Festnahme bei Bad Feilnbach

Verrät der Streckenverlauf im Navi den Angeklagten?

Der Angeklagte Vlatko V.

München - Waren seine Waffen für den Terroranschlag in Paris bestimmt? Gegen den mutmaßlichen Waffenkurier, der Schleierfahndern bei Bad Feilnbach ins Netz ging, hat am Freitag der Prozess vor dem Landgericht begonnen.

  • Am Freitag um 9 Uhr hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Vlatko V. begonnen. 
  • Die Anklage wirft dem Mann vor, er habe im November 2015 ein Auto voller Waffen und Sprengstoff nach Paris bringen wollen.
  • Festgenommen wurde er am 5. November, also wenige Tage vor den Terroranschlägen in Paris mit 130 Toten. Die Ermittler konnten allerdings keine Bezüge des Angeklagten zu den Attentätern finden.
  • Für den Prozess sind bislang nur drei Tage angesetzt, und zwar bis Freitag kommender Woche.

Wie der Prozess sich weiterentwickelte, lesen Sie hier.

+++ 13.37 Uhr: Das Gericht meldete in dem Gespräch mit den Prozessparteien „erhebliche Bedenken“ an, ob der Angeklagte wegen Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt werden kann - da es an der „notwendigen Konkretisierung“ fehle. Um das Verfahren nicht in die Länge zu ziehen und die von der Verteidigung beantragte, aufwändige Ladung von Zeugen aus dem Ausland zu vermeiden, schlug die Kammer dann die genannte Verständigung vor.

+++ 12.26 Uhr: Jetzt ist Mittagspause am Gericht. Ab 13 Uhr geht's weiter. Am Nachmittag sollen weitere Beamte aussagen, die an den Ermittlungen gegen Vlatko V. beteiligt waren.

+++ 11.55 Uhr: Ein weiterer Beamter sitzt jetzt im Zeugenstand. Er hatte nach der Festnahme das Navi des Angeklagten ausgewertet. "Der Startpunkt lag in Boraja." Weiter wollte Vlatko V. über Rijeka, Udine und Kufstein, Miesbach, Bald Tölz, dann über Kempten, Freiburg und Straßbourg - das Endziel war eine Adresse ist Paris. "Der Streckenverlauf war nicht so einfach", sagt der Beamte.

+++ 11.19 Uhr: Die Lebensgeschichte des Angeklagten ist jetzt abgehandelt. Zur Sprache kamen noch seine Vorstrafen: In Deutschland hat er keine Eintragungen. Aber der Kreis zieht sich jetzt immer enger. Er selbst hat nie die Schule abgeschlossen und hatte wenig Geld. Schon allein aufgrund seiner Arbeitssituation wurde klar, dass Vlatko V. empfänglich für lukrative Angebote war. Hat er deshalb den Transport durchgeführt? Die 2000 Euro Prämie wären für ihn ein zweieinhalbfaches Jahresgehalt gewesen. Antworten gibt es ab 11:40 Uhr: Bis dahin ist der Prozess unterbrochen.

+++ 10.48 Uhr: Ausführlich erzählt Vlatko V. jetzt über sein Leben im früheren Jugoslawien. Als sein Vater 2002 starb, übernahm er dessen Hof und wurde er Ziegenhirte. "Ich hatte bis zu 70 Stück und genug zum Leben. Es hat uns an nichts gefehlt." Nach acht Jahren verkaufte er die Tiere aber und fing 2010 wieder in seiner alten Firma an - als Saisonarbeiter im Weinbau. Zuletzt verdiente er dort zwei Euro pro Stunde, "aber ich habe zwanzig Stunden pro Tag gearbeitet." Für 23 Tage Arbeit gab es 815 Euro. Ein Knochenjob, den er neun Monate pro Jahr ausübte.

+++ 10.40 Uhr: Zu den mutmaßlichen Taten sagt der Angeklagte nichts. Zu seiner Person jetzt aber doch. Er habe auf dem Land gelebt und sei jeden Tag fünf Kilometer in die Grundschule und wieder zurück gelaufen. Zum Gymnasium ging er in eine größere Stadt, war als Schüler aber zu schwach, also suchte er sich Arbeit. "Ich habe im Weinanbau gearbeitet." Reben geschnitten und Wasseranlagen geführt. Bis Ende 1989. Weil der Verdienst zu schlecht war, ging er an die Adria und arbeitete zehn Jahre als Fahrkarten-Kontrolleur. Auch diese Firma ging pleite, "dann ging ich zurück in mein Dorf, wo meine Familie lebte."

