Irgendwo im Nirgendwo?

Ein Hilferuf aus den unendlichen Weiten

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Leider kein schnelles Transportmittel: Die Stadtbahn.

Wieder ein Stadtbahn-Abenteuer der negativen Art. Zum Nachlesen gibt es die spannende Reise hier.

Logbuch des Captains: "Sternzeit 76113,19. Ich befinde mich in den unendlichen Weiten. Neckarsulm hat mich in seine Umlaufbahn gezogen. Mein Transportmittel ist aus ungeklärten Gründen verreckt. Julia Ende." Diesen Hilferuf verschicke ich gestern Abend an die Crew. In der Hoffnung sie mögen sie an ihren Standorten erfassen und mir bei meinem Abenteuer beistehen.

Alles begann mit einem Nachmittag im galaktischen Kino. Die Filmmusik noch im Kopf soll es gemütlich nach Hause gehen. Perfektes Timing! Auf der Anzeige steht noch eine Minute, dann soll die S42 in Richtung Bad Rappenau fahren. Der Plan formt sich: Mit dieser Bahn zum Planeten Bad Friedrichshall, dann umsteigen und weiter zum Heimatplaneten.

Noch an der Haltestelle fällt mir etwas Ungewöhnliches auf: "S42 Bad Rappenau - 0 Minuten" steht da inzwischen. Verständlich. Doch darunter: "S42 Sinsheim - 05:42". Rätselhaft. Warum wird eine Bahn für 05:42 Uhr angezeigt? Oder heißt dass, die Bahn nach Sinsheim fährt in fünf Minuten und 42 Sekunden?

Wie zufrieden sind Sie mit den Stadtbahnlinien der Region?

Naja, egal. Technischer Defekt - betrifft mich aber ja nicht. Fünfzehn Minuten später bin ich mir da plötzlich nicht mehr so sicher. Denn immer noch soll es praktisch sofort nach Bad Rappenau gehen, doch die Stadtbahn ist nicht in Sicht. Weitere fünf Minuten vergehen, ehe das erlösende Geräusch der ratternden Schienen ertönt.

Die Verspätung kann meine Laune nicht trüben. Ich schwebe gedanklich im Weltall. Dann diese Durchsage: "Neckarsulm Bahnhof. Diese Bahn endet hier. Bitte steigen sie alle aus." Wie bitte? Aussteigen? Moment mal - auf der Bahn steht doch Bad Rappenau - und beamen kann dieses Transportmitteln nicht, da bin ich mir sicher.

Die Anzeige in Neckarsulm verweist auf Informationsaushänge. Fehlanzeige! Deshalb der Hilferuf an die Kollegen. "Soll ich dich abholen?", werde ich gefragt. Aber nein, dies ist schließlich nur das nächste Abenteuer. Die Herausforderungen der Erde kann ich bewältigen. Also ab in den ersten Bus zum ZOB Neckarsulm. Romulanische Busfahrer sind zur Auskunft nicht bereit. Schleiche mich vom ersten ins zweite Gefährt dieser Art.

Offizier Dominik Jahn schlägt derweil vor die Stadtbahn umzubenennen: Statt-Bahn passe besser. Werde dies als Antrag bei der Sternenflotte einreichen. Von einem Weltraumspaziergang sehe ich aber ab. Denn der Sprint auf dem Weg zum dritten Bus steckt mir noch in den Knochen.

Der Heimatplanet naht. Langsam zwar, aber immerhin. Endlich im Raumhafen angekommen, der schnelle Gruß an die Mitfahrer: "Leben sie lang und in Frieden." Ich hoffe ich kann mir bald meine persönliche USS Enterprise leisten. Die hat wenigstens manchmal Warp. Und nur ich persönlich kann sie zu Schrott fliegen.

Nachtrag ins Logbuch: Die Crew habe ich heute morgen nach erneuten technischen Defekten beim nächsten Transportversuch wiedergefunden.

Information: Bei Anruf Ärger Luft machen oder von positiven Beispielen berichten. Erzählen Sie uns Ihre Erlebnisse. Ich stehe am Montag von 10-11 Uhr bereit und spreche mit Ihnen über den öffentlichen Nahverkehr der Region. Ich freue mich auf Ihre Anrufe unter 07131/7866462.

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Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

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