Versöhnung zwischen CDU und CSU "

"Chefsache": Seehofer will Streit mit Merkel beenden

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Horst Seehofer sieht eine gute Ausgangsposition, um das Verhältnis zu Angela Merkel zu versöhnen.

Berlin - Das zerrüttete Verhältnis der Spitzen von CDU und CSU ist nur schwer zu heilen. Nun überrascht einer mit milden Tönen. Zeitgleich fliegen aber immer noch die Fetzen.

Angesichts wütender Wortgefechte zwischen den Schwesterparteien schwenkt der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer auf einen versöhnlicheren Kurs ein - auch im Verhältnis zu CDU-Chefin Angela Merkel. Knapp drei Wochen vor einer Klausurtagung in Potsdam zum Zustand der Union sagte Bayerns Ministerpräsident der „Bild am Sonntag“: „Die Kanzlerin und ich haben jetzt wieder ein Fundament des Vertrauens gelegt, auf das man aufbauen kann.“ Die Versöhnung sei „Chefsache“. Die vergangenen Monate waren von massivem Streit über Merkels Flüchtlingspolitik und den Mitte-Kurs der CDU geprägt.

Kurz zuvor hatte der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) allerdings neues Öl ins Feuer gegossen und Merkel für die sinkenden Umfragewerte der Union um die 30 Prozent verantwortlich gemacht. Der als potenzieller Seehofer-Nachfolger geltende Söder sagte in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“: „Wenn ein Fußballtrainer mit seiner Strategie dauerhaft Spiele verliert, dann fängt man auch an zu diskutieren, ob man das Spielsystem nicht ändern muss.“

Söder: Nicht die CSU ist das Problem, sondern Berlin

Söder verwies darauf, dass die CSU in Bayern knapp unter 50 Prozent stehe. „Nicht die CSU ist das Problem, sondern das mangelnde Vertrauen der Bürger in diese Regierung in Berlin.“ Die CSU hingegen wolle „die Entfremdung von den Bürgern beenden und wieder eine Koalition mit dem Bürger eingehen“. So denke auch die CDU-Basis.

Seehofer verwahrte sich am Wochenende gegen Ratschläge von Dritten: Die Annäherung „sollte nicht immer von Leuten aus der zweiten und dritten Reihe kommentiert werden, die noch nie Wahlen gewonnen haben. Die sollen ruhig sein und ihre Arbeit machen.“

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der „Welt am Sonntag“: „Die Bürger, aber vor allem auch unsere Mitglieder und Anhänger erwarten, dass sich die Union nicht länger mit sich selbst beschäftigt, sondern sich darauf konzentriert, gemeinsam das Land voranzubringen. Die CDU will das schon seit Monaten.“

Stellvertretende CDU-Vorsitzende: Pauschale Beschimpfungen helfen keinem

Der Merkel-Vertraute und stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet forderte ein Ende der CSU-Attacken: „Pauschale Beschimpfungen über einen angeblichen Linkskurs helfen keinem“, sagte er dem „Tagesspiegel“ (Sonntag). Der Streit über die Flüchtlingspolitik sei „retro“. Laschet betonte: „Die Zahlen gehen runter, egal wo man die Gründe dafür sieht.“ Er warf der CSU vor, sie habe „den Eindruck erweckt, die Bundesregierung handele nicht nach Recht und Gesetz“. Auch Laschets Amtskollegen in der CDU-Spitze, Volker Bouffier und Thomas Strobl, riefen in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ zu einem Ende der wechselseitigen Attacken auf.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt rief ihre Partei auf, eine erneute Kanzlerkandidatur Merkels zu unterstützen. „Die Kanzlerschaft von Angela Merkel war seit 2005 eine erfolgreiche für dieses Land. Da gibt es für mich überhaupt keinen Zweifel“, sagte sie der „Welt“ (Samstag). Wenn es nun zur Flüchtlingspolitik einen Dissens gebe, sei das kein Grund, die Arbeit der vergangenen elf Jahre unter den Tisch zu kehren.

Die Führungen von CDU und CSU wollen am 24./25. Juni in Potsdam tagen, um die andauernde Entfremdung möglichst zu beenden.

dpa

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