+++ 10.33 Uhr: Jetzt sagt der erste Beamte von der Autobahnpolizei aus. "Wir sind erst an dem Auto vorbeigefahren und haben dann gesehen, dass er darin liegt. Wir sind dann umgekehrt und hatten uns entschieden, eine Kontrolle vorzunehmen", sagte er. Vlatko V. händigte seinen Pass ohne Probleme aus. Danach kontrollieren die Beamten sein Auto. "Unter der Motorhaube ist eine Gummilippe abgegangen, danach habe ich eine Kunststoff-Abdeckung abgenommen" so der Polizist. "Als erstes ist uns eine Pistole entgegengekommen. Wir haben den Mann dann sofort festgenommen und von der Dienststelle Verstärkung angefordert. Das Auto wurde abgeschleppt." Erst bei der späteren Durchsuchung werden die Maschinengewehre und Granaten gefunden.

+++ 10.29 Uhr: Die Erklärung des Verteidigers ist kurz und knapp. Im Namen von Vlatko V. sagte er: "Mein Mandant wusste, dass in seinem Auto Waffen und Munition geladen waren. Er wusste aber nicht, wofür diese dienen sollten." Mehr wird der Angeklagte nicht sagen in dem Prozess, kündigte der Verteidiger an.

+++ 10.27 Uhr: Noch ist kein Wort zu den Taten gesprochen, nur über die mögliche Strafe für Vlatko V. Ganz unjuristisch könnte man sagen: Das Geschacher geht weiter. Denn, dass der Rahmen für eine Strafe abgesteckt wird, bevor es zur Aussage des Angeklagten kommt, ist vor Gericht zu einer gängigen Taktik geworden. Der Prozess wurde jetzt erneut unterbrochen. Allerdings nur für wenige Minuten.

+++ 10.19 Uhr: Jetzt geht es auch inhaltlich weiter. Richter Riedmann äußert sich zum Strafrahmen. "Die Kammer sichert dem Angeklagten im Falle eines Geständnisses zu, dass eine Strafe aus dem Strafrahmen zwischen drei Jahren und neun Monaten bis hin zu vier Jahren und drei Monaten ausgesprochen werden würde", sagte er. Uneins sind die Prozessbeteiligten scheinbar noch über die bisherigen Einlassung des Angeklagten - "sie erscheinen in vielen Punkten nicht nachvollziehbar", sagte Riedmann. Strittig ist auch noch, ob es sich um einen besonders schweren Fall handelt.

+++ 10.12 Uhr: Vlatko V. hat jetzt wieder auf der Anklagebank Platz genommen. Minutenlang hatte er auf den Richter gewartet, der gerade erst den Saal wieder betreten hat - nach längerer Beratung. Er verkündete zunächst, dass eine Zeugin verhindert ist, weil sie im Ausland ist - auch im weiteren Prozessverlauf wird sie nicht kommen können. Es sei aber nahezu unmöglich, den Prozess zu verlängern, weil Richter Riedmann Mitte Oktober für drei Wochen im Urlaub ist.

+++ 9.50 Uhr: In etwa zehn Minuten geht es weiter im Gerichtssaal. Mit Spannung wird dann die Erklärung für den mutmaßlichen Terrorhelfer Vlatko V. erwartet. Draußen vor der Tür stehen die Journalisten schon wieder Schlange. Derweil gibt Gerichtssprecherin Andrea Titz noch Fernseh-Interviews.

+++ 9.35 Uhr: Nach der Festnahme vergangenen November sollen den Behörden schwere Fehler bei den Ermittlungen unterlaufen sein. Das berichtete unser Partnerportal rosenheim24.de unter Berufung auf die ARD. So sollen beispielsweise Adressbücher gefunden worden sein, die die Ermittler nicht näher untersucht hätten. Hier erfahren Sie mehr über die Vorwürfe der Journalisten gegen die Ermittler. 

+++ 9.26 Uhr: Vlatko V. wird sich im Prozess nicht selbst äußern. Sein Rosenheimer Anwalt Dr. Markus Frank will aber eine Erklärung für seinen Mandanten verlesen. Bevor es dazu kommt, hat Richter Riedmann aber ein Rechtsgespräch angeregt. Staatsanwalt, Verteidiger und die Richter treffen sich dazu in einem Hinterzimmer und erörtern den möglichen Strafrahmen für ein umfassendes Geständnis. Die Sitzung wurde deshalb bis 10 Uhr unterbrochen.

