News-Blog zum aktuellen Stand der Ermittlungen

Fall Peggy: Soko nach DNA-Fund vergrößert

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Seit knapp zwei Wochen herrscht traurige Gewissheit: Die seit 15 Jahren vermisste Peggy ist tot.

Lichtenberg - Seit 15 Jahren wurde Peggy aus Oberfranken vermisst. Der Knochenfund in Thüringen bringt nun wieder Bewegung in den alten Fall. Noch sind viele Fragen offen. Wir berichten im News-Blog.

  • Update vom 19. Oktober 2016: Die Sonderkommission "Peggy" wird nach dem DNA-Fund von 30 auf 40 Beamte vergrößert. „Aber es werden sicherlich noch mehr werden“, sagte Polizeisprecher Jürgen Stadter am Mittwoch.
  • Update vom 13. Oktober 2016: An den sterblichen Überresten der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch sind DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.
  • Nach 15 Jahren herrscht nun traurige Gewissheit: Die Skelett-Teile, die in einem Waldstück gefunden worden sind, gehören zur vermissten Peggy.
  • Die damals Neunjährige verschwand am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule.
  • 2002 präsentierten die Ermittler einen geistig behinderten Mann als Tatverdächtigen - er wurde zunächst als Mörder verurteilt, 2014 dann aber freigesprochen.
  • Es gibt viele offene Fragen: Was wir über den Fall wissen und was wir nicht wissen.

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+++ Ist das der Durchbruch im Fall Peggy? Knapp zwei Wochen nachdem ein Pilzsammler in einem Wald in Thüringen Knochenteile gefunden hat, und diese als die Überreste der seit 15 Jahren vermissten Peggy K. identifiziert wurden, könnten eben jene Leichenteile nun entscheidende Hinweise auf den Ablauf der Tat geben - und damit auf den Mörder des kleinen Mädchens. 

Wie der Focus berichtet, ließen die Besonderheiten des Fundorts und der Auffindesituation der Knochen laut der Ermittler konkrete Rückschlüsse auf den Mörder zu. Der habe es demnach eilig gehabt, die Leiche des Mädchens zu verstecken. „Er wollte sich seines Opfers schnellstmöglich entledigen“, zitiert Focus einen Polizisten. Anstatt ein tiefes Loch zu graben und Peggys Leiche dort zu verscharren, versteckte der Täter die damals Neunjährige offenbar nur unter jungen Fichten, wo ihre Leiche von tiefhängenden Zweigen bedeckt war. Diese Erkenntnisse sprechen dafür, dass der Mörder offenbar wusste, dass der Waldweg beliebt ist bei Spaziergängern, und er somit nicht viel Zeit beim Verstecken der Leiche hatte. 

Selbst der Fundort der Leiche könne schon Rückschlüsse auf den Täter liefern. Da die Überreste von Peggy nur 15 Kilometer von ihrem Heimatort Lichtenberg gefunden wurden, gehen die Ermittler laut Focus davon aus, dass auch der Täter aus dieser Gegend kommen könnte - vielleicht sogar aus Lichtenberg selbst. 

Auch über die Todesursache könnten die Leichenteile jetzt schnell Hinweise liefern. „An den Knochen könnten sich Spuren von Gewalteinwirkungen finden, etwa Brüche, Kratzer oder Scharten. Vielleicht ist das der entscheidende Mosaikstein, um den Ablauf der Tat zu verstehen“, erklärte der Kriminalbiologe Mark Benecke gegenüber Focus. Die Gerichtsmediziner würden Peggys Knochen demnach nun genauestens auf Spuren aller Art untersuchen wie zum Beispiel Haare, Pollen, oder Insektenteile und natürlich auch auf DNA-Muster. Peggys Überreste könnten ihren Mörder nach all der Zeit nun doch noch überführen.

