Deutschlandweite Warnstreiks von Verdi

Flugbetrieb auf Sparflamme - Passagiere gut informiert

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Verdi-Demonstranten am Mittwoch am Flughafen von Frankfurt am Main. 

Frankfurt/Main - Die einen kommen wegen des Streiks, die anderen bleiben deshalb weg. Vor dem Frankfurter Flughafen machen wütende Gewerkschafter Krach, drinnen herrscht ungewöhnlich ruhiger Betrieb. Der Warnstreik hat sich herumgesprochen. Mancher vermisst die übliche Betriebsamkeit.

Genervte Passagiere? Fehlanzeige. Nur wenige Reisende waren am Mittwoch in der Abflughalle von Terminal 1 am Frankfurter Flughafen unterwegs - offenbar nur die, deren Flug trotz des Streiks starten würde. Keine Schlangen vor den Schaltern. Fernflüge gingen planmäßig ab, Passagiere für innerdeutsche oder europäische Ziele wurden auf die Bahn oder auf andere Flüge umgebucht, so dass kaum jemand vergeblich kam.

Dass nicht nur die Piloten den Flugbetrieb empfindlich stören können, zeigte der Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste und der Flughafen-Feuerwehr aufgerufen hatte. Hunderte Flüge von und nach Frankfurt fielen aus, ein ganzer Abflugbereich und eine Landebahn wurden geschlossen.

„So leer habe ich die Halle noch nie gesehen“, sagte ein Flughafenmitarbeiter. „Schade eigentlich“, meinte Natalie Siebert aus Köln, die am Mittag über Istanbul nach Zypern in einen zweiwöchigen Sonnen-Urlaub fliegen wollte. Sie habe sich im Internet informiert und erfahren, dass ihr Flug planmäßig starten sollte. Sie vermisse die übliche Betriebsamkeit. „Ich finde die Atmosphäre am Frankfurter Flughafen immer total schön und aufregend, eine tolle Vorbereitung auf den Urlaub.“ Für den Streik habe sie Verständnis, aber es sei natürlich bedauerlich, dass es wieder einmal die Passagiere treffe, sagte Siebert.

"Mit solchen Streikaktionen auf Dauer kein Spitzenplatz im Weltluftverkehr zu erringen"

Überhaupt nicht mehr lustig findet die Lufthansa den Streik, mit dem sie nichts zu tun hat und bei dem sie trotzdem einen millionenschweren Schaden davonträgt. In den vergangenen zwei Jahren sind die Fluggesellschaft und ihre Kunden nicht weniger als 14 Mal Zielscheibe des eigenen streikfreudigen Personals geworden, doch zusätzlich kommen noch Arbeitskämpfe des Öffentlichen Dienstes, bei den privaten Fluggastkontrolleuren oder bei den Vorfeldlotsen hinzu.

„Damit schädigt Verdi im harten Wettbewerb insbesondere diejenige Fluggesellschaft, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die höchsten Sozialstandards bietet“, wettert Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens. „Deutschland kann mit solchen Streikaktionen auf Dauer keinen Spitzenplatz im Weltluftverkehr erringen“, meint Michael Hoppe vom Airline-Verband Barig.

Teilnehmer der Verdi-Kundgebung vor den Toren des Flughafenbetreibers Fraport versichern, ihre Aktion sei nicht gegen die Fluggäste gerichtet, aber unvermeidlich. Ohne Druck werde bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst kaum etwas herauskommen. Das Angebot der Arbeitgeber empfinden sie als Provokation.

"Wir wollen Geld", skandieren die Demonstranten

So ruhig es im Terminal zuging, so laut war es draußen: Im eiskalten Wind bei Temperaturen kaum über null Grad hielten sich mehrere tausend Gewerkschafter mit Parolen, Trillerpfeifen, Tröten und Trommeln warm, bis Verdi-Chef Frank Bsirske und ein halbes Dutzend Einsatzwagen der Flughafen-Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene eintrafen. Zahlreiche Feuerwehrleute in ihren beige-gelben Uniformen beteiligten sich an dem Warnstreik, Verstärkung kam von den Kollegen der Frankfurter Berufsfeuerwehr.

„Wir wollen Geld“ und „Wir sind es wert“, skandierten die Teilnehmer der Demonstration. Aus der ganzen Region waren Mitarbeiter von Krankenhäusern, Kitas und Verwaltungen zum Flughafen gekommen. Als Verdi-Chef Bsirske auf den Rekord-Überschuss in den öffentlichen Kassen verwies, brandete Beifall auf. „Das ist nicht die Zeit für Reallohnverzicht“, rief Bsirske den Demonstranten zu. Mit der Beteiligung an den Arbeitsniederlegungen zeigte er sich zufrieden: „Die großen Verkehrsflughäfen liegen heute lahm.“

dpa

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