Kampf gegen das Coronavirus

2G-Regel mit gefährlichem Haken: Experten äußern sich skeptisch

  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Wie kann das Coronavirus endlich besiegt werden? Dieser Frage stellen sich Experten Tag für Tag. Nun führen einige Bundesländer die 2G-Regel ein.

3G, 2G, 1G - die Corona-Pandemie brachte bereits einige Vokabeln hervor, die vor zwei Jahren wohl noch niemand kannte, oder die noch gar nicht erfunden waren. Doch Begriffe wie Inzidenz, Hospitalisierung oder Lockdown prägen mittlerweile unseren Alltag und sind kaum mehr wegzudenken. Ein Begriff, der aktuell besonders viel Medienpräsenz erhält, ist „2G“ und bedeutet „genesen oder geimpft“.

Wo die Corona-Zahlen signifikant steigen und immer mehr Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen der Krankenhäuser landen, da spielt „2G“ eine immer größere Rolle. Auch Baden-Württemberg würde - wenn die Zahlen weiter in die Höhe klettern - mit der Alarmstufe die 2G-Regel aktivieren.

Doch es gibt auch kritische Stimmen, was „2G“ angeht. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit zum Beispiel hat jetzt davor gewarnt, die Wirkung von 2G-Regeln zu überschätzen. Dass nur noch Geimpfte und Genesene zu Veranstaltungen zugelassen würden, gebe eine „Scheinsicherheit“, sagte Schmidt-Chanasit am Wochenende im Deutschlandfunk. Denn auch Geimpfte könnten sich infizieren und das Virus übertragen - auch wenn die Wahrscheinlichkeit geringer sei.

Coronavirus: Ist die 2G-Regel gar nicht so sinnvoll? Experten mit klaren Forderungen

Schmidt-Chanasit meckert allerdings nicht nur - er bringt auch einen Gegenvorschlag: Wenn man wirklich Sicherheit wolle, helfe nur 1G weiter - also alle zu testen, egal ob geimpft, ungeimpft oder genesen. Das solle, so der Gesundheitsexperte, vor allem für problematische Bereiche gelten, wo vulnerable Menschen gefährdet seien. Er mahnte im Deutschlandfunk, das wichtige Instrument des Testens nicht aus der Hand zu geben. Zeitgleich warb er im Gegenzug für eine „Testoffensive“. Dass die kostenlosen Bürgertests Mitte Oktober abgeschafft wurden, kritisiert er scharf.

Doch laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) war es - ganz im Gegenteil - nötig, die kostenlosen Bürgertests für jedermann abzuschaffen. Seitdem sei die Impfbereitschaft wieder viel höher, die Impfquote sei wieder gestiegen, sagte er in Berlin. Dennoch forderte auch er von der künftigen Regierung, die Gratis-Tests wieder einzuführen.

Coronavirus: Ist die 2G-Regel wirklich das Richtige? Virologe ist skeptisch

Immerhin - falls die kostenlosen Bürgertests wieder eingeführt würden, könnte wohl ganz einfach auch die von Schmidt-Chanasit geforderte 1G-Regel durchgesetzt werden. Dass diese sinnvoll wäre, findet auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Die 2G-Regel in Gastronomie und bei Veranstaltungen sieht er mit Problemen behaftet. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte er am Wochenende: „Die Geimpften haben das Gefühl, sie sind nicht mehr Teil der Pandemie und verhalten sich auch entsprechend risikoreich“. Desweiteren sei es ein Problem, dass die Ungeimpften so ausgeschlossen würden und sich noch weniger testen ließen.

Geimpft/Genesen - Experten sind sich nicht einig, ob die 2G-Regel wirklich das Beste ist. (Symbolbild)

„Wenn Ungeimpfte am Sozialleben nicht teilnehmen dürfen, organisieren sie sich zum Beispiel Feiern zu Hause. Dort lässt sich das Infektionsgeschehen dann überhaupt nicht mehr kontrollieren“, warnte Streeck gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Deshalb forderte auch er die rasche Wiedereinführung kostenloser Corona-Tests.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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