Das sagen die Fahrgäste

Thema Stadtbahn: "Kann mich in meine Wut reinsteigern"

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Immer Ärger mit der Stadtbahn. Bei diesem Thema sehen Viele rot.

Wer täglich mit der Stadtbahn unterwegs ist braucht Nerven wie Stahlseile. Da nehmen manche lieber das Auto.

Kira-Sina Pretsert wirft einen bangen Blick auf die Bahnhofsanzeige. 07:00 Uhr. Sonst steht nichts darauf. Zum Glück! Keine Info ist in diesem Fall eine gute Info. Die Bahn scheint pünktlich zu sein. Und tatsächlich: Um 07:22 Uhr hält die Stadtbahn in Gundelsheim. Auf die Minute genau. Aufatmen für Pretsert. Zumindest bis zum Nachmittag.

"Beim Thema Stadtbahnen kann ich mich richtig in meine Wut reinsteigern", sagt Pretsert. Auf den gestrigen Tag angesprochen startet sie eine regelrechte Schimpftirade. Gleich zwei Mal hatte die 19-Jährige an Haltestellen gestanden. Züge? Fehlanzeige!

"Es ist so ätzend, wenn man irgendwo rumsteht und dann feststellen muss, dass man umsonst gekommen ist." Peter Liebmann stimmt ihr zu: "Wenn ich einen wichtigen Termin habe, fahre ich vorsichtshalber eine Bahn früher. Da gehe ich auf Nummer sicher." Der 73-Jährige ist auf die Stadtbahn angewiesen. Schon lange fährt er kein Auto mehr.

Liebmann ist fit auf den Beinen. Reist mit Bahn und Bus überall hin. "Eigentlich bin ich ein gelassener Mensch. Aber die vielen Ungereimtheiten bei der Bahn können auch mich auf die Palme bringen. Angeblich deutsche Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit vermisst man beim Zugfahren."

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Rolf Tahlheim hat sich wegen der stündlichen Taktung sogar ganz gegen die Stadtbahn entschieden. "Ich fahre nur in absoluten Ausnahmefällen nicht mit dem Auto." Der 57-Jährige arbeitet bei Audi in Neckarsulm. Eigentlich könnte er mit der Stadtbahn bequem von Haustür zu Haustür gelangen.

Aber: "Man kann weder früher Schluss machen, noch liegengebliebene Arbeiten erledigen, ohne dass man immer gleich den Fahrplan im Auge behalten muss. Unter Umständen muss man ja ne Stunde warten. Da nehme ich lieber das Auto und verzichte auf ein Jobticket." 

Dabei sind sich doch eigentlich alle einig: Der Autoverkehr muss weniger werden. Vieles soll sich auf den Stadtbahnverkehr verlagern. "Bahn und Politik möchten etwas ändern. Aber am Liebsten kein Geld dafür ausgeben. Bahnfahren sollte sich lohnen. Für den Geldbeutel und für die Nerven. Und für die Umwelt ist es eh besser. Aber für den Ausbau wird eindeutig zu wenig getan."

Dass sich langfristig etwas ändern sollte, darin sind sich die meisten Bahnfahrer einig. Für eine kurzfristige Entspannung der Lage, könnte eines helfen. Pretsert: "Wir brauchen mehr Informationen. Wenn der Zug nicht kommt, werden die Leute nervös, zum Teil aggressiv. Wer sich im Vorhinein darauf einstellen kann, der hat eine Chance, anders zum Ziel zu kommen. Damit könnte viel Ärger vermieden werden."

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Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

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