Rückzieher in allerletzter Minute

Ja was denn nun? Verwirrung um Plastiktüten-Gebühr 

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Lidl und Aldi haben es vorgemacht: Hier sind die Tüten schon lange nicht mehr gratis zu haben.
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Alles andere als ein Aprilscherz: Die Gebühr für Plastiktüten verzögert sich.

Plastiktüten bleiben in vielen Geschäften wohl vorerst doch gratis: Eigentlich sollte am Freitag im Handel eine flächendeckende Gebühr eingeführt werden. Doch in letzter Minute ruderte das Bundesumweltministerium zurück – es gebe noch Klärungsbedarf. Die Vereinbarung des Ministeriums mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) ist damit noch nicht in Kraft.

Bei vielen Händlern vor Ort sorgt sie ohnehin für gemischte Gefühle. Der HDE setzt darauf, mit der freiwilligen Selbstverpflichtung rund 60 Prozent aller Tüten zu erfassen. Doch längst nicht alle machen mit: Thomas Gauß,Vorsitzender der Heilbronner Stadtinitiative, hält die Gebühr für „reine Augenwischerei“. Denn sie gilt nur für Plastik-, nicht für Papiertüten, deren Ökobilanz deutlich schlechter ist. „Wir wollen wettbewerbsfähig bleiben und unsere Kunden nicht bevormunden“, erklärt Gauß. Wer Plastiktüten ablehne, nutze ohnedies Alternativen – „aber Spontankäufer zu benachteiligen, halte ich für falsch.“ Im schlechtesten Fall weiche der Kunde auf den Online-Handel aus, dessen Versandsystem die Umweltschädlichkeit jeder Tüte in den Schatten stelle.

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) bezeichnet man die Selbstverpflichtung dagegen als „einen Schritt in die richtige Richtung“ – mehr aber auch nicht: „Wir setzen uns dafür ein, dass eine solche Abgabe Gesetz wird“, sagt Gottfried May-Stürmer, Geschäftsführer der Regionalgeschäftsstelle Heilbronn-Franken. Denn die Tüten verursachen ein riesiges Umweltproblem. Je nach eingesetztem Kunststoff dauert es hundert bis 500 Jahre, ehe sich der Müll abbaut. Massenhaft treibt das Plastik im Meer und zersetzt sich in hochgiftige Teile. Schildkröten oder Vögel halten die Tüten für Beute, fressen sie und verenden qualvoll daran.

Für den Menschen sind die Folgen nicht ganz so dramatisch, doch den Appetit verderben sie allemal: Selbst in Fischen sind Plastikrückstände zu finden, erklärt May-Stürmer. Es gibt also, mit oder ohne Vereinbarung, handfeste Gründe, freiwillig zu Stoffbeutel und Einkaufskorb zu greifen. May-Stürmer: „So etwas möchte ich doch nicht wirklich essen.“

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