Darf der Einzelhandel wieder öffnen?

7-Punkte-Plan soll Öffnung des Einzelhandels bereits kommende Woche ermöglichen

  • Anna-Maureen Bremer
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Noch ist der Einzelhandel geschlossen. Einige Händler haben nun in Eigeninitiative einen 7-Punkte-Plan erstellt, damit der Einzelhandel möglicherweise bereits kommende Woche wieder öffnen kann.

Update, 1. März: 12.000 Geschäfte stehen wegen Corona und dem Lockdown vor dem Aus. Wann genau und unter welchen Rahmenbedingungen der Einzelhandel von Seiten der Regierung wieder öffnen darf, ist bislang noch unklar. Für die Beschäftigten im Einzelhandel und die Unternehmen ist die Unsicherheit, nicht zu wissen wie es weitergeht, sehr belastend. Nun haben Handelsunternehmen eigenständig einen 7-Punkte-Plan entwickelt, der eine sichere Öffnung des Einzelhandels gewährleisten soll – und das eventuell sogar in der kommenden Woche.

Ministerpräsident Kretschmann hat in der vergangenen Woche bereits etwas Hoffnung gemacht, auf eine mögliche Lockerung der Corona-Maßnahmen. Baden-Württembergs CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann forderte erst kürzlich eine konkrete Öffnungsperspektive für den Einzelhandel, weitere körpernahe Dienstleistungen und die Gastronomie im Freien. Nun haben die Händler selbst in Eigeninitiative einen Plan für eine sichere Öffnung des Einzelhandels erstellt.

Handel legt einen 7-Punkte-Plan für die Öffnung des Einzelhandels vor

Mithilfe eines 7-Punkte-Plans möchte der Einzelhandel in der kommenden Woche wieder öffnen – wie das Handelsblatt berichtet. Der Plan wurde von großen Handelsunternehmen wie Deichmann, Kik und Thalia entwickelt. Die darin enthaltenen Maßnahmen sollen künftig für alle Einzelhändler gleichermaßen verpflichtend sein.

Kern der Selbstverpflichtenden Maßnahmen des Einzelhandels sind  Zugangsbeschränkungen für die Läden, klare Abstandsregelungen, Hygienemaßnahmen und strikte Kontrollen, ob alle Regeln eingehalten werden. So sieht der 7-Punkte-Plan des Handels laut Handelsblatt derzeit so aus:

  • Punkt 1 – Zugang regulieren: Die Kundenzahl pro Quadratmeter soll durch Zugangskontrollen begrenzt werden.
  • Punkt 2 – Reinigen und desinfizieren: Die Händler verpflichten sich, Desinfektionsmittel bereitzustellen und die Flächen immer wieder zu reinigen. An den Kassen muss ein Spuckschutz installiert werden. Außerdem soll regelmäßig gelüftet werden.
  • Punkt 3 – Abstand einhalten: Kundenleitsysteme im Eingangs- und Kassenbereich sollen die Besucher lenken, um Begegnungen und Engstellen zu vermeiden. Unternehmen verpflichten sich, die Einhaltung der Abstände zu kontrollieren.
  • Punkt 4 – Übertragungswege eindämmen: Das Tragen einer Maske ist bei Mitarbeitern und Kunden Pflicht. Es sollen auch Masken für Kunden bereitgestellt werden. Zudem soll das kontaktlose Zahlen weiter gefördert werden.
  • Punkt 5 – Mitarbeiter organisieren: Gemeinsamen Pausen der Mitarbeiter sollen vermieden, sowie Schichten streng getrennt werden. Händler sollen alle Neuinfektionen erfassen und die Kontakte systematisch verfolgen.
  • Punkt 6 – Bewusstsein stärken: Das Personal soll entsprechend geschult werden. Außerdem werden alle Maßnahmen transparent an die Kunden kommuniziert, um Vertrauen und Aufmerksamkeit zu schaffen.
  • Punkt 7 – Umsetzung sicherstellen: Die Unternehmen verpflichten sich, streng zu kontrollieren und Kunden bei Verstößen auch aus den Läden zu verweisen.