Fast 80 neue Hinweise seit der Ausstrahlung bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“

+++ Im Fall Peggy haben die Ermittler nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ und über ein seit Dienstag geschaltetes Telefon zahlreiche Hinweise erhalten. Insgesamt seien fast 80 Tipps aus der Bevölkerung eingegangen, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Donnerstag mit. Einige gäben „Anlass zur weiteren Prüfung“, hieß es. Schon während der Ausstrahlung des Falls bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“ am Mittwochabend waren 30 Hinweise eingegangen. Dies teilte der Sender am Donnerstag in seinem Teletext mit.

Staatsanwalt betont: "Wir haben im Augenblick keinen Verdächtigen"

+++ Viele Fragen zum Fall Peggy sind noch offen. Was besonders schwer für die Eltern ist: Sie dürfen ihr Kind noch nicht beerdigen.

+++ Ob der mögliche Täter aus der Nähe kam, kann die Polizei noch nicht sagen. Staatsanwalt Potzel sagte: „Es liegt nahe, dass der Täter gute Ortskenntnisse hatte. Es kann aber trotzdem sein, dass es ein Fremder war.“ Die Beamten ermittelten in alle Richtungen. „Wir werden uns nicht auf eine Hypothese beschränken.“ Potzel betonte nochmals: „Wir haben im Augenblick keinen Verdächtigen.“

+++ Zu Todesursache und -zeitpunkt können die Ermittler noch nichts sagen. „Die Untersuchungen dazu sind besonders schwierig“, sagte Ebner. Doch theoretisch könne auch nach so langer Zeit noch Täter-DNA gefunden werden. Auch wie die Knochen im Wald lagen - vergraben, mit Zweigen bedeckt oder in einer Mulde - wollen die Polizisten noch nicht sagen. „Es ist nicht in unserem Sinne, dass ein möglicher Täter unsere derzeitigen Erkenntnisstand kennt und danach sein Verhalten ausrichten kann“, sagte Staatsanwalt Potzel.

+++ Auch nach 15 Jahren hält es Soko-Leiter Uwe Ebner für möglich, noch neue Hinweise über den Auffindeort zu bekommen: „Jeder erinnert sich an die Zeit, als das Mädchen verschwunden ist. Vielleicht hat jemand früher Wahrnehmungen nicht für wichtig erachtet, bewertet diese Informationen jetzt aber neu und meldet sich.“

+++ Das in einem Wald gefundene Skelett der jahrelang vermissten Schülerin Peggy ist nicht vollständig. „Dies lässt sich mit dem Lebensraum und den Gewohnheiten von Waldtieren erklären“, sagte der Leiter der Sonderkommission Peggy, Uwe Ebner, am Dienstag in Bayreuth. Zudem fehlten Kleidungsstücke des Mädchens sowie jede Spur vom Schulranzen.

Ermittler auf Pressekonferenz: 30 000 Euro Belohnung für Hinweise

Fundort der Knochen

+++ Auf einer Pressekonferenz teilte der leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Dienstag den aktuellen Stand in dem Fall mit. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren, doch „der entscheidende Hinweis steht leider noch aus", sagte Potzel. „Wir erhoffen uns Hinweise zu früheren Wahrnehmungen rund um den Fundort, insbesondere um den 7. Mai 2001“, sagte Ebner. An diesem Tag wurde Peggy auf dem Heimweg von der Schule im oberfränkischen Lichtenberg zum letzten Mal gesehen. „Wir suchen nach Hinweisgebern, die sich dort auskennen und Bezüge dorthin haben.“ Besonders interessiert die Polizei, ob jemand am oder in der Nähe des Fundortes Menschen oder Fahrzeuge gesehen hat.

Weitere Fragen der Ermittler: „Wer kennt Personen, die Ortsbezüge haben? Wer hat sich zu dem Zeitpunkt zum Sport, Spaziergang oder Pilzesammeln hier aufgehalten? Wer kennt die Örtlichkeit und kann Angaben dazu machen? Wer hat hier Waldarbeiten durchgeführt?“ Für Hinweise, die zum möglichen Täter führen, wurde eine Belohnung in Höhe von 30 000 Euro ausgesetzt. Unter der Nummer 0921 5061414 hat die Polizei ein Hinweistelefon eingerichtet.

