Flug MS804 verschwand einfach vom Radar

Egyptair-Maschine mit 66 Menschen an Bord stürzt ins Mittelmeer

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Eine Egyptair-Maschine stürzte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ins Mittelmeer.

Kairo - Die Flugroute führte von Paris über das Mittelmeer Richtung Kairo - doch plötzlich verschwindet der Egyptair-Airbus vom Radar. 

Der Egyptair-Flug MS804 von Paris nach Kairo ist vermutlich abgestürzt. Frankreichs Präsident François Hollande sprach von der Möglichkeit eines Unfalls oder eines terroristischen Hintergrunds - keine Schlussfolgerung sei auszuschließen. 66 Menschen waren an Bord des Airbus A320, dessen Spur sich am frühen Donnerstagmorgen verlor. Retter suchten im östlichen Mittelmeer nach der Maschine, Hollande sprach am Donnerstag von einer Suche nach Wrackteilen. Deutsche waren der Fluggesellschaft zufolge nicht an Bord der Maschine.

Auch Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos ging von einem Absturz aus. Das Flugzeug sei etwa zehn bis fünfzehn Seemeilen im ägyptischen Luftraum in einer Höhe von 37 000 Fuß (knapp 11 300 Kilometer) ins Trudeln geraten. „Dann machte es eine Drehung von 90 Grad nach links und danach eine andere Drehung von 360 Grad nach rechts und fiel auf eine Höhe von 15 000 Fuß. Sein Radarbild verschwand auf einer Höhe von 10 000 Fuß“, sagte Kammenos.

Terroranschlag oder technisches Versagen?

Es könne sich sowohl um technisches Versagen als auch einen Terroranschlag handeln. Das Flugzeug der Airline Egyptair war am späten Mittwochabend mit 66 Menschen an Bord von Paris aus nach Kairo gestartet. Der Kontakt brach nach Angaben der Fluggesellschaft 280 Kilometer vor dem ägyptischen Festland ab. Experten befürchten daher einen plötzlichen Zwischenfall an Bord. "Ein technisches Problem wie ein Brand oder eine Motorenpanne führt normalerweise nicht sofort zu einem Unfall", sagte der Luftfahrtexperte Jean-Paul Troadec. In solchen Fällen hätte die Besatzung Zeit gehabt, zu reagieren und Alarm zu schlagen. Weil das nicht geschah, könne auch "von einem Attentat ausgegangen" werden.

Der Airbus war nach Angaben des Flughafens Charles de Gaulle um 23.21 Uhr am Mittwoch in Paris losgeflogen. Gegen 2.30 Uhr am Donnerstag - eine gute halbe Stunde vor der geplanten Ankunft in Kairo - verschwand er vom Radar. Das Flugzeug war zu dieser Zeit südöstlich der griechischen Insel Kreta und etwa 280 Kilometer vom ägyptischen Festland entfernt. Es befand sich Egyptair zufolge etwa 16 Kilometer innerhalb des ägyptischen Luftraums, als es vom Radar verschwand - dies deckt sich mit den Angaben von Kammenos.

Egyptair-Absturz: Kairo richtet Krisenstab ein

In Kairo wurde ein Krisenstab eingerichtet. Das Luftfahrtministerium teilte mit, der ägyptische Ministerpräsident Scherif Ismael sei im Hauptquartier des Krisenstabes eingetroffen und mache sich ein Bild von der Lage. Er habe alle betroffenen Behörden angewiesen, alles Mögliche zur Lösung der Krise zu tun.

Egyptair gab auch die Nationalitäten der gelisteten 56 Passagiere des vermissten Flugs MS804 bekannt. Deutsche standen nicht auf der via Twitter veröffentlichten Liste. 30 Menschen - und damit der Großteil - kamen aus Ägypten, 15 sind Franzosen, außerdem 2 Iraker. Laut Egyptair waren zudem ein Brite, ein Belgier und ein Portugiese an Bord gelistet. Hinzu kommt jeweils ein Passagier aus Kanada, Kuwait, Saudi-Arabien, dem Sudan, dem Tschad und Algerien. Außerdem befanden sich offiziellen Angaben zufolge 7 Crewmitglieder und drei Sicherheitsleute an Bord.

Armee sucht nach Absturzstelle von Egyptair-Maschine

Angaben aus Kairoer Behördenkreisen zufolge entsandte die Armee Flugzeuge, um das Gebiet der mutmaßlichen Unfallstelle über dem Mittelmeer abzusuchen. Auf der Internetseite Flightradar24 ist die Flugroute bis zum Abbruch der Kommunikation nachgezeichnet. Diese endet abrupt über dem Mittelmeer zwischen Kreta, Zypern und dem ägyptischen Festland. Auch zwei Flugzeuge der griechischen Luftwaffe und eine griechische Fregatte nehmen laut griechischen Medienberichten an der Suche nach dem vermissten Flieger teil. Die Suchaktion sei mit den ägyptischen Behörden vereinbart worden, hieß es.

Nach Angaben des zuständigen Ministeriums brach der ägyptische Luftfahrminister Scherif Fathi am Donnerstag einen Besuch in Saudi-Arabien ab und machte sich auf den Weg nach Kairo.

Verwirrung um Notsignal

In den vergangenen Monaten gab es im Zusammenhang mit Ägypten mehrere Vorfälle im Luftverkehr. Ende März hatte ein Mann mit der Attrappe eines Sprengstoffgürtels eine Egyptair-Maschine nach Zypern entführt. Niemand wurde verletzt. Ende Oktober war ein russischer Ferienflieger über der Sinai-Halbinsel abgestürzt, nachdem an Bord eine Bombe explodiert war. Zu der Tat, bei der 224 Menschen getötet wurden, hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Zwischenzeitlich hatte es Verwirrung um ein vermeintliches Notsignal gegeben - nach Angaben des ägyptischen Luftfahrtministers Scharif Fathi wude ein solches Signal nicht abgesetzt. Eine anderslautende Nachricht von Egyptair, die von einem automatischen Notsignal um 4:26 Uhr gesprochen hatte, sei eine Fehlinformation gewesen.

Alle neuen Entwicklungen zum Flugzeugabsturz der Egyptair-Maschine können Sie in unserem News-Ticker nachlesen.

dpa/AFP

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