„Bilder aus Afghanistan sind erschütternd“

Kretschmann: Baden-Württemberg wird Geflüchtete aus Afghanistan aufnehmen

Regierungs-Pressekonferenz Winfried Kretschmann
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Das Land Baden-Württemberg möchte Schutzsuchende aus Afghanistan aufnehmen. (Symbolbild)
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    VonChristina Rosenberger
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Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zeigt sich Baden-Württembergs Ministerpräsident bestürzt – und bietet Hilfe an.

Erst Ende Juni wurde die Bundeswehr nach einem 20-jährigen Einsatz aus Afghanistan abgezogen – jetzt, nur wenige Wochen später, haben die Taliban die Macht in dem Land im Nahen Osten an sich gerissen. Am Sonntag drang die militant-islamistische Organisation in die Hauptstadt Kabul ein. Sie hat bereits den Präsidentenpalast unter ihrer Kontrolle. Für viele Menschen in Afghanistan bedeutet dieses Szenario nun Unterdrückung und vor allem Lebensgefahr. Wie echo24.de* berichtet, will Baden-Württemberg deshalb Schutzsuchenden helfen.

Am Montag (16. August) erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), „Die Bilder aus Afghanistan sind erschütternd“, das Land Baden-Württemberg stehe „selbstverständlich zur Unterstützung bereit“ und werde Menschen aus Afghanistan aufnehmen. Diese Aussage unterstützte auch Marion Gentges (CDU), die Migrationsministerin des Südwestens. Sie erklärte, Baden-Württemberg habe schon in den vergangenen Wochen zahlreiche afghanische Ortskräfte und ihre Familien aufgenommen.

Taliban in Afghanistan an der Macht: Baden-Württemberg will Flüchtlinge aufnehmen

Diese „Ortskräfte“ hätten in den vergangenen Jahren die Bundeswehr und Hilfsorganisationen unterstützt und sich für Demokratie und Menschen eingesetzt, erklärte Regierungschef Kretschmann zusätzlich. Deshalb seien sie durch die Machtübernahme der Taliban in höchster Gefahr. Kretschmann drängte aus diesem Grund: „Es scheint mir zwingend, dass wir schnell in Bund-Länder-Gespräche einsteigen, um die Hilfe bestmöglich zu koordinieren.“

Doch in welchem Umfang noch weiter Menschen aus Afghanistan nach Baden-Württemberg kommen können, hängt laut Ministerin Gentges von verschiedenen Faktoren ab. Sie erklärt: „Seriöse Prognosen scheinen zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht möglich.“ Klar sei dagegen, dass Geflüchtete, die nach Deutschland kommen, in der Regel nach einem bestimmten Verteilschlüssel in die Bundesländer gebracht würden. Der Anteil Baden-Württembergs liegt bei rund 13 Prozent.

Taliban in Afghanistan an der Macht: Wie viele Menschen kommen nach Baden-Württemberg?

Innerhalb des Landes werden mögliche Flüchtlinge dann nochmals weiterverteilt – auf die Stadt- und Landkreise. Und die sind größtenteils nach der letzten „Flüchtlings-Krise“ 2015 eigentlich ganz gut gerüstet. In Heilbronn gibt es sogar besondere Stellen, durch die Schutzsuchende im Alltag unterstützt werden.

Zunächst hat laut Gentges die Rettung deutscher Staatsbürger aus der von den Taliban übernommenen Hauptstadt Kabul begonnen. Doch auch Übersetzer, Fahrer oder andere Hilfskräfte, die für ausländische Organisationen gearbeitet haben, gelten demnach als besonders gefährdet. Ebenso Menschenrechtler und Anwälte.

Allerdings gestaltet sich die Rückholaktion deutscher Staatsbürger und anderer Schutzsuchenden aus Afghanistan zunehmend schwieriger. Das Bundesverteidigungsministerium schrieb am Montag auf Twitter, die Evakuierung sei die bislang wohl größte Mission dieser Art der Bundeswehr – und eine besonders brisante. Fest stehe: „Es ist ein gefährlicher Einsatz für unsere Soldatinnen und Soldaten.“

Taliban in Afghanistan an der Macht: Evakuierung Kabuls mit Hindernissen

Am Kabuler Flughafen kam es zu chaotischen Szenen: Zahlreiche Afghanen, die sich vor den Taliban in Sicherheit bringen wollen, versuchten in Flugzeuge zu gelangen und blockierten die Landebahn. Zwei deutsche Militärtransporter hingen deswegen nach einem Tankstopp zunächst im aserbaidschanischen Baku fest. Eine der Maschinen startete dann am Nachmittag von dort nach Kabul, blieb aber zunächst in einer Warteschleife in der Luft. Bundesaußenminister Heiko Maas bezeichnete die Szenen auf dem Flughafen als „außerordentlich schmerzhaft“. Darüber berichtet auch fr.de*.

Dennoch sollen zunächst deutsche Staatsbürger und die oben genannten Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder Bundesministerien in Afghanistan gearbeitet haben, nach Deutschland gebracht werden. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Sitzung des CDU-Vorstands, insgesamt gehe es bei dieser Gruppe um 10.000 Menschen. *echo24.de und *fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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