+++ Die Ermittler haben im Fall Peggy auch nach der intensiven Spurensuche vergangene Woche vorerst keine neuen Erkenntnisse. „Wir haben keinen Verdächtigen und bisher keinen wesentlichen Fortschritt“, sagte Oberstaatsanwalt Herbert Potzel in Bayreuth der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittler wollen daher die Bevölkerung in die Ermittlungen einbinden und heute dazu eine Erklärung abgeben.

Am Mittwoch: Fall Peggy zum zweiten Mal bei "Aktenzeichen XY ungelöst"

+++ Vor einem Jahr berichtete das ZDF in der Sendung "Aktenzeichen xy ungelöst" über den Fall Peggy. Ihre Mutter war damals im Fernsehstudio. An diesem Mittwoch soll in der Sendung mit Moderator Rudi Cerne erneut über den Fall berichtet werden. Das schreibt der "Nordbayerische Kurier" unter Berufung auf das ZDF.

+++ Auch das THW ist mittlerweile auf der Suche nach neuen Spuren im Fall Peggy im Einsatz: Es pumpte am Freitag das Wasser aus Karstlöchern, die am Rand einer Straße nahe des Fundorts der Gebeine entdeckt worden sind. Dies berichtet der "Bayerische Rundfunk". Die Polizei durchsucht die ausgepumpten Karstlöcher nach weiteren Spuren - zum Beispiel Gegenständen, die Peggy oder dem Täter gehören oder einer Tatwaffe.

+++ Inzwischen hätten die Mitarbeiter der Soko Peggy mehrere Menschen vernommen, sagte ein Polizeisprecher. Konkrete Informationen dazu gab er zwar nicht preis, unter anderem gehe es aber um „Personen, die Bezug zu dem Wald haben“. Dies könnten Förster sein, die wissen, wie das Gelände vor 15 Jahren aussah. Auch der Pilzsammler zähle natürlich zu den Zeugen, die die Beamten befragt hätten.

+++ Die Ermittler im Fall Peggy mit Hochdruck die neuen Spuren. „Die Erkenntnisse seit Samstag bieten ganz klar neue Ermittlungsansätze“, sagte ein Sprecher der Polizei in Oberfranken am Freitag, ohne Details zu nennen. Ihm zufolge ist noch nicht sicher, dass in dem Wald das vollständige Skelett des verschwundenen Mädchens gefunden wurde. Rechtsmediziner in Jena trennen derzeit die Knochen von Tierüberresten und untersuchen die Fragmente. Dem Bericht des „Focus", wonach die Leiche des Mädchens nicht vergraben war, sondern in einer Mulde mit Zweigen bedeckt lag, bezeichnete der Sprecher als spekulativ. Bislang könnten die Beamten keine konkreten Angaben zur Auffindesituation machen.

Fall Peggy: Neue Hinweise auf den Täter

+++ Nach dem Fund der Leichenteile in einem Waldstück gibt offenbar erste neue Erkenntnisse über den Mörder von Peggy, die im Mai 2001 spurlos verschwand. Wie der "Focus" berichtet, wurde das neunjährige Kind nach ersten Erkenntnissen nicht im Wald vergraben, sondern nur in einer Mulde mit Zweigen bedeckt. Dies deute darauf hin, dass der Täter unter Stress und Zeitdruck gehandelt habe. Zudem habe er wahrscheinlich den abgelegenen Waldweg, der zum Ablageort von Peggy Leiche führte, gekannt. Dieser sei zwar recht versteckt, in der Gegend aber zum Beispiel bei Liebespaaren bekannt. Dies deute darauf hin, dass der Täter ortskundig war und aus der Umgebung stammte, wohl sogar aus der Kleinstadt Lichtenberg, in der auch Peggy wohnte. 

Polizeisprecher: "Suche könnte im Laufe des Tages ihren Abschluss finden"

+++ Die Polizei will die mehrtägige Suchaktion an den Straßen zum Fundort der Knochen von Peggy bald beenden. „Die Suche läuft heute noch weiter, könnte im Laufe des Tages aber möglicherweise den Abschluss finden“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Neue Erkenntnisse gebe es vorerst nicht, sagte der Sprecher.

