Eltern sollten viel reden

Social-Media-Falle: Das müssen Eltern wissen

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Soziale Netzwerke machen Spaß - bergen aber gerade für Kinder und Jugendliche auch Gefahren.

Wenn Kinder im Netz unterwegs sind, birgt das Gefahren. Aber diese lassen sich minimieren.

Schnell auf Instagram ein Foto im neuen Bikini posten, dann noch bei Facebook das niedliche Katzenvideo liken und bei WhatsApp über den Lehrer aufregen – Soziale Netzwerke sind aus den Köpfen von Kindern und Jugendlichen kaum mehr wegzudenken. Eltern haben da schonmal ihre Schwierigkeiten. Alle wichtigen Fragen rund um Fotos, Kommentare und Privatsphäre beantworten wir hier:

Ab welchem Alter können Kinder und Jugendliche Soziale Netzwerke nutzen? 

"Das hängt ganz davon ab, wie reif das Kind ist", sagt Ingrid Bounin, Leiterin des Referats für schulische und außerschulische Medienbildung vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. Es komme darauf an, wie viel Umgang mit Internet und sozialen Medien die Kinder gewöhnt seien. "Wichtig ist in jedem Fall, den Einstieg gemeinsam mit den Kindern zu gestalten." Richten Sie ein Profil zusammen ein und sprechen Sie über die Funktionen. Generell sollten Kinder im Grundschulalter nicht allein in Sozialen Netzwerken agieren.

Welche Sozialen Netzwerke sind für den Einstieg geeignet? 

Bounin empfiehlt, sich zunächst auf den Seiten des SWR Kindernetzoder beim Internet ABC umzuschauen. Hier kann der Umgang mit dem Medium Internet spielerisch erlernt werden und es wird auf eine sichere Umgebung für die Kinder geachtet. Hintergrundwissen wird vermittelt und erste Chaterfahrungen können gesammelt werden. Wer das nötige Hintergrundwissen hat, kann auch mit Facebook, Snapchat und Co. umgehen. Wichtig ist, den Kindern im offenen Gespräch zu erklären, dass das Internet kein geschützter Raum ist und die gleichen Regeln gelten wie im realen Raum.

Wie lange sollten Kinder sich täglich in Sozialen Netzwerken aufhalten dürfen?

Der Leitfaden der Fachgruppe Social Media des Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft empfiehlt eine sinnvolle Einteilung. Heißt: Kinder und Jugendliche sollten ein Mitspracherecht haben, wie lange sie Internet und Soziale Medien nutzen dürfen. Eine ausgeglichene Freizeitgestaltung und schulische Aufgaben sollten dabei im Vordergrund stehen. Kinder haben aber auch hier mehr Verständnis, wenn diese Zeiten gemeinsam erarbeitet werden. Eventuell kann auch eine Art Stundenplan für die Nutzung sinnvoll sein. "Man fühlt sich gezwungen, zu reagieren", sagt Sabria David, Leiterin des Slow-Media-Instituts Bonn dem Magazin "HausArzt". Das sei das Schwierige an Social Media – mit festen Zeiten können Eltern dem Drang aber selbst und bei ihren Kindern entgehen.

Dürfen Ihre Kinder Soziale Netzwerke benutzen?

Wie lässt sich die Privatssphäre schützen?

"Auch WhatsApp-Gruppen sind nicht privat", betont Bounin. "Nutzer müssen sich selbst und andere schützen." Selbst bei vermeintlich privaten Nachrichten kann es zu Mobbing oder anderen Problemen kommen. Doch Kinder und Jugendliche von diesen Medien fernzuhalten, "das ist eine Illusion". Besser sollte abgesprochen werden, welche Fotos (von Geschwistern oder Freunden) verwendet werden dürfen und welche Motive nicht. Dazu kommt, dass viele Netzwerke besondere Möglichkeiten zum Schutz haben, die nicht immer leicht zu finden sind. Wie genau sie die Profile schützen können, sehen Sie in unserer Foto-Show.

So schützen Sie Ihre Social-Media-Profile

Sind Verbote im Umgang mit Sozialen Netzwerken sinnvoll?

"Nein", sagt Bounin. "Im Gespräch zu bleiben ist stattdessen das A und O. Wer verbietet, hat verloren." Wenn Kinder und Jugendliche diese Netzwerke heimlich nutzen wollen, dann haben sie dazu in der Regel die Möglichkeit. Besser sei es, eigene Sorgen und Wünsche nach dem Motto "Ich habe Angst, dass..."/ "Ich möchte nicht, dass..." zu äußern.

Was tun, wenn es zu Problemen kommt?

Die gute Nachricht vorweg: "Viele Jugendliche sind vorsichtiger geworden mit ihren Daten", sagt Bounin. Doch leider gäbe es "Checker und Looser" – solche, die mit den Medien umgehen könnten und solche, die es nicht könnten. Sollte es so oder so einmal zu Schwierigkeiten kommen, können Eltern sich zum einen an die Betreiber der Netzwerke wenden. Auch die medienpädagogische Beratungsstellein Stuttgart hilft bei allen Fragen weiter.

Darf man bei akuten Sorgen Profile checken und Nachrichten lesen?

Davon sollte jeder Elternteil absehen. Zum einen gilt auch online das Brief- und Postgeheimnis und auch für Kinder- und Jugendliche. Zum anderen schadet Kontrolle einem Vertrauensverhältnis enorm. Eine heimliche Nutzung durch Kinder und Jugendliche ist dann wahrscheinlich. Besser ist es, die Kinder auf die eigenen Ängste und Sorgen anzusprechen und sie zu bitten, sorgfältig mit Daten und Privatsphäre umzugehen.

Was genau bedeutet das für den Umgang mit Sozialen Netzwerken? 

Reden, reden, reden – und zwar unvoreingenommen. Machen Sie sich selbst mit den Netzwerken vertraut oder erarbeiten Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind die verschiedenen Möglichkeiten. Zeigen Sie Interesse und versuchen Sie frühzeitig, auf Gefahren des Internets hinzuweisen. Denn: Kinder, die sich mit dem Medium auskennen, machen weniger Fehler. Und Kinder, die Vertrauen zu ihren Eltern haben, wenden sich bei Problemen schnell an diese. "Soziale Netzwerke sind und bleiben ein Thema, ab jetzt und immer", sagt auch Bounin. Gerade deshalb ist es wichtig, nicht die Scheuklappen aufzusetzen und wahllos alles zu verbieten. Stattdessen: Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen zusammensetzen, ihnen aber auch den nötigen Freiraum gewähren. Dann kann die Social-Media-Falle gar nicht erst zuschnappen.

Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

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