Jede Menge Diskussionen

Kommt das Atommüll-Endlager nach Baden-Württemberg? Kabinett diskutiert

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Fast die Hälfte der Landesfläche von Baden-Württemberg kommt als Standort für ein Atommüll-Endlager infrage. Heute wird in der Politik darüber diskutiert.

Update vom 29. September, 15 Uhr: Gestern hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ihren Zwischenbericht zur Endlagerung für Atommüll vorgelegt. Darin aufgelistet sind die Regionen in Deutschland, die die Kriterien für ein Atommüll-Endlager erfüllen. Gestern wurde bekannt, dass sich fast die Hälfte der Fläche von Baden-Württemberg als möglicher Standort für ein Atommüll-Endlager eignet. Rein rechnerisch könnte Baden-Württemberg also in die engere Auswahl kommen.

An diesem Dienstag will Umweltminister Franz Untersteller seine Kabinettskollegen im Landtag von Baden-Württemberg über die Suche nach einem Atommüll-Endlager informieren. Thema sollen laut der Deutschen-Presse-Agentur auch die zu erwartenden Folgen sein, wenn das Atommüll-Endlager tatsächlich nach Baden-Württemberg kommen sollte. Die BGE machte gestern nochmal deutlich, dass mit der Nennung einzelner Regionen in Deutschland noch keine Empfehlung oder gar eine Vorentscheidung ist.

Baden-Württemberg: Atommüll-Endlager ist Thema der heutigen Kabinettssitzung

Am Ende entscheidet der Bundestag, in welcher Region von Deutschland das Atommüll-Endlager gebaut wird. Ab 2031 soll ein Standort feststehen. Ist dieser gefunden, soll das dort errichtete Atommüll-Endlager ab 2050 in Betrieb gehen. In den kommenden Jahren sollen die möglichen Standorte in Deutschland weiter eingegrenzt werden. Am Ende soll das Endlager für Atommüll in der Region errichtet werden, die am besten dafür geeignet ist. Mehre Faktoren werden ausschlaggebend sein.

Heute wird im Kabinett über ein mögliches Atommüll-Endlager in Baden-Württemberg debattiert.

Sprich: Es kann Baden-Württemberg treffen, vielleicht aber auch nicht. Weil in Baden-Württemberg aber viele Regionen als mögliche Standorte ausgewiesen sind, ist die Wahrscheinlichkeit dafür höher, als in anderen Bundesländern.

Baden-Württemberg: Kommt das Endlager für Atommüll nach BaWü?

Update vom 28. September, 15 Uhr: Im heute veröffentlichten Zwischenbericht der BGE sind gleich mehrere Regionen in Baden-Württemberg als Standort für das Atommüll-Endlager aufgeführt. Doch auch Gebiete in Teilen von Bayern, Niedersachsen und anderen Bundesländern erfüllen die Kriterien für eine solche Einlagerung. Bis ins Jahr 2031 soll der Standort für das Atommüll-Endlager feststehen. Ab 2050 soll das neue Endlager für Atommüll in Betrieb gehen. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte in Deutschland nach und nach weiter eingegrenzt.

Dabei sollen weitere Kriterien – etwa die Bevölkerungsdichte – berücksichtigt werden. Dass Baden-Württemberg im Zwischenbericht der BGE genannt wird, überrascht Umweltminister Franz Untersteller nicht. Salz, Granit und Ton seien als geologische Formationen für einen Endlagerstandort grundsätzlich geeignet, sagt der Grünen-Politiker. Und solche Stein-Arten gebe es eben auch im Südwesten. Untersteller verteidigt den Suchprozess gegen die Kritik von FDP und Umweltschützer. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke bezeichnet die Suche als intransparente „Überraschungstüte“.

Baden-Württemberg: Suche nach Endlager für Atommüll geht weiter

Umweltschützer hatten zuvor gefordert, dass Gorleben als Standort für das Atommüll-Endlager ausgeschlossen wird. Auch deswegen dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll erst richtig in Fahrt kommen. Untersteller: „Mir ist auch klar, dass es einiges an Unruhe geben wird.“ Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass in Deutschland ein Standort für das Atommüll-Endlager gefunden werden muss. Laut Erkenntnissen des BGE haben 90 Gebiete in Deutschland günstige geologische Voraussetzungen für ein dauerhaftes Atommüll-Endlager.

Suche nach Atommüll-Entlager: Hälfte von Baden-Württemberg kommt infrage

Eine Vorfestlegung für einen Standort ist im BGE-Bericht nicht genannt. Doch fast die Hälfte von Baden-Württemberg eignet sich laut BGE als Standort für das Atommüll-Endlager. Konkret werden Regionen auf einem Gebiet von insgesamt 16.848 Quadratkilometern als mögliche Atommüll-Endlager-Standorte im Bericht genannt. Sie erstrecken sich über 39 Landkreise und kreisfreie Städte im Südwesten. In weiteren Untersuchungen muss jetzt erforscht werden, welche Region in Deutschland tatsächlich die allerbesten geologischen Gegebenheiten für ein Endlager aufweist.

Stolze 54 Prozent der Landesfläche von Baden-Württemberg ist als Teilgebiet ausgewiesen. Dadurch könnte Baden-Württemberg rein rechnerisch in die engere Auswahl kommen...

Baden-Württemberg: Ein Endlager für Atommüll im Südwesten?