+++ Einen Bericht des „Focus“ (Samstag), wonach die Leiche des Mädchens nicht vergraben war, sondern in einer Mulde mit Zweigen bedeckt lag, bestätigte die Polizei nicht. „Natürlich bieten die Auffindesituation und die bisherigen Erkenntnisse erweiterte Ermittlungsansätze“, sagte der Sprecher. „Aber wir ziehen noch keine konkreten Rückschlüsse auf Täter oder Tat. Wir können diese konkrete Beschreibung noch nicht bestätigen.“

Polizei fand Tasche - Ermittler stufen sie aber nicht als relevant ein

+++ Auch heute werden Polizisten wieder jeden Stein im Bereich des Fundorts der Leiche umdrehen, um neue Spuren im Fall Peggy zu finden. Um den Täter nach 15 Jahren zu fassen, hänge alles davon ab, "was die Polizei noch findet, also Gegenstände wie Fesseln oder irgendetwas, das der Täter verloren haben könnte", sagt der Arzt Radolph Penning in einem Interview mit der "Zeit". Die Todesursache sei anhand der Knochen nur sehr schwer abzulesen. An den Knochen nicht erkennbar wäre zum Beispiel, wenn Peggy Knobloch erwürgt, erstickt oder ertränkt worden wäre. Lediglich grobe Verletzungen wie ein eingeschlagener Schädel ließen sich nach so langer Zeit an einer Leiche noch ablesen. "Die Rechtsmediziner – außer es finden sich noch auffällige Besonderheiten – haben an diesem Punkt alles getan, was sie können", so Pennings Einschätzung.

+++ Polizisten haben am Donnerstag kilometerweise Straßen nach Spuren im Fall Peggy abgekämmt - zunächst aber keine relevanten Hinweise gefunden. „Sicherlich findet man bei so einer intensiven Suche immer wieder Gegenstände“, sagte Polizeisprecher Jürgen Stadter am Donnerstag. „Aber alles, was bisher gefunden wurde, hat keinen erkennbaren Bezug zu dem Fall.“ So sei zum Beispiel eine Tasche gefunden worden, die offenbar jemand weggeworfen habe - und die von den Ermittlern nicht als relevant eingestuft werde. Die Suche werde auch am Freitag weitergehen, sagte Stadter.

Die Untersuchung der gefundenen Knochen dauert an

+++ Zur Lösung des Falls Peggy haben Polizisten auch am Donnerstag kilometerweise Straßen nach Spuren abgesucht. Dafür waren sie weiter in Straßengräben und auf Seitenstreifen auf mehreren Zufahrtsstraßen vom oberfränkischen Lichtenberg in Richtung des Fundorts von Peggys Knochen in Thüringen unterwegs, wie ein Sprecher der Polizei sagte. „Das sind 15 Kilometer einfache Strecke. Das dauert einige Zeit.“ Neue Erkenntnisse gebe es vorerst nicht.

+++ Die zuständige Staatsanwaltschaft in Bayreuth hatte am Donnerstag noch keine weiteren Neuigkeiten. Wie lange die Untersuchung der gefundenen Knochen - und die Unterscheidung von menschlichen und tierischen Teilen - dauern wird, könne er nicht sagen, sagte Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. „Ich wage keine Spekulation. Wir müssen die Untersuchungsergebnisse abwarten.“

Bremer Profiler Petermann: "Der Täter wird jetzt Stress haben"

+++ Irgendwo da draußen läuft wohl der Täter von Peggy herum. "Ich denke, dass er keine Sekunde ruhig schlafen kann", ist sich Axel Petermann im Interview mit der Bunten sicher. Der Bremer Profiler und Kriminalist analyisiert Fälle und erstellt Täterprofile. "Der Täter wird natürlich jetzt Stress haben", sagt der 63-Jährige weiter. Ob man ihn noch ermitteln kann? "Es hängt von den Spuren ab, die man am Opfer findet." Petermanns Hoffnung: "Sicher wird man jetzt mit den Ermittlungen wieder neu anfangen." In knapp 40 Jahren hatte es Petermann mit mehr als 1000 Fällen zu tun.