Ob die Bundesregierung diesem Vorschlag und einer Öffnung des Einzelhandels zustimmt, ist bislang noch unklar. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft sich diesen Mittwoch mit den Ministerpräsidenten, um bei einem weiteren Corona-Gipfel über mögliche Lockerungen und weitere Maßnahmen zu beraten.

Laut eigenen Aussagen läge RTL/ntv bereits ein Öffnungsplan des Bundeswirtschaftsministeriums vor, in dem sich auch eine Mehrzahl der Wirtschaftsminister der Länder für eine Öffnung im März ausspricht. Heinrich Deichmann, Chef des Verwaltungsrats von Europas größtem Schuheinzelhändler fordert eindeutig: „Der Handel muss am 8. März wieder öffnen.“ Dem Einzelhandel gehe es „dramatisch schlecht“.

Insolvenz-Welle durch Corona-Lockdown droht: Einzelhandel fordert Öffnung

Erstmeldung, 12. Februar: Noch ist es für viele nicht greifbar, was der Corona-Lockdown in Baden-Württemberg für die Geschäfte heißt. Wer allerdings im Einzelhandel beschäftigt oder gar selbstständig ist, spürt das bereits ganz genau. Viele Händler wissen jetzt schon nicht mehr, wie sie Pacht und weitere Kosten decken sollen. Der baden-württembergische Branchenverband malt ein ganz düsteres Szenario.

Baden-Württemberg: Corona-Lockdown bringt Einzelhandel in gefährliche Lage - Läden wollen öffnen

Wie der SWR berichtet, geht der Verband für die kommenden zwei Jahre im schlimmsten Fall von coronabedingt bis zu 12.000 Geschäftsschließungen und Insolvenzen aus. Im Bericht heißt es: „Der Verband vertritt die Interessen von 40.000 Betrieben mit insgesamt mehr als einer halben Million Beschäftigten.“ Ein beliebtes Restaurant in Heilbronn verkündete seine Schließung erst vor wenigen Tagen. Hierbei überrascht allerdings der Grund.

Am Mittwoch, 10. Februar, findet das nächste Bund- und Ländertreffen statt, bei welchem über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie und auch den Lockdown entschieden werden soll. „Der Handel braucht dringend eine Öffnungsperspektive. Ohne die geht es nicht“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, Sabine Hagmann, der Deutschen Presse-Agentur

Wann machen die Geschäfte wieder auf? Neue Regeln für Baden-Württemberg noch nicht bekannt

Sie hält die aktuelle Regelung für ein „Gießkannenprinzip“. Würden die aktuellen Maßnahmen fortgeführt, sei das für sie und auch den Handel nicht nachvollziehbar. Unter anderem wegen des Lockdowns hatte beispielsweise die Parfümerie Douglas in Baden-Württemberg mehrere Filialen schließen* müssen, wie bw24.de* berichtet. Es brauche eine Veränderung. Aber es geht doch um den Schutz der Bevölkerung?

Hagmann ist sich allerdings sicher, dass die Schließung des Handels nicht zu niedrigeren Corona-Infektionszahlen geführt hat. Deshalb hat sie nun eine klare Forderung: Bund und Länder sollten transparent und verbindlich festlegen, nach welchen bundesweit einheitlichen Maßstäben und Werten es regional zu schrittweisen Lockerungen kommen könne.

Sich dabei nur auf den definierten Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen zu konzentrieren, hält Hagmann für unzureichend. Orientieren könne man sich zum Beispiel an der Sieben-Tages-Inzidenz, am Alter der Neuinfizierten, an der aktuellen Belastung des Gesundheitssystems oder am Impffortschritt im Land. *bw24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Helmut Fohringer/dpa

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