Bessere Auswertung statt härtere Maßnahmen in Hotspots

Wie man an den steigenden Corona-Zahlen erkennen kann, scheinen die aktuellen Maßnahmen nicht wirklich zu greifen. Und anstatt sich mit der Frage „warum nicht?“ zu beschäftigen, würden einfach weitere und härtere Maßnahmen* ergriffen werden, so der Medizinstatistiker in einem SWR.de-Interview.

Experte für Medizinstatistik Prof. Gerd Antes.

Eine Alternative dazu wäre gewesen, die Infektionen genauer zu erfassen und die vorhandenen Daten besser auszuwerten. Das heißt: Man könne zum Beispiel zusätzlich den Beruf der Infizierten bei den Gesundheitsämtern erfassen. Doch zu welchem Zweck? Laut Antes wäre es wichtig zu wissen, ob bestimmte Berufsgruppen, beispielsweise Friseure oder Lehrer, besonders gefährdet sind. Dann würde man auch wissen, ob beispielsweise die Schließung von Friseurläden etwas bringt, so der Medizinstatistiker.

Zu der Frage nach Ausgangsbeschränkungen in Baden-Württemberg und der aktuellen Hotspot-Strategie hat Antes eine klare Meinung: „Gegenwärtig ist die Lage schwierig, aber ich halte, ehrlich gesagt nicht viel davon, weil bei vielen Maßnahmen völlig unklar ist, was es bringt oder auch nichts bringt“, sagt Antes. „Ich habe größte Zweifel, dass die (nächtliche Ausgangssperre) überhaupt einen Effekt haben.“ *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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