+++ Können die gefundenen Knochen Hinweise auf Peggys Todesursache geben - sogar auf den Täter? Diese Frage hat der Forensiker Carsten Hohoff in einem Interview mit Süddeutsche.de beantwortet. Er sagt, Knochen selbst würden zwar keine Rückschlüsse auf den Täter geben, dieser habe aber möglicherweise Spuren hinterlassen. "Wir haben bei einem Fall zum Beispiel schon Werkzeugspuren an den Knochen gefunden." Dass im Fall Peggy die gefundenen Knochen Rückschlüsse auf die Todesursache zulassen, hält Hohoff für "schwierig". 

Mutter bedankt sich für "aufrichtige Anteilnahme am Schicksal ihrer Tochter"

+++ Peggys Mutter lehnt nach der Gewissheit über den Tod ihrer vor mehr als 15 Jahren verschwundenen Tochter Kontakte zur Öffentlichkeit ab. Ihre Anwältin Ramona Hoyer teilte am Mittwoch mit: „Im Namen meiner Mandantin bedanke ich mich für die aufrichtige Anteilnahme am Schicksal ihrer Tochter. Geben Sie den ermittelnden Behörden und meiner Mandantin Gelegenheit, die aktuellen Entwicklungen zu verarbeiten und Antworten auf die offenen Ermittlungsfragen zu finden.“ Weitere Erklärungen würden nicht abgegeben.

+++ Die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag kündigte an, den Fall Peggy in das Parlament zu bringen. In einem Dringlichkeitsantrag verlangen die Sozialdemokraten Auskunft darüber, ob Personalwechsel in den Sonderkommissionen der Kriminalpolizei dazu führten, dass Ermittlungsansätze nicht weiter verfolgt worden seien. Auch über Konsequenzen aus dem Fall für künftige Ermittlungsverfahren solle die CSU-Landesregierung berichten.

+++ Unklar ist am Mittwoch auch noch, wann die gefundenen und Peggy zugeordneten Skelettteile freigegeben werden. Dem Vernehmen nach will Peggys Mutter sie dann nahe ihres aktuellen Wohnorts in Sachsen-Anhalt beisetzen lassen.

Polizei gibt Fundort von Peggys Knochen frei

+++ Die Polizei hat den Fundort von Peggys Knochen in einem Wald in Thüringen freigegeben. Die Stelle im Saale-Orla-Kreis werde seit Mittwochnachmittag nicht länger von der Polizei bewacht, sagten Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Bayreuth. Bis dahin war das Gelände nach Abschluss der Suchmaßnahmen und Grabungen noch abgesperrt gewesen, Beamte hatten es bewacht. „Jetzt ist es kriminaltechnisch abgearbeitet“, sagte der Polizeisprecher. Selbst Schaulustige könnten dort nichts mehr finden. Die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus.

+++ Die Polizei hat ihre Suchmaßnahmen nach dem Fund von Peggys Knochen in einem thüringischen Wald auf mögliche Zufahrtsstraßen zu dem 15 Kilometer entfernten Heimatort Lichtenberg ausgeweitet. Zahlreiche Einsatzkräfte suchten am Mittwoch vor allem Straßengräben, Seitenstreifen und weitere relevante Bereiche nach möglichen Spuren und Gegenständen ab, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Konkrete Hinweise, die zu diesen Suchmaßnahmen führten, gibt es laut Sprechern beider Behörden nicht. „Wir wollen eben sorgfältig arbeiten“, sagte Oberstaatsanwalt Herbert Potzel

Fachleute sortieren menschliche und Tierknochen

+++ Ob inzwischen die komplette Leiche der Schülerin gefunden wurde, konnte Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Mittwoch zunächst nicht sagen. „Es wurden auch Tierknochen gefunden. Das muss jetzt noch sortiert werden“, sagte er. Zuständig dafür sind Fachleute am rechtsmedizinischen Institut der Universität Jena. Weil sie vermutlich jahrelang im Wald lagen, sei die Zuordnung der Knochenfragmente schwierig, sagte ein Polizeisprecher.

