13 Neuenstädter Helmbundschüler leisten ganz besondere Sozialarbeit

Stets ein Ohr für die Nöte anderer

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Projektorganisatorin Martina Grön (vorne links), Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Heilbronn, Stefan Möhler, Schulsozialarbeiter an der Helmbundschule Neuenstadt sowie Helmbundschullehrerin Susanne Piontek mit den Neuenstädter „Vertrauensschüler“.
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„Vertrauensschüler“ sind da, wenn Jüngere irgendwo der Schuh drückt.

Julia Steinbach hat sich verändert. Das merkt sie zum Beispiel dann, wenn sie aus der Schule kommt und ihre Mutter los redet. Früher, ja früher - da hat Steinbach ihre Mama dauernd unterbrochen. Das macht sie jetzt nicht mehr, sondern hört erstmal aufmerksam zu. Mit Erfolg: „Das Gespräch ist viel intensiver, wenn ich einfach mal den Mund halte.“

Julia Steinbach ist „Vertrauensschülerin“ an der Helmbundschule in Neuenstadt. Eine von insgesamt 13 älteren Real- und Werkrealschülern. Ihre Aufgabe: Mit offenen Augen und Ohren durch die Schule laufen und das Gespräch mit Mitschülern suchen – und ihnen vor allen Dingen zuhören, sofern es ihnen schlecht geht. „Wertschätzende Kommunikation“ nennt das Martina Grön. Die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Heilbronn hat das Projekt ins Leben gerufen und Sozialarbeiter und Lehrer von mehreren Schulen im Landkreis geschult, die dieses Wissen wiederum an sozial kompetente Schüler weitergegeben haben.

Und diese sogenannten „Vertrauensschüler“ sind mit Eifer bei der Sache. Ganz egal, ob drei Stunden Freizeit pro Monat deswegen geopfert werden müssen. Die ehrenamtliche Arbeit entschädigt, gibt ein gutes Gefühl, wie Alessa Di Marzoweiß. Sie hat bereits einem jüngeren Schüler ihr Vertrauen geschenkt: „Er wollte seinen Eltern partout nicht sagen, dass er Ärger mit einer Lehrerin wegen unerledigter Hausaufgaben hatte.“ Di Marzo hat ihm zugehört – und auf seine Anfrage hin den Tipp gegeben, die Eltern zu informieren, bevor es die Lehrerin macht. Und? „Er hat es getan, und gleich ging es ihm besser.“

Die Frau als sozialeres Wesen? Bei einem Blick in die Runde der Neuenstädter „Vertrauensschüler“ muss diese Frage bejaht werden. Aber es gibt da auch drei junge Männer: Sanrico Venturini, Tom Bauerund Sebastian Woite. Bauer und Woite haben sich daran erinnert, wie es ihnen in der fünften Klasse erging und sich freiwillig gemeldet. Venturini wurde von Schulsozialarbeiter Stefan Möhler „gezielt angesprochen, weil ich ihn als hervorragend geeignet eingeschätzt habe“. Angst, aufgrund ihres Amtes von den Mitschülern als uncool abgestempelt zu werden, hat das Trio nicht. Im Gegenteil: Alle drei wissen schließlich, dass es viel cooler ist, sich die Sorgen und Nöte anderer anzuhören als dummes Geschwätz.

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