Corona-Impfung

Impf-Termine frei wegen AstraZeneca-Skepsis: Können andere nachrücken?

  • Lisa Klein
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Trotz Impftermin lehnen einige ihre Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca ab. Können sich nun Menschen mit Astrazeneca impfen lassen, die eigentlich noch nicht berechtigt sind?

Der Impfstoff von Astrazeneca ist momentan heiß umstritten. Immer wieder schreibt der britische Corona-Impfstoff Schlagzeilen, aufgrund von fehlerhaften Studien, Nebenwirkungen und einer vermeintlich niedrigen Wirksamkeit. Wegen seines inzwischen schlechten Rufs lehnen bereits Impfberechtigte eine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff ab oder erscheinen nicht zu ihrem Impftermin.

Natürlich zum Ärger derer, die bei der Impfpriorisierung weiter hinten sind und sich gerne bereits jetzt, auch mit dem Astrazeneca-Impfstoff, impfen lassen würden. Haben Menschen, die bislang noch nicht Impfberechtigt sind, dennoch die Möglichkeit, sich bereits jetzt einen Impftermin zu holen und sich mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen zu lassen?

Astrazeneca-Impfstoff: Corona-Impftermin ohne Berechtigung?

Das Impfzentrum Kyritz im Nordwesten von Brandenburg hat diesbezüglich kurzen Prozess gemacht: Weil die Nachfrage nach Impfterminen vonseiten der Impfberechtigten in der Region sehr gering war, erhielten kurzerhand Verwaltungsmitarbeiter die Möglichkeit, sich mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen zu lassen.

Dies teilte Landrat Ralf Reinhardt auf einer Online-Pressekonferenz laut Deutscher Presseagentur mit und verteidigte seine Entscheidung: „Es soll Impfstoff nicht im Lager stehen, es soll Impfstoff wirken und auch Schutz entfalten“. Oberste Priorität sei, dass kein Impfstoff verfalle. Vergangene Woche seien allein an einem Tag von 280 Impfmöglichkeiten nur 53 gebucht worden.

Insgesamt haben in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bereits mehr als 3,4 Millionen Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten. Derzeit ist es nicht möglich, sich bei einem Impfangebot einen Impfstoff auszusuchen. Experten raten dennoch, sich auf jeden Fall impfen zu lassen, auch mit dem Impfstoff von Astrazeneca. Schließlich gehe es bei den Impfungen auch um Schnelligkeit, um die Pandemie möglichst bald zu besiegen. Können nun auch Personen aus anderen Prioritätsgruppen vorrücken, sodass der Impfprozess beschleunigt wird?

Astrazeneca: Impftermin in Baden-Württemberg auch ohne Berechtigung möglich?

Das Land Baden-Württemberg teilt in einer Pressemitteilung mit: „Baden-Württemberg erwartet bis Mitte März rund 450.000 Impfdosen des Impfstoffs von AstraZeneca. Damit kann das Land jedem Berechtigten in der ersten Priorität im Alter zwischen 18 und 64 ab sofort ein Impfangebot machen. Voraussichtlich Anfang/Mitte März kann Baden-Württemberg dann auch schon damit beginnen, Impfberechtigte im Alter von 18 bis 64 aus der zweiten Priorität zu impfen.“ Dazu zählen folgende Personen:

  • Personen mit einer geistigen Behinderung oder mit Trisomie 21
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen (auch Haus- und Zahnärzte sowie deren Angestellte, Auszubildene und Studenten)
  • Personen in Institutionen mit einer Demenz oder geistigen Behinderung
  • Lehrer und Erzieher

Personen, die nicht zur Prioritätsgruppe 1 oder den genannten Personengruppen der Prioritätsgruppe 2 gehören, können sich derzeit noch nicht impfen lassen – auch nicht mit dem Impfstoff von Astrazeneca.

Warum ist der Astrazeneca-Impfstoff so umstritten?

Startschuss für die Skepsis gegenüber des Astrazeneca-Impfstoffes war die Meldung, dass sich einige Mitarbeiter aus Kliniken nach einer Astrazeneca Impfung krankgemeldet haben. Die Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffes sollen stärker sein, als bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna. Daraufhin haben sogar einige Regionen und Kliniken vorerst überhaupt keine Impfungen mit Astrazeneca mehr verabreicht. Zu den am häufigsten genannten Impfreaktionen zählen Erschöpfung, Kopfschmerzen und Fieber. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts sind solche Nebenwirkungen allerdings übliche Reaktionen. Sie zeigen, dass der Körper den Impfstoff verarbeitet und Antikörper gegen das Virus produziert.

Des Weiteren ist die Wirksamkeit des britischen Impfstoffs nicht ganz klar. Erste Studien ergaben, dass der Impfstoff von Astrazeneca eine Wirksamkeit von rund 70 Prozent habe. Allerdings habe sich nun herausgestellt, dass sich die Wirksamkeit des Impfstoffes erhöht, je größer der Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfdosis ist. Wie wirksam der Astrazeneca-Impfstoff tatsächlich ist, bleibt vorerst weiterhin umschritten. Sicher ist aber, dass das Vakzin dafür sorgt, dass nach einer Impfung keine schweren Krankheitsverläufe durch das Coronavirus entstehen.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha warnt davor, den Impfstoff von Astrazeneca schlechtzureden: „AstraZeneca ist genauso geeignet die Pandemie zu bekämpfen wie die beiden andern Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Auch der Impfstoff von AstraZeneca verhindert, dass Menschen nach einer Corona-Infektion einen schweren oder tödlichen Verlauf erleiden – und darum geht es bei einer Impfung. Alle drei Impfstoffe haben ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchlaufen. Von der STIKO wird der Impfstoff von AstraZeneca wie die beiden anderen als wirksamer Impfstoff empfohlen. Klar ist also: AstraZeneca ist kein Impfstoff zweiter Klasse, im Gegenteil. Ich habe kein Verständnis, wenn sich Menschen damit nicht impfen lassen wollen.“

Ich möchte keinen Astrazeneca-Impfstoff: Wie sage ich einen Impftermin ab?

Es ist wichtig und nur fair gegenüber allen anderen, dass diejenigen, die sich gegen eine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff entscheiden und bereits einen Termin haben, diesen wieder absagen - statt einfach nicht zu erscheinen. So kann jemand anderes den Impftermin wahrnehmen. Auf der Webseite des Impfterminservice kann unter dem Menüpunkt „Buchung verwalten“ oder telefonisch unter 116117 der Termin abgesagt werden.

Rubriklistenbild: © Luka Dakskobler/dpa-Bildfunk

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