+++ Die Polizei hat die Grabungen nach dem Fund von Peggys Knochen in einem Wald in Thüringen vorläufig eingestellt. Der Fundort sei aber weiter abgesperrt und werde von Polizisten bewacht, teilten die Beamten am Mittwoch mit. „Das soll verhindern, dass einer das Graben anfängt“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Ermittlungen der Soko Peggy liefen aber nach wie vor auf Hochtouren.

+++ Nach der ausführlichen Berichterstattung haben sich neue Zeugen an die Polizei gewandt. Vereinzelt seien neue Informationen eingegangen, sagte Polizeihauptkommissar Jürgen Stadter von der Polizei Oberfranken. „Aber wir gehen momentan nicht davon aus, dass da schon etwas Entscheidendes dabei ist.“

Bürgermeister von Lichtenberg: "Man bräuchte eine schuldige Person"

+++ Das Rätsel um den Tod des Mädchens ist nach dem DNA-Abgleich noch nicht gelöst. Die weiteren Ermittlungen leitet die Staatsanwaltschaft Bayreuth. Es gibt Fragen zum Beispiel danach, wie Peggy ums Leben gekommen ist, ob sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. Die Todesursache sei noch ungeklärt, sagte ein Sprecher der Polizei Oberfranken. Die rechtsmedizinischen Untersuchungen würden fortgesetzt.

+++ Der Bürgermeister von Lichtenberg hofft, dass der Fall bald abgeschlossen werden kann. „Das wäre sehr, sehr wichtig für Lichtenberg“, sagte der parteilose Bürgermeister des oberfränkischen Ortes, Holger Knüppel, am Dienstag der dpa. Er hoffe, dass die neuen Spuren zum Täter führten. „Das Schlimmste wäre, wenn da niemand gefunden wird, kein Schuldiger.“ Obwohl noch nicht endgültig geklärt ist, ob es sich um ein Gewaltverbrechen handelt, gehe er innerlich doch davon aus. „Um den Fall abschließen zu können, bräuchte man eine schuldige Person.“ Andernfalls würde das „ewig auf Lichtenberg lasten“. Der Münchner Merkur beschreibt, wie sich Peggy Heimatstadt verändert hat.  

+++ Das Waldgebiet um den Fundort der Skelettteile sei am Dienstag von einer Hundertschaft der Thüringer Polizei und einer weiteren Hundertschaft der bayerischen Polizei durchsucht worden, wie die Staatsanwaltschaft Gera mitteilt. Angaben zu möglichen Funden machten die Thüringer Ermittler nicht. Der Fall werde nun an die Staatsanwaltschaft in Bayreuth übergeben, die seit Jahren zum Verschwinden Peggys ermittelt.

Staatsanwaltschaft bestätigt: Knochen stammen von Peggy

+++ Die in einem Waldstück in Thüringen gefundenen Knochenreste stammen definitiv von der vermissten Schülerin Peggy. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Gera am Dienstag nach einem DNA-Abgleich mit. Als Vergleichsproben hatten die Rechtsmediziner Genmaterial von Peggy aus der Zeit ihres Verschwindens, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Dienstag in Bayreuth sagte.

+++ Erneute Wende: Das Ergebnis der DNA-Untersuchung soll nun doch noch am Dienstag veröffentlicht werden. Damit soll in Kürze feststehen, ob die gefundenen Knochen von Peggy stammen. Die Staatsanwaltschaft Gera widersprach der Darstellung der Staatsanwaltschaft Bayreuth, wonach die Identifizierung noch längere Zeit dauern werde. Am späteren Dienstagnachmittag solle das Untersuchungsergebnis des Instituts für Rechtsmedizin in Jena veröffentlicht werden, so die Ermittler in Gera. Die Staatsanwaltschaft Gera ist zuständig, weil die am Samstag von einem Pilzsammler gefundenen Skelettteile sich in Thüringen befanden.