Erstmeldung, 28. September, 11 Uhr: Das Zeitalter der Atomkraft in Deutschland fordert seinen Tribut. Zwar gehen im Zuge der Energiewende immer mehr Atomkraftwerke vom Netz, aber eines bleibt: Jede Menge Atommüll und die Frage, wohin damit. Klar ist bis jetzt nur, dass niemand hoch radioaktiven Atommüll vor der eigenen Haustür haben möchte. Fakt ist aber, dass irgendwo in Deutschlands Bundesländern ein Endlager für Atommüll entstehen MUSS. Und aufgrund geologischer Kriterien kommen eben auch mehrere Regionen in Baden-Württemberg als mögliche Standorte für die Endlagerung von Atommüll infrage.

Baden-Württemberg: Suche nach Endlager für Atommüll geht weiter

Eine Vorfestlegung für Atommüll-Endlager-Standorte gibt es im Bericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) noch nicht. Doch gerade deshalb nimmt die Debatte über die Endlagerung von Atommüll erst jetzt richtig Fahrt auf. Soll über Endlager in Baden-Württemberg überhaupt diskutiert werden? Zustimmung dafür kommt ausgerechnet vonseiten der Grünen. Sie fordern, dass kein Standort in Deutschland von vorneherein ausgeschlossen werden darf. Auch Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt sich bei der Frage offen für Gespräche.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will Regionen in Baden-Württemberg als mögliche Endlager für Atommüll nicht von vornherein ausschließen.

Das Prinzip der „weißen Landkarte“ habe diesen Prozess erst ermöglicht, sagt Kretschmann. Eine ganz anderer Ansicht teilt die bayrische Landesregierung und erklärt, dass der Untergrund in Bayern nicht für die Endlagerung von Atommüll geeignet sei. In Baden-Württemberg löst die Aussage Unverständnis aus. Kretschmann: Ministerpräsidenten dürften nicht erklären, „dass der Granit bei ihnen nicht geeignet sei“. Doch jetzt fordern auch mehrere Umweltverbände, dass zumindest der viel diskutierte Standort Gorleben als Endlager für Atommüll von vorneherein ausgeschlossen wird.

Baden-Württemberg: Hier könnten Endlager für Atommüll entstehen

In Baden-Württemberg kommen vor allem in der Nähe des Bodensees und entlang der Donau Regionen als Endlager für Atommüll infrage. Der Grund: Das Tongestein im Boden ist dort für die Endlagerung geeignet. Aber auch die Schwäbische Alb im Alb-Donau-Kreis und Gebiete bei Heidenheim würden sich in Baden-Württemberg für die Endlagerung von Atommüll eignen. Auch hier gibt es potenzielle Ablageorte (zum Beispiel alte Salzstollen) aus geeigneten Wirtsgesteinen. Gleiche Voraussetzungen bieten aber auch andere Bundesländer in Deutschland. Daher auch die hitzigen Debatten.

Was sind Wirtsgesteine?

Als Wirtsgesteine werden Steinarten bezeichnet, die aufgrund ihrer Beschaffenheit radioaktives Material beherbergen können. Wichtig ist, dass solche Steinarten keine Strahlung durchlassen, beziehungsweise diese absorbieren. Mögliche Wirtsgesteine in Deutschland sind Kristallingesteine, Salzgesteine und Tongesteine. In Baden-Württemberg kommen in verschiedenen Regionen alle drei Steinarten vor. echo24.de* berichtet darüber.

Aktuell berichtet auch der SWR über Atommüll und die aktuellen Diskussionen. Wo das Atommüll-Endlager letztlich entstehen wird, sei abhängig von der Region und ihren Gegebenheiten, sagt Sylvia Kotting-Uhl, Chefin des Umweltausschusses im Bundestag im SWR. Kotting-Uhl: „Wo das Endlager ist, entscheidet nicht die höchste Akzeptanz oder der größte Widerstand, sondern ausschließlich die wissenschaftlich basierten Kriterien.“ Doch ausgerechnet die Frage nach Akzeptanz könnte die Suche nach einem Atommüll-Endlager bremsen. Auch in Baden-Württemberg gibt es kritische Stimmen.

Baden-Württemberg: Kritik am Auswahlprozess für Atommüll-Endlager

Eine der kritischen Stimmen in Baden-Württemberg gehört zu Hans-Ulrich Rülke, FDP-Fraktionschef im Landtag. Er bezeichnet die Suche nach Endlagern für Atommüll als intransparente „Überraschungstüte“. Rülke: „Durch die mangelnde Transparenz verspielt die Bundesgesellschaft für Endlagerung die Chance, dass eine solche Suche und ihr Ergebnis auch akzeptiert werden.“ Ein Endlager für Atommüll könne aber eben nur durchgesetzt werden, wenn Akzeptanz und Vertrauen in der Bevölkerung vorhanden seien. Rülke: „Es darf aber nicht der Eindruck entstehen, das werde von oben verordnet.“

Fazit: Die Frage „wohin kommt der Atommüll?“ wird sich nicht so schnell klären. Dabei sollte das Suchverfahren eigentlich bis 2031 abgeschlossen sein. Ab etwa 2050 soll das Atommüll-Endlager in Betrieb gehen. Ob dieses Datum angesichts hitziger Diskussionen einzuhalten ist, bleibt fraglich. Klar ist bis jetzt nur, dass niemand einen Schwarzen Peter zugesteckt bekommen möchte. Die Tatsache, dass sich mehrere Regionen in Deutschland als Endlager eignen, erschwert die Festlegung auf ein Gebiet nochmal zusätzlich. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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