Beeindruckender Streifzug durch die Deutschrap-Geschichte

Kool Savas, Kollegah und Sido im Schloss Ludwigsburg

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Kollegah überzeugte mit seiner grandiosen Raptechnik.

Der King, der Boss und der Goldjunge - die drei wichtigsten deutschen Rapper zeigen tolle Shows im Schloss-Ambiente.

Wenn sich die Elite des Deutsch-Raps versammelt, muss auch der Rahmen stimmen. Und ein edleres Konzertumfeld hätten sich Rap-Urgestein Kool Savas, Dichterfürst Kollegah und Ex-Maskenmann Sido gestern Abend kaum wünschen können.

Kool Savas, Kollegah und Sido im Schloss Ludwigsburg

Standesgemäß eröffnet King Kool Savas den Sonntags-Reigen vor 4.000 Fan-Untertanen im Ludwigsburger Schlosshof. Eine Stunde lang zeigt "Essah", warum es kaum einen deutschen Rapper gibt, der ihn nicht zu seinen Vorbildern zählt. Die Setlist ist ein Streifzug durch die Rap-Geschichte - samt Klassikern wie "L. m. S.". Erst am Ende bringt Savas seine aktuellen Hits "Märtyrer" und "Limit". Und das heißt: Fette Gänsehaut im Schatten des Residenzschlosses!

Dann heißt es: Zeit für den Meister der Wie-Vergleiche. Bei Kollegah, Deutschlands einzigem Zuhälterrapper, bildet das Publikum einen Auflauf wie im Kochkurs. Klar, schließlich hat der selbst ernannte Boss in den vergangenen zwei Jahren eine Bilderbuchkarriere hingelegt wie ein Comiczeichner.

Welchen Rapper mögt ihr am liebsten?

Von "Blutdiamanten" über die Motivationshymne "Du bist Boss" und den Kollabo-Song "MP 5" mit seinem Kumpel Seyed spielt Kollegah vor allem neue Lieder. Mit "Westside" und "Fanpost" gibt's zum Schluss noch ein paar Schmankerl für die langjährige Gefolgschaft des Bosses - Seitenhiebe gegen den Berliner Rapper Fler inklusive. Nach einer Stunde ist klar: Kollegah ist die reinste Verkörperung von Coolness - wie die Polareiskappen.

"Technisch ist Kollegah überragend", sagt Flo Güntert aus Ludwigsburg. "Kolle" ist sein Favorit unter dem Trio des Abends. "Allerdings feiere ich seine alten Songs mehr als die neuen." Natascha Seizer ist vor allem wegen Sido in den Schlosshof gekommen. "Seit Sido keine Maske mehr trägt, ist er wesentlich glaubwürdiger", erklärt die Ludwigsburgerin.

Auch Vittoria Knaus aus Stuttgart freut sich auf den Ex-Maskenträger, der so langsam zum Goldjungen mutiert. Schließlich steht im Herbst "Das goldene Album" von Sido an. Knaus: "Sido hat einen krassen Weg hinter sich. Nach der heftigen Aggro-Berlin-Zeit wurde er schwächer. Jetzt ist er aber sozialkritischer - und hat echt was zu sagen."

Zum Beispiel gleich zum Konzertstart: "Augen auf" nimmt alle Eltern in die Verantwortung. In "Schlechtes Vorbild" erklärt Sido dann aber gleich augenzwinkernd, dass er alles andere als eine Leitfigur ist. Schließlich wirft er um sich - mit "Fuffies im Club". Doch die wilden Zeiten hat Sido mittlerweile hinter sich. Als "Astronaut" sieht er, was in der Welt alles falsch läuft und zeigt in "Löwenzahn", dass es jeder von der Gosse auf den Chartthron schaffen kann. Zumindest, so lange der Wille da ist.

Die eigene Geschichte brennt sich sowieso bei jedem ins Gehirn ein. Bei Sido sind es die "Bilder im Kopf". Und die bewahren sich die Zuschauer auch - nach knapp vier Stunden Streifzug durch die Spitze der Deutschrap-Geschichte.

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Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

E-Mail:daniel.hagmann@echo24.de

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