Chip-Mangel legt Werke lahm

Audi, Daimler und BMW: So hart trifft der Chip-Mangel die Autobranche

  • Simon Mones
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Der Chip-Mangel setzt der Autobranche stark zu. Doch die Folgen für Audi, Daimler und BMW könnten unterschiedlicher kaum sein.

Immer wieder stehen die Bänder bei Daimler still. Für die Mitarbeiter heißt es dann: Kurzarbeit. Doch nicht nur der Automobilkonzern aus Stuttgart hat aktuell immer wieder mit Produktionsausfällen zu kämpfen, auch bei Audi müssen immer wieder Schichten ausfallen. Grund ist nicht etwa das Coronavirus, sondern die weltweite Chip-Krise.

Denn in den modernen Autos von Daimler, Audi und Co. kommen immer mehr Chips zum Einsatz und die sind aktuell rar. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie die Stuttgarter Zeitung unter Berufung auf eine Analyse des VW-Einkaufsvorstands Murat Aksel berichtet.

Audi, Daimler und BMW: Chip-Mangel wohl bis 2023

In Texas wurde die Chipproduktion in Folge eines heftigen Wintersturms lahmgelegt, der zu einem großflächigen Stromausfall führte. Hinzu kam ein Brand beim japanischen Chiphersteller Renesas, der ebenfalls Ausfälle zur Folge hatte. Zudem kam es im Sommer aufgrund der Corona-Pandemie noch zu Lockdowns in Malaysia, die sich ebenfalls auf die Produktion der Halbleiter auswirkten. Diese Ereignisse werden sich laut Aksel auch noch im September und Oktober auf die Produktion der Hersteller auswirken.

Doch das Problem dürfte die Branche auch noch längere Zeit beschäftigen wird, so rechnet Daimler-Chef Ola Källenius erst 2023 mit Besserung. Denn erst dann dürften die neu gebauten Fabriken der Hersteller voll laufen. Denn abgesehen von den Sondereinflüssen gibt es einen Angebotsmangel von zehn Prozent. Und doch scheint es, als würde der Halbleiter die Hersteller unterschiedlich stark betreffen, wie auch die Stuttgarter Zeitung berichtete.

Audi, Daimler und BMW: Chip-Mangel sorgt für lange Wartezeiten bei Mercedes-Benz

BMW scheint mit der aktuellen Situation beispielsweise deutlich besser zurechtzukommen als Audi oder Daimler. BMW-Vertriebsvorstand Pieter Nota begründet dies damit, dass der Münchner Automobilhersteller die Marktentwicklung nach dem Lockdown deutlich besser eingeschätzt hatte. Entsprechend wurden die geplanten Bestellungen bei den Zulieferern nicht so stark zurückgefahren.

Anders sieht es bei der Daimler-Tochter Mercedes-Benz aus, die besonders unter der aktuellen Situation leidet. Die teilweisen wochenlangen Produktionsstopps in den Werken bekommen die Kunden heftig zu spüren. So liegt die Lieferzeit für eine A-Klasse aktuell bei bis zu einem Jahr.

Audi und BMW optimistisch - kaum Auswirkungen auf Lieferzeiten

Bei Audi und BMW brauchen die Kunden weniger Geduld, wie die Vertriebsvorstände Nota und Hildegard Wortmann betonten. Dabei standen auch bei den beiden bayrischen Herstellern die Bänder lange still. Bei Audi erwartet man dennoch mehr Auslieferungen als im Vorjahr, auch wenn man - wie Wortmann zugab - die Ausfälle bis zum Jahresende nicht aufholen könne.

Audi möchte trotz Halbleiter-Mangels mehr Autos ausliefern als noch 2020.

BMW peilt ein „solides Wachstum des Absatzes an“, wie Nota erklärte. Die Lieferzeiten sollen jedoch anders als bei Mercedes-Benz nicht ausufern. Bei Audi versucht man dies ebenfalls zu verhindern und versucht die Autos gemeinsam mit den Kunden so zu konfigurieren, dass die Lieferzeiten möglichst kurz sind. Zudem werden Neuwagen übergangsweise nur mit einem Schlüssel ausgeliefert.

Wegen Chip-Mangel: Daimler korrigiert Erwartungen

Anders als die Konkurrenz aus Bayern hat Daimler-Boss Ola Källenius die Absatzprognose reduziert. Ursprünglich sollte Mercedes-Benz das Ergebnis aus dem schwachen Vorjahr deutlich in den Schatten stellen, nun peilt man in Stuttgart eine Stagnation an.„Wir tun unser Bestes, um den Kunden zufrieden zu stellen,“ versichert die Mercedes-Vertriebschefin Britta Seeger im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung. „Wir verlängern die Leasinglaufzeiten, wir bieten Neukunden alternative Fahrzeuge an, wir bieten Kunden an, Extras später nachzurüsten.“

Zudem suche eine Taskforce in den Bereichen Logistik, Einkauf und Entwicklung „mit erheblicher Personalstärke“ unter Hochdruck nach Lösungen, wie Mercedes-Entwicklungs- und Produktionschef Markus Schäfer erklärte. Darüber hinaus will Mercedes-Benz in Zukunft noch enger mit den Chipherstellern zusammenarbeiten. Denn die Chips sind inzwischen so wichtig geworden, dass sogar Kooperationen zur Sicherung der Lieferwege in Betracht gezogen werden. Ähnlich handhabt Daimler es bereits bei den Batteriezellen. Verständlicherweise: Denn durch den Umstieg auf Elektroautos werden die Batterien und Halbleiter in Zukunft noch wichtiger werden.

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/dpa

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