STIKO empfiehlt AstraZeneca ab 60

AstraZeneca: Verwirrung nach STIKO-Empfehlung - Wer wird in Baden-Württemberg geimpft?

In einer Praxis stehen Ampullen des Corona-Impfstoffs des Schwedisch-Britischen Herstellers AstraZeneca auf einem Tisch. (Symbolbild)
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Corona-Impfstoff: Astrazeneca soll in Deutschland nur an über 60 Jahre alte Menschen verabreicht werden. (Symbolbild)
  • vonChristina Rosenberger
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Die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung für den AstraZeneca-Impfstoff wieder geändert. Baden-Württemberg folgt - und das hat Auswirkungen auf die Impfangebote.

Zuerst war der Corona-Impfstoff von AstraZeneca nur für jüngere Menschen bis 65 Jahre zugelassen, dann kam die Freigabe für Menschen bis 80 Jahren - und jetzt kommt die komplette Kehrtwende: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt*, nur noch Personen mit dem britisch-schwedischen Impfstoff zu behandeln, die über 60 Jahre alt sind. Diese Knaller-Meldung lief gestern (30. März) Nachmittag bei den Nachrichtenagenturen ein. Wie echo24.de* berichtet, hat sich jetzt auch Baden-Württemberg positioniert.

Im Südwesten will man der Empfehlung der STIKO sofort folgen: Ab heute (31. März) kommt der Impfstoff von AstraZeneca nur noch für über 60-jährige Menschen zum Einsatz - oder für jüngere Menschen, die das explizit wünschen. Wie auch bw24.de berichtet, soll bei den unter 60-jährigen Impfwilligen* gemeinsam mit dem impfenden Arzt eine individuelle Risikoanalyse erstellt werden. Sollte gesundheitlich nichts gegen die Impfung mit dem britisch-schwedischen Vakzin sprechen, folgt eine sorgfältige Aufklärung.

AstraZeneca: Wer wird in Baden-Württemberg geimpft? Verwirrung nach STIKO-Empfehlung

Doch was passiert jetzt, wenn ich schon einen AstraZeneca-Termin gebucht habe, aber wegen meines Alters nicht mehr mit diesem Impfstoff geimpft werden kann oder möchte? Dann gilt laut der baden-württembergischen Landesregierung: In den Zentren, in denen eine Umbuchung auf einen anderen Impfstoff möglich ist, soll das direkt vor Ort auch passieren. In diesem Fall soll auch vor Ort ein passender Zweittermin ausgemacht werden. „Kein geimpfter Bürger, keine geimpfte Bürgerin sollte das Impfzentrum ohne Zweittermin verlassen.“

Laut Baden-Württembergs Gesundheitsministerium kommt AstraZeneca ab 31. März nur noch zum Einsatz bei:

1. Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. Das heißt: Jetzt können vorzeitig auch die 60- bis 69-Jährigen mit diesem Impfstoff geimpft werden. Das gibt dem Land die Möglichkeit, diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden dritten Welle nun schneller zu impfen.

2. Personen aus den Priorisierungsgruppen 1 und 2 („höchste und hohe Priorität“), die das 60. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und die gemeinsam mit dem impfenden Arzt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung entscheiden, mit AstraZeneca geimpft werden zu wollen.

Doch auch wenn die Umbuchung auf einen anderen Impfstoff nicht gleich funktioniert, gibt es Möglichkeiten, um nicht ganz leer auszugehen. Zunächst kann jeder, der das möchte, freiwillig von einem Arzt überprüfen lassen, ob nicht doch eine Impfung mit AstraZeneca infrage kommt - außerdem ist es möglich, seine Daten auf eine Warteliste schreiben zu lassen.

Baden-Württemberg: Gesundheitsminister Lucha erwartet „Unregelmäßigkeiten“ bei AstraZeneca-Impfungen

Für Zweitimpfungen sieht das Land Baden-Württemberg vor, dass Menschen, die schon die erste Dosis AstraZeneca erhalten haben, entweder nach Rücksprache mit dem Arzt auch die zweite Dosis nach Plan erhalten können - oder die Betroffenen warten auf eine Empfehlung der Stiko zur Zweitimpfung, die voraussichtlich Ende April kommt. Wie auch heidelberg24.de* berichtet, ist zum Beispiel im Gespräch, ob die Zweitimpfung auch mit einem anderen Impfstoff erfolgen kann.

Übrigens hat Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha sich schon im Voraus dafür entschuldigt, falls es in der ersten Zeit der Umstellungsphase zu Unregelmäßigkeiten kommt. Die Impfzentren sowie die Mitarbeitenden der Anmeldesysteme seien zwar noch am Abend (30. März) über das neue Prozedere informiert worden, kleinere Probleme könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden. In jedem Fall laufe die Impfkampagne weiter und „wird entsprechend angepasst“, erklärte Lucha.

Corona-Impfstoff AstraZeneca: Hirnvenenthrombosen verursachten massive Unsicherheiten

Zum Hintergrund: Die Ständige Impfkommission hatte die Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca am Dienstag, 30. März, wegen neuer Fälle von Hirnvenenthrombosen neu bewertet*. Wie das Paul-Ehrlich-Institut meldet, gab es bis zum 29. März insgesamt 31 Fälle von Sinusvenenthrombosen nach einer Impfung mit AstraZeneca in Deutschland. Neun Menschen starben. Bis auf zwei waren alle Betroffenen Frauen zwischen 20 und 63 Jahren.

Jetzt scheint es so, als wolle AstraZeneca das Image seines Impfstoffs verzweifelt retten. Vor einigen Tagen hat das britisch-schwedische Pharmaunternehmen den Namen des Impfstoffs von „ChAdOx1“ auf „Vaxzevria“ geändert. Laut ZDF vermuten viele, die Umbenennung könne eine PR-Maßnahme sein. Immerhin ist das Vakzin bisher rege zum Einsatz gekommen: Laut Robert-Koch-Institut wurden bisher 2,7 Millionen Erstdosen und 767 Zweitdosen des AstraZeneca-Impfstoffs verimpft. *echo24.de, *heidelberg24.de und *bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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