Beim Spielen kommt man schnell ins Gespräch

Pokémanie in der gesamten Region

Hier laufen nebenbei sogar Pokémon-Songs.

Von wegen nur die Kids spielen Pokémon. echo24.de hat Spieler jenseits der 40 getroffen.

Eine Blondine im fliederfarbenen Kleid und 12-Zentimeter-Heels stöckelt in Heilbronn-Böckingen auf eine Gruppe Jugendlicher zu. Alle sind mit ihren Smartphones beschäftigt. Klar, Pokémon!

"Darf ich euch kurz stören? Ihr spielt sicher Pokémon?" Fragende Blicke. Kopfnicken. "Darf ich vielleicht ein Foto von euch machen?" – Hä?

Tja, als Redakteurin hält man auch privat die Augen nach einer coolen Story offen. Und am Samstag war ich auf einer Taufe mit anschließender Feier an der Viehweide. Irgendwo zwischen Mittagessen und Kuchen, der kurze Blick in die Pokémon-App. Himmel! Ich bin im Poképardies! Drei Pokéstops nebeneinander. Alle von meinem Tisch aus erreichbar. Und alle drei versprühen gerade den Lockduft, der Pokémon anlockt. Cool.

Bei Pokémon gibt’s drei Teams, in der realen Welt sind es zwei: die Spieler und die, die das alles total daneben finden (aber trotzdem neugierig ins Handy des Spielers schielen, um mal zu gucken, was es mit diesem Hype auf sich hat).

Zum Beine vertreten mal eine Runde ums Gebäude – aha. Draußen auf der Wiese sitzen sie, diese schlimmen Zocker. Mit Decken und Campingstühlen sind einige zu DEM Hotspot in Heilbronn gekommen. In geparkten Autos sitzen sie, vertieft. Und aus einer Musikbox kommen sogar Pokémon-Songs. Ich muss lachen.

Bilder: So sieht's aus, wenn sich Spieler treffen 

Dominik Fotken (21) ist extra mit seinen Kumpels aus Eppingen-Kleingartach zur Viehweide in Heilbronn-Böckingen gekommen. "Wir sind damit aufgewachsen und es kommen so viele Kindheitserinnerungen wieder. Macht einfach Spaß."
Es ist keine Seltenheit, dass Spieler für das nächste Pokémon oder einen guten Spot aus anderen Städten kommen. Auch aus Güglingen kommen die Pokémon-Trainer.

Man kommt schnell ins Gespräch und wenn man sich selbst als Spieler outet ist der Übergang zum Insider-Talk nahtlos: "Habt ihr schon ein Pikachu?", "Kennt ihr schon den Trick für das Glücks-Ei?", "Werfe eigentlich nur ich so oft den Pokéball daneben?" Ab und an werden die Gespräche kurz unterbrochen. "Da, ein Evoli!“

Es herrscht ein fliegender Wechsel, den ich noch über Stunden beobachten kann. Geht die eine Gruppe, kommt aus der anderen Richtung schon die nächste. Der älteste Spieler, den ich hier treffe, ist 37 Jahre alt.

Spielt ihr auch Pokémon GO?

Ein ähnliches Bild spielt sich sonntagabends im Neckarsulmer Stadtpark ab. Auch hier gibt es zwei Pokéstops, die aus der richtigen Position heraus gleichzeitig erreichbar sind. Es herrscht reges Treiben und nein, hier starren nicht alle wortlos in ihre Handys. Es findet ganz normaler Smalltalk statt, mal übers Spiel mal über den letzten Freibadbesuch.

Alle sind sich einig. "Da kommt ein Stückchen Kindheit zurück und viele, die sonst nur in der Bude hocken, gehen wenigstens an die frische Luft."

Zwischendrin stehen einige auf, um eine Runde durch den Park zu drehen. "Eier ausbrüten. Das schafft nämlich nur, wer beim Spielen ausreichend Kilometer zurücklegt."

Auch in Neckarsulm sind unter den Poké-Trainern viele Altersklassen vertreten. Neuer Rekord: Der älteste Spieler heute Abend ist 47 und hat ziemlich viele Tricks drauf. Seine Frau macht den Spaß gerne mit. "Ich finde das super", erzählt er. "Es ist wie bei Mc Donalds, alle Alters- und Berufsschichten kommen beim Spielen zusammen. Man kommt schnell zu netten Gesprächen. Das kann man doch mitmachen."

Nachdem seine Frau viele Pokébälle für ein Rattikarl geopfert hat, das Monsterchen sich aber nicht fangen lassen will, folgender Dialog: "Schatz, hilf mir mal bitte, ich bekomm das Ding einfach nicht gefangen." – "Ich kann da nichts machen. Das ist zu stark für dich, das kannst du erst ab einem höheren Level fangen." – "Wenn du mich wirklich liebst, fängst du mir das jetzt." 
Das Paar lacht, die Gruppe, die daneben sitzt auch. Hier wissen alle, dass das nur Spaß ist.

Anna-Maureen Bremer

Anna-Maureen Bremer

Mittendrin statt nur dabei: Soziales, Partys und eure Themen immer im Blick! Kolumne: "Natürlich blond".

E-Mail:anna-maureen.bremer@echo24.de

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