Waffen sind zur Selbstverteidigung nur selten geeignet

Lieber treten statt sprühen

Eigentlich nur zur Tierabwehr erlaubt: Die Nachfrage nach Pfefferspray ist rasant angestiegen.Foto: avs
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Kampfsport und Training verbessern das Selbstwertgefühl – und schützen vor Angriffen.

Dunkle Straßen, düstere Parkhäuser, hallende Schritte in menschenleerer Nacht: Nicht erst seit den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht fühlen sich viele Frauen unsicher, wenn sie alleine unterwegs sind. Doch anders als früher wird jetzt kräftig aufgerüstet – die Nachfrage nach Pfefferspray steigt, ebenso die Zahl der Anträge auf einen kleinen Waffenschein.

Dabei vermitteln diese Verteidigungsmittel oft nur trügerische Sicherheit. „Versuchen Sie mal, in Ihrer Handtasche spontan den Lippenstift zu finden“, sagt Yvonne Schmierer, Sprecherin der Heilbronner Polizei. Selbst in Griffnähe erfüllt Abwehrspray nicht immer seinen Zweck: Bei ungünstigen Windverhältnissen kann der Schuss im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgehen.

Ruhe und Sachkenntnis? In Paniksituationen Fehlanzeige. Schon deshalb rät die Polizei generell davon ab, sich zu bewaffnen. „Es gibt andere Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen“, sagt Schmierer. Schlüssel oder Regenschirm sind schneller zur Hand und leichter zu gebrauchen als Spraydose oder Schreckschusspistole. Noch wichtiger aber ist die innere Einstellung: „Es hilft, gefährliche Situationen vorab durchzuspielen.“

Und zu lernen, notfalls Hemmschwellen zu überschreiten. Schmierer: „Wenn ich angegriffen werde, darf ich mich wehren.“ Selbstverteidigungskurse können helfen, das zu verinnerlichen. „Wer regelmäßig trainiert, verbessert Selbstwertgefühl und Ausstrahlung“, sagt Rolf Vennemann, Cheftrainer bei Banzai Heilbronn. Er registriert, dass sich Frauen verstärkt für seine Kurse im Thaiboxen interessieren. Manche nehmen die jüngsten Vorfälle zum Anlass, lang gehegte Fitnesspläne umzusetzen. Andere wollten sich einfach sicherer fühlen.

Doch ein, zwei Übungsstunden bringen noch nicht den gewünschten Erfolg: „Diese Techniken kosten Überwindung – das muss man üben.“ Vielen scheint es einfacher, Angreifern einen Sprühstrahl in die Augen zu drücken statt der eigenen Finger.

„Das Spray ist kein Allheilmittel“, sagt auch die Polizeisprecherin. Stattdessen helfe es, darauf gefasst zu sein, „dem Täter notfalls in die Weichteile zu treten“. „Wer solchermaßen mental gerüstet ist, wird ohnehin seltener angegriffen“, erklärt Vennemann: „Täter erkennen potenzielle Opfer oft an der Körpersprache.“

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