Im Neuenheimer Feld

Nach Amoklauf an Uni Heidelberg: Polizei mit weiteren Details zu Täter und Ablauf

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
    schließen

Am Montag, 24. Januar, kam es an der Uni Heidelberg zu einem Amoklauf. Eine Studentin verlor dabei ihr Leben. Die polizeiliche Ermittlungsgruppe hat erste Ergebnisse zur Tat.

Update, 27. Januar: Nach dem Amoklauf an der Universität Heidelberg laufen die Ermittlungen der Polizei nun auf Hochtouren. Um die Hintergründe der Tat zu ermitteln, wurde eine 32-köpfige Ermittlungsgruppe „Botanik“ der Kriminaldirektion Heidelberg eingerichtet.

Wie die Polizei Mannheim berichtet, gibt es bereits wichtige erste Ergebnisse, die zur Aufklärung des Tötungsdelikts und der anschließenden Selbsttötung des mutmaßlichen Täters am vergangenen Montag (24. Januar) beitragen. Was ist bisher bekannt?

Nach Amoklauf an Uni Heidelberg: Mutmaßliche Täter kaufte drei Waffen in Österreich

Wie die Ermittlerinnen und Ermittler herausfanden, erwarb der 18-Jährige etwa eine Woche vor der Tat in Österreich insgesamt drei Langwaffen. Zwei dieser Waffen wurden neben rund 150 Schuss Munition am Tatort sichergestellt. Die dritte Waffe, eine Büchse, wurde von der österreichischen Polizei in einem Zimmer, das der 18-Jährige bei seinem Aufenthalt in Österreich angemietet hatte, gefunden.

TatAmoklauf
OrtHörsaal der Universität Heidelberg im Neuenheimer Feld
Datum24. Januar 2022
Täter (†)18-jähriger Student

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen soll er die beiden bei der Tat in Heidelberg verwendeten Waffen bei einem Waffenhändler und die dritte bei einer Privatperson jeweils in Österreich erworben haben. Inwieweit der Waffenhändler sich wegen des Waffenverkaufs strafrechtlich zu verantworten haben, ist Gegenstand einer laufenden Prüfung. Diese gestaltet sich allerdings auf Grund der unterschiedlichen Rechtslage in der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland als schwierig.

Uni Heidelberg: Amoklauf – Was motivierte den 18-Jährigen zu seiner Tat?

Bei weiteren Ermittlungen und der Durchsuchung der Wohnung des Tatverdächtigen in Mannheim wurden mehrere Mobiltelefone, Laptops und ein Tablet sichergestellt. Diese werden derzeit durch Spezialisten der Ermittlungsgruppe „Botanik“ ausgewertet. Erste Erkenntnisse aus dieser Auswertung ergaben keine Hinweise auf eine persönliche Beziehung zwischen dem mutmaßlichen Täter und den Opfern, wie die Polizei Mannheim weiter berichtet. War das Tatmotiv also politischer Natur?

Die Ermittler gehen Hinweisen nach, wonach der Tatverdächtige in der Vergangenheit Mitglied der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ gewesen und im Jahr 2019, also noch als Minderjähriger, aus dieser ausgetreten sein soll. Die bereits durchgeführten Auswertungen der digitalen Medien des mutmaßlichen Täters sowie Zeugenaussagen aus seinem persönlichen Umfeld ergaben bislang allerdings keine Erkenntnisse zu einer Radikalisierung oder zu Kontakten des mutmaßlichen Täters ins rechte Spektrum. 

Menschen haben vor einem Gebäude der Heidelberger Universität nach dem Amoklauf Blumen und Kerzen niederlegt.

Nicht auszuschließen ist, dass eine im Raum stehende psychische Erkrankung des Verdächtigen ursächlich für die Tat gewesen sein könnte. Belastbare Feststellungen zum Tatmotiv sind jedoch den weiteren Ermittlungen vorbehalten.

Amoklauf an Uni Heidelberg: So kam der mutmaßliche Täter zum Tatort

Außerdem fanden die Ermittler heraus, wie der mutmaßliche Täter zum Tatort an die Uni Heidelberg gekommen ist. Nach den vorliegenden Informationen soll er mit einem Taxi von Mannheim ins Neuenheimer Feld gefahren sein. Die beiden Waffen soll er in einer Sporttasche verstaut und im Kofferraum des Taxis abgelegt haben.

Um das Tatmotiv und die weiteren Hintergründe der Tat im vorliegenden Fall zu klären, dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg und der Ermittlungsgruppe „Botanik“ der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg weiter an.

Nach Amoklauf an Uni Heidelberg: Spuren sollen Hinweise auf Tatmotiv geben

Erstmeldung, 26. Januar: Am Montag (24. Januar) ereigneten sich an der Uni Heidelberg schreckliche Geschehnisse. Ein schwer bewaffneter 18-jähriger Mann* stürmte einen Vorlesungssaal und eröffnete das Feuer, wie echo24.de* berichtete. Zwei Tage nach der Tat sind noch viele Fragen offen – die wohl wichtigste: Warum? Was bewegte den jungen Studenten sich eine Waffe zu kaufen und damit auf Menschen zu schießen?

Die Polizei versucht, sich anhand von Zeugenvernehmungen und der Auswertung von Obduktionsergebnissen ein Bild von der Tat zu machen. „Die rund 30 in einem Hörsaal vom Täter überraschten Biologie-Studenten sind größtenteils befragt worden“, sagte Polizeisprecher Patrick Knapp in Mannheim. Sicherlich gebe es auch eine zweite Fragerunde. „Je tiefer wir die Dinge untersuchen, desto mehr neue Fragen tun sich auf.“ Einige Untersuchungen führen nun ins Spektrum der rechtsradikalen Szene.

Amoklauf in Heidelberg: Spuren sollen Hinweise auf Tatmotiv geben

Der 18 Jahre alte Student, der am Montag in einem Hörsaal mehrmals auf andere Studierende geschossen und eine 23-jährige Studentin dabei so schwer verletzt hatte, dass sie starb, soll als Jugendlicher offenbar einen Bezug zur Neonazipartei Der Dritte Weg gehabt haben. Das berichtet ZEIT ONLINE und beruft sich dabei auf Informationen aus Sicherheitskreisen. Demnach sollen Ermittler den Namen des 18-Jährigen auf einer älteren, internen Liste der Partei gefunden haben.

Wie bereits berichtet, soll der mutmaßliche Täter keine Vorstrafen gehabt haben und bis dato der Polizei unbekannt gewesen sein. Bekannt sei nur, dass „lange zurückliegend“ eine psychische Erkrankung vorgelegen habe, wie ZEIT ONLINE weiter berichtet. Außerdem soll der 18-jährige Student eine WhatsApp-Nachricht an seinen Vater in Berlin geschickt haben, dass nun „Leute bestraft werden müssen“.

Nach Amoklauf an Uni Heidelberg: Tatmotiv weiter unklar

Ein Sprecher der Partei Der Dritte Weg wollte auf Anfrage von ZEIT ONLINE mit Verweis auf den Datenschutz weder bestätigen noch dementieren, dass der mutmaßliche Täter früher Mitglied der Partei gewesen war. Demnach gilt das Tatmotiv weiterhin als unklar.

Derweil herrscht an der Uni Heidelberg tiefe Bestürzung. Auch der Oberbürgermeister der Stadt, Eckart Würzner* kann kaum fassen, was an „seiner“ Universität passiert ist. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

Mehr zum Thema