Fragen und Antworten

Terror: Wie sicher sind unsere Flughäfen und Bahnhöfe?

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Frankfurt/Main - Vor einem Flug muss sich jeder Passagier mit seinem Handgepäck einer strengen Sicherheitskontrolle unterziehen. Doch in die Terminals und in Bahnhöfe kommt man ungeprüft - trotz permanent hoher Terrorgefahr.

Brüssel, Istanbul - und nun vielleicht Berlin-Tegel oder Schönefeld? Flughäfen gehören wie Bahnhöfe zu den bevorzugten Zielen von Terroristen. Auch der in Leipzig festgenommene Syrer Dschaber al-Bakr soll laut Verfassungsschutz entsprechende Pläne verfolgt haben. Das wirft erneut Fragen zur Sicherheit der Infrastruktur auf.

Was macht öffentliche Verkehrseinrichtungen eigentlich zu bevorzugten Terrorzielen?

Vorortzüge in Madrid, die Londoner U-Bahn oder der Flughafen von Brüssel - immer wieder schlagen Terroristen an Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs zu. Es handelt sich um so genannte „weiche Ziele“ mit vielen potenziellen Opfern, die vor entschlossenen und zum Selbstmord bereiten Einzeltätern kaum zu schützen sind. In die Gruppe möglicher Anschlagziele gehören auch gut besuchte Märkte oder Einkaufszentren. Symbolträchtige Orte wie der Pariser Eiffelturm oder Fußballstadien hingegen werden immer besser abgeriegelt, so dass die Terroristen auf andere Ziele ausweichen, an denen es jeden Unbeteiligten treffen könnte.

Gab es nach dem Anschlag islamistischer Selbstmordattentäter auf den Brüsseler Flughafen dort Änderungen im Bereich der Sicherheit?

Der Zugang zum Flughafen wird seit dem Attentat wesentlich stärker kontrolliert. Reisende und Besucher kommen nicht mehr ohne Sicherheitscheck und Gepäckdurchleuchtung ins Gebäude. Verdächtige Fahrzeuge werden bereits auf der Zufahrtsstraße kontrolliert, die Haltezone vor der Abflughalle wurde gesperrt. Reisende müssen bis zu 20 zusätzliche Minuten einkalkulieren, warnt die Flughafen-Verwaltung. Bei einer Anreise mit dem Auto können im schlimmsten Fall weitere 20 Minuten dazukommen Reisende sind deswegen angehalten, zwei Stunden vor der Abflugzeit am Flughafen zu sein.

Terrorverdächtiger: So lief die Festnahme

Wie sind die deutschen Flughäfen und Bahnhöfe geschützt?

Die deutschen Stationen sind in aller Regel ohne vorherige Personenkontrollen erreichbar, werden mit Kameras überwacht und die Bundespolizei schickt Streifen in die Menge. Größere Flughäfen haben dutzende Zu- und Übergänge zur Straße oder in angeschlossene Hotels und Kongresszentren. Zum Schutz des eigentlichen Flugbetriebs gibt es innerhalb der Terminals scharfe Personenkontrollen vor den Flugsteigen. Hier haben die Flughäfen in den vergangenen Jahren technisch enorm aufgerüstet, während es an den Bahnhöfen nichts Vergleichbares gibt. Im Zusammenhang mit möglichen Direktzügen nach London wird in Frankfurt geprüft, die Fahrgäste vor Betreten des Zuges zu kontrollieren. Im Luftverkehr sehen Experten noch Sicherheitslücken bei der Fracht, die anders als das Passagiergepäck nicht komplett durchleuchtet wird.

Wie sieht es im internationalen Vergleich aus?

Terrorgeplagte Länder haben weit schärfere Sicherheitsvorkehrungen installiert. An russischen oder türkischen Flughäfen sind Kontrollen an den Eingängen üblich, in Afghanistan oder Israel sind zudem Checkpoints schon weit vor den Flughäfen eingerichtet. Am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv setzen die Sicherheitskräfte zudem auf „Social Profiling“, das videogestützt nach möglicherweise verhaltensauffälligen Gefährdern sucht. Die vorsortierten Reisenden werden gezielt und in unterschiedlicher Intensität befragt. Darüber gibt es viele Beschwerden - insbesondere arabischstämmiger Passagiere.

Wie könnten die Sicherheitsvorkehrungen hierzulande verbessert werden?

Vorverlagerte Personenkontrollen sind zumindest grundsätzlich auch in Deutschland denkbar. Nach den Anschlägen von Brüssel wurden auch an deutschen Flughäfen häufiger Autos bereits bei der Anfahrt und Passagiere schon an den Eingängen kontrolliert. Die technischen Möglichkeiten der Videoüberwachung haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verfeinert. Der Scan- und Interview-Ansatz der Israelis scheint vielversprechend zu sein. 80 Prozent der Leute könnten mit technischen Hilfsmitteln zuverlässig als harmlos erkannt werden, sagt der in den USA tätige Sicherheitsexperte Rafi Sela. Weitere zehn Prozent könnten mit ein paar Fragen abgeklärt werden.

Was gibt es für Bedenken?

Die deutschen Flughafenbetreiber argumentieren gegen vorverlagerte Kontrollstellen. Bei den meisten Flughäfen fehle es schon allein an dem notwendigen Platz, heißt es etwa beim Verband ADV. Damit würden nur neue Anschlagziele geschaffen, aber keine zusätzliche Sicherheit, wie der Istanbuler Anschlag im Juni auf die Eingangskontrollen belege. Die Flughäfen sehen das Verkehrsmittel Flugzeug im harten Zeitwettbewerb mit Bahn und Auto, so dass weitere Zeitverluste für die Passagiere nicht akzeptabel seien. Die Sicherheitskräfte müssten andere Strategien verfolgen und sich besser austauschen.

In unserem News-Blog halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen in dem Fall auf dem Laufenden.

dpa

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