Kommt der Brexit? Heute stimmen die Briten über EU-Austritt ab

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Kommt der Brexit? Die Briten entscheiden heute in einem Referendum, ob sie in der EU bleiben.

London - Kommt der Brexit? Die Briten entscheiden heute in einem Referendum, ob sie in der EU bleiben. Um 8 Uhr öffnen die Wahllokale. Bis 23 Uhr kann abgestimmt werden.

Update vom 24. Juni 2016: Der Brexit ist beschlossene Sache - doch was ist der Brexit eigentlich? Wir erklären es.

Fast sechs Jahrzehnte lang ist die Europäische Union immer nur gewachsen: Von den sechs Gründerstaaten, die sich 1957 in dem vom Weltkrieg gezeichneten Europa zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zusammenschlossen, auf zuletzt 28 EU-Mitgliedsländer. Am Donnerstag könnte die EU erstmals ein Mitglied verlieren. Die Briten stimmen in einem Referendum über den Verbleib in der Union ab - ein Schicksalstag für Europa. Umfragen zufolge kann sich keines der beiden Lager eines Sieges sicher sein.

Um 08.00 Uhr (MESZ) sollen die Wahllokale öffnen, 46,5 Millionen Briten haben sich als Wähler registrieren lassen. Angesichts der historischen Tragweite der Entscheidung und der knappen Umfrageergebnisse warben Gegner und Befürworter des Austritts bis zuletzt eindringlich um Stimmen.

Wir berichten über die Brexit-Entscheidung im Live-Ticker.

Der Wortführer der Austrittsbefürworter, Boris Johnson, sah am Mittwochabend einen Sieg in Reichweite. "Wir stehen kurz vor einem außergewöhnlichen Ereignis in der Geschichte unseres Landes und ganz Europas", sagte er zum Abschluss seiner Kampagne.

Premierminister David Cameron hingegen appellierte am Vorabend des Referendums insbesondere an die Unentschlossenen und die Zweifler, sich einen Ruck zu geben und für den Verbleib zu stimmen. "Wenn man erst mal aus dem Flug abgesprungen ist, kann man nicht mehr durch die Cockpit-Luke zurückklettern", sagte er in Birmingham. "Deswegen sollte jeder, der noch irgendwelche Zweifel hegt, lieber für den Verbleib stimmen."

Brexit: Ja oder Nein? - Letzte Umfragen ergeben unklares Bild 

Letzte Umfragen vom Mittwoch boten kein klares Bild. Zwei im Internet ausgeführte Erhebungen sahen das Austrittslager mit ein bis zwei Prozentpunkten in Führung. In einer Telefonumfrage kamen die Anhänger des Verbleibs indes auf 48 Prozent, die Brexit-Befürworter erreichten nur 42 Prozent.

Die Londoner Buchmacher rechneten am Vorabend der Abstimmung klar mit einem Verbleib. Der Online-Anbieter Betfair nahm Wetten im Volumen von 60 Millionen Euro an - ein neuer Rekord für ein politisches Ereignis. Wie andere Buchmacher auch schätzte er die Chancen auf ein Scheitern des Austritts auf 70 bis 80 Prozent.

Die europäischen Partner Großbritanniens hatten am Mittwoch noch einmal klar gemacht, dass ein Austrittsvotum unumkehrbar wäre. "Out is out" - beim No sei keine Rückkehr möglich, sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Der französische Präsident François Hollande sagte, ein Austritt wäre "irreversibel".

Die zurückliegenden Wochen haben Großbritannien tief gespalten. Die Brexit-Befürworter rückten in der hart ausgefochtenen Kampagne das Thema Einwanderung in den Mittelpunkt und argumentierten, bei einem Austritt aus der EU könne sich Großbritannien besser gegen Immigranten abschotten. Sie kritisierten eine Gängelung des Königreichs durch Brüssel und appellierten an den Nationalstolz der Briten.

Die Pro-EU-Kräfte warnten vor einem internationalen Bedeutungsverlust des Landes und vor unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen, wenn Großbritannien den Zugang zum europäischen Binnenmarkt verlöre. Beide Seiten warfen sich gegenseitig Panikmache und eine bewusste Irreführung der Wähler vor.

Die Wahllokale öffnen am Donnerstag um 08.00 Uhr und schließen um 23.00 Uhr. Mit aussagekräftigen Ergebnissen ist nicht vor dem frühen Freitagmorgen zu rechnen.

AFP

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