Junge Tüftler stellen bei „Jugend forscht“ Anlage gegen Wildunfälle vor

Radau, der Leben rettet

Fabian Katzer (links) aus Ellhofen und Sebastian Wägerle aus Abstatt stellen bei „Jugend forscht“ in Künzelsau eine Anlage vor, die Wildunfälle in großer Zahl verhindern kann.Foto: hag
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Eine Win-win-Situation für Mensch, Tier und Karosserie. Der Nachwuchs setzt sein Wissen in tolle Ideen um , die den Alltag bereichern. Und ihn sicherer machen.

Es ist der Albtraum jedes Autofahrers, wenn er nachts außerorts unterwegs ist: Im Augenwinkel ist gerade noch eine Bewegung wahrzunehmen – und schon kracht es! 260.000 Wildunfälle passieren jedes Jahr auf deutschen Straßen. Bei 6.000 von ihnen endet der Crash nicht nur für das Wild, sondern auch für den Menschen mit teils erheblichen Verletzungen.

„Diese hohe Anzahl an Wildunfällen ist vermeidbar“, erklärt Fabian Katzer. Der 19-jährige Mechatroniker aus Ellhofen hat zusammen mit Sebastian Wägerle aus Abstatt eine Vorrichtung für Autos entwickelt, die das Wild auf Distanz hält. Und das Beste: Der Fahrer selbst bekommt von dieser Wildverscheuchung gar nichts mit!

Vier Ultraschallquellen an der Vorderseite des Pkw senden im 160-Grad- Winkel Töne in einer Höhe von 23.000 Hertz aus. Wägerle erklärt: „Der Mensch hört nur etwa bis 19.000 Hertz. Rehe hingegen nehmen auch hohe Töne bis zu 65.000 Hertz wahr.“

Die Wildschutzanlage funktioniert folgendermaßen: Verlässt der Fahrer die Ortschaft, schaltet er die Ultraschallquellen per Knopfdruck an. Rehe und Wildschweine, die in Straßennähe unterwegs sind, fühlen sich von dem Lärm irritiert – und ergreifen die Flucht. Ein Reflex, der ihnen das Leben retten kann.

Auf dem 18. „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb in der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau stellte das Tüftler-Duo am Freitag seine sinnvolle Konstruktion vor. Katzer erklärt: „Wir haben die Anlage schon vom Tüv zertifizieren lassen.“

Das Material für die gesamte Anlage im Motorraum kostet 130 Euro. Wägerle: „Geschenkt, wenn man bedenkt, dass im Schnitt bei einem Wildunfall 2.400 Euro Sachschaden zusammenkommen.“ Von den Verletzungen an Mensch und Tier ganz zu schweigen.

Doch wird durch den lebensrettenden Radau nicht der Waldfrieden gestört? Fabian Katzer erklärt: „Durch die unregelmäßige Struktur der Pflanzen, der Rinde voller Vertiefungen, den vielen Ästen und Blättern, ist der Wald ein guter Schallschlucker.“ Ingenieure von Audi haben schon ihr Interesse für die Schutzmaschinerie bekundet. Katzer: „Geht unsere Konstruktion in Serie, ist jeder verhinderte Unfall ein Erfolg.“ Mit einer Win-win-Situation für alle: Mensch, Tier und Karosserie.

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