Vom „Wackelkandidaten“ zum Kultauto

Vom Versager zum Kultauto: Was aus der A-Klasse mal wird, hätte keiner gedacht

Die Mercedes A-Klasse beim Elchtest.
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Die A-Klasse wurde dank des Elchtests zum Kultauto.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Beim Elchtest kippte die Mercedes-Benz A-Klasse um. Auch deshalb wurde sie zum Kultauto.

Inzwischen hat sich Daimler mit seiner Tochter Mercedes-Benz in der Kompaktklasse etabliert. Vor rund 30 Jahren sah das aber noch anderes aus. Um das zu ändern, entwickelte Mercedes seinerzeit die A-Klasse. 1997 kam der Hoffnungsträger auf den Markt und sorgte gleich für ein Marketing-Fiasko, das ihn zum Kultauto machte.

Doch was war passiert? Im Oktober 1997 stellte die schwedische Zeitschrift Teknikens Värld (Technik-Welt) verschiedene Autos auf den Prüfstand, um das „Auto des Jahres“ zu ermitteln. Einer der Kandidaten war auch die Mercedes-Benz A-Klasse. Bei einem Test wurde ein Ausweichmanöver durch abruptes Hin- und Herlenken simuliert.

Mercedes-Benz A-Klasse: Daimlers Hoffnungsträger kippt beim Elchtest um

Für die modernen Autos stellt ein solches Manöver keine große Herausforderung mehr dar, die A-Klasse von Mercedes-Benz kippte bei diesem Test jedoch um. Entsprechend fielen die Reaktionen in den Medien und der Autobranche aus. Bekanntlich gilt: „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“ Schnell machte in Deutschland der Name Elchtest die Runde.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte Autoprofessor Stefan Bratzel: „Das war der Gau für Daimler!“ Immerhin stand der Automobilkonzern aus Stuttgart mit Mercedes schon damals für hohe Qualität und Solidität. Da passte es nicht ins Bild, dass die A-Klasse einfach umkippte.

Mercedes-Benz A-Klasse: Daimler reagiert auf Elchtest - Produktionsstopp für Hoffnungsträger

Daimlers Hoffnungsträger für die Kompaktklasse lag also wortwörtlich am Boden. Und wie reagierte Daimler? Zunächst einmal zurückhaltend. In Stuttgart sprach man von einem „Extremtest“. Daimlers Pressestelle betonte damals: „Normalerweise wird niemand so lenken können.“

Doch die Konzernbosse kamen recht schnell zu der Einsicht, dass das der falsche Weg ist. Also wurde die Produktion der Mercedes A-Klasse gestoppt. Eingestellt wurde sie bekanntlich nicht, sondern mit einem System versehen, dass bis dahin nur dem Luxusmodell S-Klasse vorbehalten war: dem ESP.

Mercedes-Benz A-Klasse: Nach Elchtest-Sturz - Daimler wird zum Vorreiter

„Mit Einführung des ESP bei der A-Klasse wurde die Technik sukzessive bei allen Modellen zum Serienstandard“, erklärte ein Daimler-Sprecher der dpa. Daimler ließ sich das ESP damals pro Jahr 100 Millionen D-Mark kosten. Seit 2011 ist die Fahrhilfe in der EU bei Neufahrzeugen verpflichtend und auch der Elchtest ist aus den Fahrzeugtests nicht mehr wegzudenken.

Die A-Klasse weicht dank ESP aus, ohne umzukippen.

Und auch Daimler machte - nach den anfänglichen Startschwierigkeiten - das Beste aus der Situation. So bekamen Mercedes-Kunden Stofftier-Elche geschenkt. Zudem gab es eine Werbekampagne mit Boris Becker mit der Aussage: „Stark ist, wer keine Fehler macht. Stärker, wer aus seinen Fehlern lernt.“

Mercedes-Benz A-Klasse: Daimlers Kultautos fast mit Elektroantrieb

Ein wirtschaftlicher Erfolg wurde die erste Generation der A-Klasse für Mercedes-Benz nicht und auch den Preis als „Auto des Jahres“ konnte der wacklige Mini-Van nicht gewinnen. „Daimler war klar: Es ist besser, man verliert mal Geld als das Vertrauen der Kunden“, sagte der Autoprofessor Willi Dietz.

Um ein Haar wäre die A-Klasse aber aus einem anderen Grund zum Kultauto avanciert. Denn während der Entwicklung der A-Klasse arbeiteten die Ingenieure von Mercedes-Benz an einem Elektroantrieb, der bis 1997 zur Serienreife gebracht wurde. Der Grund dafür war, dass man in Kalifornien per Gesetz ab 1998 ein Elektroauto im Angebot hätte haben müssen, um dort weiter Autos verkaufen zu dürfen.

Dieses Memorandum wurde jedoch von einem Gericht gekippt und die elektrische A-Klasse - die eine Reichweite von 200 Kilometer hatte - kam nie auf den Markt. Rund 20 Jahre später setzt Mercedes-Benz trotzdem zu einer wahren Elektro-Offensive an. Auch die neue Generation der Mercedes A-Klasse erinnert inzwischen kaum noch an ihren Vorgänger der einst beim Elchtest umkippte.

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