Besser früh und sicher schwimmen lernen

Seepferdchen nicht genug - "Kinder ertrinken lautlos"

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Symbolbild.

Bei dem Abzeichen für Frühschwimmer trügt der Schein.

Es ist das Ziel für alle Anfänger beim Schwimmen: Das Seepferdchen-Abzeichen. Jedes Kind strahlt, wenn es den kleinen Aufnäher endlich auf der Badehose oder dem Schwimmanzug tragen darf. Schließlich zeigt das Abzeichen allen: Ich kann schwimmen. Selbst Ex-Schwimm-Star Franziska van Almsick bedauert heute, dass sie als Kind kein Seepferdchen gemacht hat. Doch der Schein trügt. Denn das Abzeichen zeugt noch lange nicht von einem sicheren Schwimmer.

"Häufig können Kinder gerade einmal so eine Bahn schwimmen", erklärt Michael McQuirt von der DLRG Neckarsulm. 25 Meter müssen Kinder absolvieren, um das Seepferdchen zu erlangen. Dazu kommen ein Sprung vom Beckenrand und das Heraufholen eines Gegenstandes aus schultertiefem Wasser. Natürlich ist der Frühschwimmer, wie das Abzeichen offiziell heißt, der erste Schritt zum guten Schwimmer. Doch besser ist es, länger dranzubleiben. McQuirt: "Im Optimalfall machen die Kinder auch noch das Bronze-Abzeichen." Denn dafür sind bereits 200 Meter Schwimmen von Nöten. Wer das schafft – der kann sich selbstständig, lange über Wasser halten.

Gehen Sie gerne ins Freibad?

Um dahin zu kommen, sollten Eltern "so früh wie möglich" mit ihren Kindern schwimmen gehen. "Schon Babys können sich nach und nach ans Wasser gewöhnen. Das kann in der Badewanne anfangen", sagt McQuirt. Wer auf Nummer sicher gehen will und sich allein nicht mit dem Baby ins Wasser traut, der bekommt in Babyschwimmkursen Hilfe und Tipps. Wassergewöhnungskurse können dann besonders für ängstliche Kinder ein sinnvoller Zwischenschritt sein, ehe das eigentliche Schwimmenlernen anfängt.

Der Rat des DLRG: "Gehen Sie viel in die Bäder, gehen Sie viel Schwimmen. Wer das von Anfang an macht, der lernt das Schwimmen beinahe von selbst." Natürlich können auch Eltern ihren Kindern das Schwimmen beibringen. Sinnvoll ist es aber, diese Aufgabe von ausgebildeten Lehrern übernehmen zu lassen. Parallel dazu sollten Eltern natürlich trotzdem mit ihren Kindern schwimmen gehen. Das macht nicht nur Spaß, Kinder können so ganz nebenbei die gelernten Bewegungsabläufe besser abspeichern. "Dazu sollten Kinder ab dem Kindergartenalter auch die Baderegeln lernen. Natürlich müssen sie nicht 15 Regeln auswendig können. Aber die Wichtigsten zu beherrschen hilft Kindern dabei, ihre Schwimmfähigkeiten richtig einzuschätzen", erklärt McQuirt.

Wichtig ist aber nicht nur, richtig schwimmen zu lernen. Gerade in Baden-Württemberg ertrinken viele Kinder. "Die Kinder sterben lautlos – so furchtbar sich das auch anhört", sagt McQuirt. "Deshalb müssen Eltern bei Nichtschwimmern immer in greifbarer Nähe sein." Denn: Schwimmflügel oder andere Hilfen sind "eine Sicherheit, aber keine Lebensversicherung". Trotzdem sei es immer noch sicherer Schwimmflügel anzuziehen, als es nicht zu tun. Wer sich an diese wichtige Regeln hält und zudem den Umgang mit dem Wasser regelmäßig übt. Für den steht dem Badespaß dann aber nichts mehr im Wege.

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Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

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