Neue Corona-Regeln in Baden-Württemberg

Clubbetreiber mit Hammer-Kritik: Neue Corona-Verordnung „wirtschaftlich nicht tragbar“

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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Clubbetreiben in Baden-Württemberg sind wütend, denn die neue Corona-Verordnung sieht erneut keine konkrete und wirtschaftliche Öffnungsperspektive für Clubs und Diskotheken vor.

Die Corona-Zahlen im Südwesten* sinken immer weiter. Deswegen beschloss das Land Baden-Württemberg, dass es an der Zeit ist für eine neue Corona-Verordnung bei niedrigen 7-Tage-Inzidenzen. Die Verordnung gilt bereits seit dem 28. Juni und enthält üppige Lockerungen. Unter anderem wurden die Regeln für private Treffen, Feiern und Gastronomie gelockert, wie echo24.de* berichtet.

Damit macht Baden-Württemberg einen großen Schritt in Richtung Normalität. Doch für die Vertreter von Clubs und Diskotheken gehen die Lockerungen nicht weit genug. Sie kritisieren die neue Corona-Verordnung* als „Schlag ins Gesicht“.

Baden-Württemberg: Clubbetreiber in mit Hammer-Kritik gegen neue Corona-Verordnung - „wirtschaftlich nicht tragbar“

„Während nun alle anderen Branchen großzügigen Lockerungen ausgesetzt sind, wird das Nachtleben weiterhin massiv beschränkt und de facto unterbunden“, schreibt die Interessengemeinschaft Clubkultur Baden-Württemberg in einem am Montag, 28. Juni, veröffentlichten Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), seine Landesregierung und die Landtagsfraktionen. 

Nach der neuen Verordnung dürfen Diskotheken und Clubs bei einer Inzidenz unter zehn mit einer Person pro zehn Quadratmeter öffnen. Liegt die Inzidenz über zehn, bleiben Discos und Clubs auch künftig geschlossen. Für die meisten Clubs bedeute die Zehn-Quadratmeter-Regelung Veranstaltungen mit zehn bis 20 Leuten - das sei „somit wirtschaftlich keineswegs tragbar“, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Clubkultur Baden-Württemberg: Geschlossene Clubs und Diskotheken führen zu illegalen Partys

Die Interessengemeinschaft Clubkultur Baden-Württemberg bemängelt nicht nur konkrete Öffnungsperspektiven für Clubs und Diskotheken in der aktuell geltenden Corona-Verordnung, sondern warnt auch vor möglichen Folgen, wenn die Clubs weiterhin geschlossen bleiben sollten. „Mit der bisherigen Regelung verlagert man das Feiern in den unkontrollierten illegalen/privaten Bereich und zeigt großes Misstrauen gegenüber einer ganzen Branche.“

Und damit haben die Clubbetreiber gar nicht so unrecht. Denn bereits dieses Jahr fanden mehrere illegale Corona-Partys in Baden-Württemberg statt. So haben sich im Februar insgesamt 28 Menschen in Stuttgart über die geltenden Corona-Maßnahmen hinweg gesetzt und feierten zwei illegale Partys* - darunter eine kleine Hochzeitsfeier. Ebenfalls in Stuttgart feierte eine 23-Jährige ohne Einhaltung der Corona-Regeln* ihren Geburtstag. Diese Party fand allerdings letztes Jahr im November statt. Bei allen Partys wurden, laut Polizei, die Personalien erhoben und die Betreiber, sowie Gäste angezeigt.

Interessengemeinschaft Clubkultur Baden-Württemberg - Rund 20 Städte dabei

Wie und ob sich die Landesregierung zum veröffentlichten Brief geäußert hat, sei noch unklar. Fakt ist: Um in Zukunft illegale Corona-Partys vermeiden zu können, brauchen Clubs und Diskotheken in Baden-Württemberg eine Öffnungsperspektive. Denn seit mittlerweile 15 Monaten muss die Club-Branche die Füße stillhalten und auf bessere Zeiten hoffen.

Wie die dpa weiter berichtet, hat sich die Interessengemeinschaft Clubkultur Baden-Württemberg bereits im Januar gegründet, um der Szene einen höheren Stellenwert in der Politik und der Öffentlichkeit zu verschaffen. Insgesamt haben sich nach Angaben der Vereinigung bislang mehr als 120 Akteure aus rund 20 Städten angeschlossen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Franziska Kraufmann/dpa

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