+++ 9.13 Uhr: Die Anklageschrift hört sich an wie ein Agenten-Krimi. Granaten, Sturmgewehre, Kalaschnikows und Pistolen. Diese Waffen soll Vlatko V. von Österreich aus über Bayern in Richtung Paris transportiert haben. Sein ganzes Auto war voll davon. Staatsanwalt Schütz braucht allein mehrere Minuten, um die gesamte Liste der Waffen nur vorzulesen. Er betont auch, das Vlatko V. keinen Waffenschein hatte, um so einen Transport vorzunehmen. V. sollte angeblich 2000 Euro für die Anlieferung erhalten. Mit den Waffen war laut Anklage ein Terroranschlag geplant. Im Navi des Angeklagten war bereits eine Pariser Adresse eingegeben. Er wird der Beihilfe für die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat angeklagt sowie des unerlaubten Waffenbesitzes.

+++ 9.09 Uhr: Vlatko V. wurde am 5.11.2015 festgenommen. Seither sitzt er in der Untersuchungshaft. Richter Riedmann stellt fest, dass im Vorfeld des Prozesses keine verfahrensabkürzenden Absprachen getroffen wurden. Jetzt verliest Staatsanwalt Wolfram Schütz die Anklageschrift.

+++ 9.05 Uhr: Der Prozess hat eben begonnen. Vlatko V. hat im weiß-grauen Hemd auf der Anklagebank Platz genommen. Er schaut unsicher im Saal umher. Wohl fühlt er sich offensichtlich nicht. Zum Richter spricht er nur sehr leise. Macht aber Angaben zu seiner Person. Er ist am 27.10.1964 in heutigen Montenegro geboren, sein Familienstand ist ledig. Gearbeitet hat er bisher nur als Saisonarbeiter. In Deutschland hat er keinen festen Wohnsitz.

+++ 8.47 Uhr: Der Verhandlungssaal ist jetzt offen. Gleich wird der Angeklagte hereingeführt. Es sind etwa 80 Medienvertreter gekommen, um über den Prozess zu berichten.

+++ 8.35 Uhr: Großer Medienauflauf im Strafjustizzentrum. Schon seit kurz nach 8:00 Uhr haben sich Kamerateams vor dem Saal B 162 postiert. Sie alle warten auf den mutmaßlichen Waffenlieferanten Vlatko T. Er soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft Maschinengewehre, Granaten und Munition für einen Terror-Anschlag in die französische Hauptstadt gebracht haben. Gerade eben hat Richter Norbert Riedmann den Saal betreten. Er wird als Vorsitzender den Prozess führen, der in wenigen Minuten beginnt.

+++ 8.00 Uhr: Der Prozess soll am heutigen Freitag um 9 Uhr beginnen.

In diesem VW Golf mit einer montenegrinischen Zulassung fanden die Rosenheimer Fahnder die Waffen.

+++ In diesem VW Golf mit einer montenegrinischen Zulassung fanden die Rosenheimer Fahnder die Waffen.

Prozess in München: der Vorbericht

Acht Kalashnikow-Gewehre mit Munition, zwei Pistolen, ein Revolver, zwei Handgranaten und 200 Gramm Sprengstoff (TNT) - das hatte der 51-jährige Mann aus Montenegro in seinem Auto, als Schleierfahnder ihn auf dem Weg nach Paris auf der A8 bei Bad Feilnbach kontrollierten.

Die Anklage wirft dem Mann vor, er habe im November 2015 ein Auto voller Waffen und Sprengstoff nach Paris bringen wollen. Festgenommen wurde er am 5. November, also wenige Tage vor den Terroranschlägen in Paris mit 130 Toten. Die Ermittler konnten allerdings keine Bezüge des Angeklagten zu den Attentätern finden.

Gegen den mutmaßlichen Waffenkurier beginnt der Prozess.

Der 51-Jährige aus Montenegro war am Morgen des 5. November mit seinem Auto aus Österreich nach Bayern eingereist. Auf der Autobahn wurde er von der Polizei angehalten und kontrolliert. In seinem Leihwagen entdeckten die überraschten Beamten dann ein immenses Waffenarsenal: Handgranaten, mehrere Kalaschnikow-Gewehre, Pistolen, Revolver, Munition sowie TNT-Sprengstoff samt Zünder. Im Navigationsgerät war eine Adresse in Paris als Ziel eingegeben.

Der Saisonarbeiter ist nun unter anderem wegen Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt. Dahinter steht der Verdacht, dass die Waffen und der Sprengstoff für einen Terroranschlag hätten benutzt werden sollen. Verbindungen zu den späteren Pariser Attentätern wurden aber nicht entdeckt.

dpa

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