Immer mehr Menschen wollen sich selbst verteidigen – auch in der Region

Der ganz neue Waffen-Wahn

Immer begehrter: der kleine Waffenschein. Dieser berechtigt den Inhaber zum Tragen von Signal- oder Schreckschusspistolen.Foto: avs
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Seit dem neuen Jahr beantragen mehr und mehr Menschen einen Waffenschein.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot. So heißt es oftmals im wirtschaftlichen Fachjargon. Was viele Leute wollen, geht für Verkäufer und Händler gut über die Ladentheke. Landratsämter und Gemeindebehörden sind bei einem solchen Vorgang eigentlich nicht betroffen.

Nicht so beim Thema Waffen. Hier stehen die Ämter der Kommunen im Mittelpunkt – und das gerade deutlich mehr als ihnen lieb ist! „Die aktuellen Ereignisse an Silvester haben möglicherweise in Teilen der Bevölkerung zu einer gewissen Verunsicherung geführt“, erklärt Harald Pfeifer von der Heilbronner Polizei. Nicht nur dass allerorten Bürgerwehren entstehen – die Menschen wollen sich nun auch selbst verteidigen, sich vor möglichen Übergriffen schützen. Ihre eigenwillige Lösung: der „kleine Waffenschein“. Den gibt es auf den zuständigen Ämtern.

Die Zahlen sprechen da eine eindeutige Sprache. Wurden im gesamten Jahr 2015 im Hohenlohekreis, ausgenommen die Stadt Öhringen, 32 dieser Scheine ausgestellt, wurden Ende Januar nun in einem Monat schon 47 beantragt. Fünf davon sind bereits ausgestellt. Ein gewaltiger Ansprung. Dabei berechtigt der kleine Waffenschein den Besitzer lediglich zum Tragen von Signal- oder Schreckschusspistolen und – was viele nicht wissen – nicht zum Schießen. Die Waffen sind sowieso nicht scharf, erzeugen jedoch einen sehr lauten Knall und lassen Gase entweichen.

Dennoch: Es bleibt ein heikles Thema. Für viele ist der neue Waffen-Wahn ein Dorn im Auge. Die Polizei Heilbronn warnt: „Schreckschusswaffen stellen eine trügerische Sicherheit dar. Sie können gefährliche Situationen nicht vermeiden, aber häufig verschlimmern oder gar eskalieren lassen.“

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