Zweiter Knochenfund wohl nicht in Zusammenhang mit Peggy

+++ Unterdessen scheint der Fund weiterer Knochen in einem Wald bei Creuzburg nicht im Zusammenhang mit dem Fall Peggy zu stehen. Laut Polizei wird nun geprüft, ob es sich bei dem Toten um einen seit 2015 vermissten älteren Mann aus Creuzburg handelt. Rechtsmediziner wollen in den nächsten Tagen die menschlichen Überreste untersuchen. Ein Spaziergänger hatte die skelettierte Leiche entdeckt und die Polizei gerufen. In dem Waldstück in Westthüringen habe bereits am Montag die Suche nach weiteren Hinweisen beendet werden können.

+++ Die Identifizierung der mutmaßlich zu Peggy gehörenden Skelettteile dauert länger als erwartet. Die Identifizierung nehme "wegen der langen Liegephase noch einige Zeit in Anspruch", teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Dienstag mit. Anders als angekündigt sei für Dienstag nicht mehr mit einem Ergebnis zu rechnen.

Weiterer grausiger Fund: Menschliche Knochen gefunden

+++ In einem Wald bei Creuzburg (Wartburgkreis) sind in Thüringen erneut menschliche Knochen gefunden worden. Die am Montag entdeckte skelettierte Leiche habe schon längere Zeit dort gelegen, sagte eine Sprecherin der Polizei Gotha am Dienstag. Identität und Todesursache seien derzeit nicht bekannt. Der Fundort liegt etwa 150 Kilometer entfernt von der Stelle, an der ein Pilzsammler Knochen gefunden hatte, die mutmaßlich von Peggy stammen. Die Kriminalpolizei ermittelt.

+++ Das Gelände um den Fundort wurde am Dienstag mit einem Radius von weit über 100 Metern abgesucht. Beamte der thüringischen Bereitschaftspolizei sowie Kriminalbeamte aus Thüringen sind am Dienstag mit Experten der Soko Peggy aus Bayern unterwegs gewesen, wie ein Polizeisprecher mitteilt. Der Sprecher machte keine Angaben dazu, wonach die Einsatzkräfte konkret suchen oder was sie möglicherweise schon gefunden haben.

+++ Hier sehen Sie ein Video zum Fundort der Knochen: 

+++ Bislang haben sich bei den Ermittlern keine neuen Zeugen gemeldet. Trotz der umfangreichen Berichterstattung vom Vortag habe sich bislang niemand mit Hinweisen an die Ermittler gewandt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Stammen die Knochen von Peggy? Ergebnis der DNA-Analyse erwartet

+++ Endgültige Gewissheit darüber, ob die in einem Waldstück bei Rodacherbrunn (Thüringen) gefundenen Knochen von Peggy stammen, soll das Ergebnis einer DNA-Analyse bringen. Die Gerichtsmediziner der Friedrich-Schiller-Universität in Jena werden sich dazu voraussichtlich am Dienstagnachmittag äußern. 

Peggy Knobloch: Viele Fragen sind offen

Das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth gehen „höchstwahrscheinlich“ davon aus, dass es sich um die Knochen der neunjährigen Peggy handelt. „Dies ergaben die ersten rechtsmedizinischen Untersuchungen und Erkenntnisse am Fundort“, heißt es in einer Mitteilung. Außerdem seien Gegenstände gefunden worden, die ebenfalls zur neunjährigen Peggy passten - was genau diese Gegenstände sind, sagten die Ermittler nicht.

Für eine definitive Aussage darüber, ob die Knochen Teile von Peggys Leiche sind, wollen sie den DNA-Abgleich am Rechtsmedizinischen Institut der Universität Jena abwarten. Ein Ergebnis soll frühestens am heutigen Dienstagnachmittag vorliegen. Warum Peggy damals sterben musste, dazu liegen noch keine offiziellen Angaben vor. Die Ermittler sprachen am Montag allerdings von einem möglichen „Tatort“ - es scheint also viel gegen einen natürlichen Tod zu sprechen. Auch hier könnten die rechtsmedizinischen Untersuchungen gegebenenfalls weiterhelfen, ob es sich um einen Unfalltod oder zum Beispiel Mord handelt.

pak/ser/sah/dpa

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